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Ales, Fußball....und Nothern Birds

  • Autorenbild: Alfie Mace
    Alfie Mace
  • 5. Mai 2024
  • 16 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 27. Juli 2025


Altrincham FC - Oxford City FC 1:0 (1:0)

The J. Davidson Stadium, Zuschauer: 3.328, Auswärtsfans: 72 (20. Apr. 2024)


Everton FC - Nottingham Forest FC 2:0 (1:0)

Goodison Park, Zuschauer: 39.239, Auswärtsfans: k.A. (21. Apr. 2024)

So, dann stand also mal wieder ein Trip ins Mutterland des Fußballs an. Allerdings zog es mich nicht zum Herzensclub aus Südlondon, sondern im Mittelpunkt stand der Goodison Park, der Heimat der Toffees. Für so eine Reise war die Maschine als Begleitung schnell zu motivieren und zu begeistern. Im Saarland und bei QPR hatte er ja schon geglänzt. Der FC Everton baut zur Zeit ein neues Stadion in der Hafengegend von Liverpool und deshalb wollte ich nochmal ein Ligaspiel in der ehrwürdigen, aktuellen Spielstätte mitnehmen. Wenn man schon mal im Nordwesten Englands ist, dann bietet es sich ja quasi an noch ein weiteres Spiel anzusehen. Da die englische FA lange brauchte, um zu entscheiden, ob Everton samstags oder sonntags spielt, gestaltete sich die Suche nach einem zweