4 Franzmänner und ein Trip nach Baden
- Alfie Mace

- 3. März 2024
- 9 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Juli 2025
Karlsruher SC - Fortuna Düsseldorf 2.2 (0:1)
BBBank Wildpark, Zuschauer: 26.563, Auswärtsfans: ca. 1.500 (17. Feb. 2024)

Eine Nachricht aus dem beschaulichen Elsass ereilte mich, ob ich nicht Interesse hätte, mit zum Spiel KSC - Fortuna zu kommen? Es wäre eine Begegnung am Samstagabend um 20:30 Uhr. Ich checkte kurz die Angebote der Deutschen Bahn und sagte Napoleon sehr gerne zu. Wenn man eh nichts besseres vor hat und für unter 30,- € mit dem ICE bzw. IC reisen kann, dann gibt es wenig Gründe, es nicht zu tun. Zumal beide Clubs mir sehr sympathisch sind und es zu beiden gute, persönliche Kontakte gibt.

Am Matchday wollte ich entspannt in den Tag starten. In Ruhe gegen Mittag frühstücken und mich dann langsam los machen. Irgendwie verbummelte ich dann doch wieder die Zeit und bekam Stress. Schnellen Fußes machte ich mich auf den Weg zur U-Bahn. Zwischendurch musste ich umsteigen und hatte eine kurze Wartezeit. Ich beobachtete eine ältere chinesische Frau, wie sie ihren alten Drahtesel auf die Rolltreppe wuchtete. Da diese recht steil war, dachte sie, es wäre eine gute Idee ihr Gefährt am Fahrradkorb fest zu halten. Sie eierte hin und her. Als sie auf der Mitte der Rolltreppe war, war ihre Fahrt nach oben beendet und sie purzelte rückwärts hinunter und ihr Fahrzeug direkt hinter her. Na, wunderbar! Sie versuchte sich aufzurappeln, aber die weiterfahrende Rolltreppe machte es ihr unmöglich. Also sprintete ich schnell hin, zog die Notbremse und half dem Mütterchen auf. Ihr Rad stellte ich dann zur Seite. Offensichtlich hat sie sich nicht wirklich verletzt. Dem Velo ging es soweit auch gut, nur das Rücklicht und Schutzblech sollte sie zügig erneuern lassen. Nun kam der Alman in mir zum Vorschein und ich erklärte ihr mit erhobenem Zeigefinger, es sei nicht erlaubt die Rolltreppen mit dem Fahrrad zu benutzen! Sie bedankte sich und humpelte nun in Richtig Aufzug. Na also, geht doch! In diesem Moment fuhr meine Bahn ein. Ich nahm diese und machte mich auf den Weg in Richtung Hauptbahnhof. Da mein ICE glücklicherweise gut 5 Minuten Verspätung hatte, konnte ich entspannt meinen Platz suchen und einnehmen. Der Zug rollte los und ich schaute interessiert den offensichtlich in den Ski-Urlaub fahrenden Touris zu. Herrlich! Bis Mannheim passierte nichts. In Mannheim standen wir dann gut 20 Minuten herum, weil das neue Zugpersonal noch "unterwegs" war. Irgendwann trudelte es wohl ein und es konnte weiter gehen. Der neue Zugchef fand fix seine Freude an der Durchsageanlage und quatschte permanent irgendwelche Ansagen durch den Äther. Das wäre noch zu verkraften gewesen, wenn er nicht das breiteste badisch gesprochen hätte, dass ich je gehört hatte. Spätestens nachdem ich das zehnte Mal "Kallsruh" vernommen hatte, konnte ich nur noch den Kopf auf die Tischplatte hauen. Immer wieder!

In der Fächerstadt angekommen, machte ich mich auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt. Auf Öffis und Taxi hatte ich keine Lust, also spazierte ich gemütlich in Richtung City. Unterwegs holte ich mir noch eine Flasche Wasser. Sicher ist sicher, denn wenn man mit Napoleon unterwegs ist, bleibt das Antialkoholische meist unerreichbar im obersten Regal liegen. Nach gut 20 Minuten erreichte ich mein Ziel. Ich war da, nur die Kneipe nicht. Das gibt es doch überhaupt nicht. Google Maps gab an, ich sei am Zielort. Der Zielort erwies sich als Dönerladen. Minutenlang zweifelte ich an mir selbst und ging hin und her. Urplötzlich fiel mir das Schild ins Auge "La Vida Loca, 1. Stock". Ich stand tatsächlich vor dem richtigen Gebäude, leider völlig planlos. Wie dumm kann man manchmal sein? Ich betrat die Pinte, begrüßte den Hausherren mit schlechtem Fußballgeschmack und fragte nach Napoleon. Er zeigte mir den Tisch an dem er herumlungerte. Ich begrüßte ihn und seine drei Begleiter, alles Franzosen von Racing. Jetzt war klar, heute könnte es amüsant werden. Wir tranken noch ein, zwei Bier und machten uns miteinander bekannt. Dann wollte Napoleon die Lokalität wechseln. Ihn zog es zum FC-21, einem Amateurverein in Stadionnähe. Hier könnten wir noch paar Hopfengetränke einnehmen und dann zum Spiel gehen. Das klang nach einem Plan.
Wir liefen zum nahegelegenen Parkhaus. Am Auto angekommen, gab es erstmal für jeden ein Bier aus dem Kofferraum. Gut, was heißt Bier? Es gab ein Heineken Silver im 0,275 Liter Fingerhut. Keine Ahnung wer sowas erfindet!? Kaum saßen wir im Citroën, wurden auch schon Snacks gereicht. Als Hors d'oeuvre gab es Mini-Salamis. Der Franzose ist oral immer ganz weit vorne, das steht fest. Wir fuhren los, aber die Fahrt endete an der Schranke im Parkhaus. Der Kutscher fuhr doch glatt am Schrankenöffner vorbei ohne die Karte reinzuschieben. Also, wieder etwas zurück und den Fehler ausmerzen. Leider stand das Auto zu weit vom Schlitz des Automaten entfernt. Alles strecken half nichts, der Kollege musste aussteigen, um die Karte einzuführen. Nun ging die Schranke auf. Jetzt muss nur niemand denken, er würde schnell wieder einsteigen. In aller Seelenruhe pflanzte er sich hin und schnallte sich an. Dabei erzählte er irgendeinen Schwank aus seiner Jugend. Er machte alles, nur nicht losfahren. Insgeheim hoffte ich, die Schranke ginge wieder zu, aber dieser Wunsch wurde nicht erfüllt. Gefühlt nach einer Ewigkeit tuckerten wir dann endlich los. Nach gut 15 Minuten kamen wir dann am Parkplatz des Clubhauses an. Statt reinzugehen, wurde erstmal der Kofferraum geöffnet. Hier offenbarte sich mir doch glatt eine Bierzapfanlage mit angeschlossenem Fass. Diese konnte die Becher von unten befüllen. Ja, ist denn heute schon Weihnachten? Nein, war es nicht, denn es war irgendein französisches Bier. Schade! Wir nahmen unseren Drink ein und gingen dann auf den Balkon des Sportlerhäuschens. Hier waren geschätzte 200 Leute versammelt. Familiäre Atomsphäre gepaart mit Fußballpöbel. Das passt. Wir blieben eine Weile und führten gute Gespräche. Als es dann Zeit war zu gehen, führte uns Napoleon quer durch ein Waldstück in Richtung Stadion.

Der KSC spielt nicht mehr in der Kloake von einst. Es wurde ein neuer Ground an der gleichen Stelle des alten Stadions errichtet. Von außen war es schon mal gelungen, zumindest für eine Spielstätte der neuen Generation. Am Eingang musste ich mit so einer Security-Trulla diskutieren, ob meine Tasche nun zu groß sei oder eben nicht. Irgendwann hatte sie ein Einsehen und ließ mich passieren. Während ich mich direkt mit einem Tannenzäpfle auf meinen Sitzplatz verzog, hatten die Froggies wohl noch einige Dinge zu erledigen, die Franzosen so erledigen müssen. Etwas enttäuscht war ich, dass die Karlsruher nicht das Badner Lied zum Besten gaben. Zumindest hatte ich es nicht mitbekommen. Zum Einlauf der Mannschaften zeigte Karlsruhe eine feine Pyroshow untermalt mit einem Banner in der kompletten Länge der Hintertortribüne. Zeitgleich zündeten die Düsseldorfer hinter ihrem Fanhaufen ihre Leuchtmittel. Hierzu hatten sie sich in die obere Hälfte ihres Blockes positioniert. Das war schon mal gut. Der Pyrogeruch machte Lust auf mehr. Anstoß und los geht es. Die Akustik ist durchaus gut in diesem reinen Fußballstadion. Kein Vergleich zu seinem Vorgänger. Das machte echt Laune. Beide Szenen unterstützten ihre Elf ziemlich gut, sodass es ein kurzweiliger Abend werden würde. Auf dem Platz war zu erkennen, weshalb die Fortuna im oberen Drittel der Tabelle ist und der KSC sich eher im Mittelmaß der Liga befindet. Düsseldorf machte in der ersten Hälfte das Spiel und ging auch verdient in Führung. Mitte der Halbzeit machte ich mich auf und sah mir etwas das Stadion an. Da dies durstig machte, holte ich mir ein weiteres Bierle. Zwischendurch musste ich natürlich auch die Toiletten aufsuchen. Hier konnte man den Geist des alten Stadions auf jeden Fall bewahren. Trockenen Fußes kommt man weder rein noch raus. Immerhin konnte der Bierhalter an der Klotür überzeugen. In der Halbzeit war ich dann wieder auf meinem Platz. In Hälfte zwei zeigte sich der Gastgeber eine Spur selbstsicherer und erzielte kurz nach Wiederanpfiff den Ausgleich. Jetzt war hier gut Stimmung in der Bude. Darauf hatte F95 wiederum keine Lust und ging direkt danach wieder in Führung. Auf dem Platz ging es ordentlich zur Sache und folgerichtig dauerte es gut zehn Minuten und der erneute Ausgleich konnte erzielt werden. Im Heimblock wurden immer mal wieder Fackeln gezündet. Zwar ziemlich planlos, aber trotzdem hübsch anzusehen. Mitte der zweiten Hälfte zog es mich erneut aufs Stille Örtchen und wenn ich schon mal da bin, kann ich auch gleich meinen Becher abgeben. Ich ging an den Schalter, an dem ich die Kaltschale erworben hatte. Pustekuchen, hier konnte ich das Trinkgefäß nicht gegen Bargeld abgeben. Ich wurde an den nächsten Kiosk verwiesen. Hier musste ich mich an einer Schlange anstellen. Vor mir war eine Volleule aus dem Ruhrpott. Der nutzte seine Gelegenheit, um mich direkt voll zu sülzen. Er käme aus Dortmund und sei beruflich hier...bla, bla, bla. Mit meiner Antwort "Interessiert mich nicht" war er nicht ganz zu frieden. Als ich an der Reihe war, wurde ich erneut enttäuscht. Ich müsse noch einen Kiosk weitergehen. Guuut, dann weiter zum nächsten. Auch hier musste ich kurz warten. Vor mir quatschte so ein Vogel dann die Servierkraft voll. Er wollte offensichtlich ihre Nummer oder was weiß ich. Für diesen Unsinn hatte ich nun keinen Zeit, denn etwas Fußball wollte ich schon noch sehen. Mein Unmut missfiel wohl dem Westentaschencasanova. Der baute sich vor mir auf und laberte mich voll. Ich sagte ihm, er solle Land gewinnen, denn ich will nur meinen Becher abgeben. Jetzt kam der Dortmunder wieder in die Szenerie. Offensichtlich waren die beide Kumpels. Erneut machte ich klar, dass sie Leine ziehen sollen. Daraufhin sprach der Flirt-Heini irgendwelche Flüche oder Verwünschungen aus. Keine Ahnung in welcher Sprache. Mir wurde das dann zu doof und dauerte mir zu lange. Mit einem hektischen Griff in die Visage des Laber-Heinis beendete ich die Unterhaltung. Maulend zog der Ruhrpottler seinen Kollegen mit und ich konnte mir endlich mein Pfandgeld holen. Zurück auf der Tribüne schaute ich mir den Rest der Partie an. Insgeheim hatte ich mit einer Protestaktion gegen den Investoreneinstieg in der DFL gerechnet, aber bis auf ein Plakat im Karlsruhe-Block passierte nichts. Mit 2:2 endete die Partie. Beide Teams konnten wohl damit leben. Wir verließen das Stadion.

Auf dem Weg Richtung Auto trafen wir uns noch mit The Beard. Ihn sah ich das letzte Mal bei meinem letzten Strasbourg-Besuch. Ihn wollten wir eigentlich vor dem Spiel am Fächerbräu-Bierstand treffen, aber unser Aufenthalt beim FC-21 dauerte leider länger. Wir tauschten uns eine Weile aus und mir wurde wieder bewusst, man sieht sich immer zu kurz. Auf der Straße vor dem Stadion verabschiedete ich mich von Napoleon. Eigentlich hatte er mir angeboten mit nach Strasbourg zu fahren um morgen mit zum Heimspiel von Racing zu kommen. Im Prinzip eine gute Idee, aber zeitlich war das für mich nicht drin. Nächstes mal gerne wieder. Vor allem, wenn der Reinickendorfer Fuchs vor Ort ist. Napoleon lief zurück zum FC-21 um dort Jacky-Cola zu trinken. Da ich ehrlich gesagt keine Ahnung hatte, wie ich nun zum Bahnhof komme, entschied ich mich einfach der Masse nach zu laufen. Das ist meist keine schlechte Idee. Nach einer Weile merkte ich, dass ich auf dem richtigen Weg war. Ich lief parallel zur Straßenbahn. Da ich keine Lust hatte gut 18 Minuten blöd rumzustehen, entschied ich mich immer zur nächsten Station zu laufen und dann irgendwo einzusteigen. Das war ein guter Plan. Bis ich an einer Kneipe namens "Pils-Karussell" vorbei kam. Das sah schon richtig schäbig aus. Gut 1 Minute stand ich davor und rang mit mir hineinzugehen. Letztendlich entschied ich mich dagegen, denn die Gefahr, den Zug zu verpassen, war einfach zu groß. An der Haltestelle Poststraße stieg ich dann in die Straßenbahn und fuhr zum Hauptbahnhof. Da das Essen schon wieder lange her war und es irgendwie keine wirklichen Alternativen gab, betrat ich Mc Donald's. Hier war natürlich einiges los, vor allem wegen der Nachtschwärmer und der Fußballfans. Nach gut einer viertel Stunde Wartezeit konnte ich meinen Burger und die Chicken Nuggets entgegennehmen. Ich suchte mir einen Platz und biss in das erste Stück des frittierten Huhns. Zack, Sodbrennen der Hölle ereilte mich! Das hatte mir gerade noch gefehlt. Dennoch zwängte ich mir den Schlangenfraß rein und schlich dann in Richtung Abfahrtsgleis. Auf dem Weg dorthin zog ich mir noch am Automaten ein abgepacktes Stück Käsekuchen und ein Wasser. Überraschenderweise war der IC pünktlich und ich konnte unbehelligt meinen Sitzplatz einnehmen. Im ganzen Wagon lagen die Leute quer über zwei Sitze und pooften vor sich hin. Nach dem Snack stellte ich den Wecker im Handy und machte die Augen zu. Knapp 2 Stunden könnte ich nun dösen. Herrlich! Um 2:00 Uhr klingelte auch der Wecker. Ich schaltete ihn aus und schlief prompt wieder ein. Wie aus dem Nichts wachte ich auf, der Zug stand. Ich riss die Augen auf, schaute aus dem Fenster. Zielbahnhof! Reflexartig ergriff ich meine Habseligkeiten und stürmte hinaus. Ähnlich ging es einem Typen mit Fahrrad. Der musste auch schnell raus. Am Bahnsteig fand ich meinen Schal nicht. Das gibt es doch gar nicht. Also, wieder in den Wagon rein. Da war er aber auch nicht. Nun aber schnell wieder raus, bevor der Zug anfährt. Draußen fiel mir auf, der Schal war in der Jackentasche. Wach wie ich nun war, tigerte ich zur S-Bahn und fuhr zur nächsten Umsteigemöglichkeit. Hier sollte mich die finale U-Bahn nach 5 Minuten Wartezeit nach Hause bringen. Als ich ankam traute ich meinen Augen nicht. In 41 Minuten würde die nächste Bahn fahren. Stinkesauer über die Unfähigkeit des lokalen ÖPNVs und unter lautem Absingen schmutzigster Lieder fuhr dann doch die von mir anvisierte Bahn ein und brachte mich Hause. Ich war ich auch echt bedient für heute.

Im Bett liegend war ich dann allerdings mit dem heutigen Tag zufrieden und freute mich auf das kommenden Wochenende. Da stand FC Southampton away auf dem Plan.
See you at Southampton, Lads!
Keep it tidy, geezers - don't get nicked!
Alfie Mace



























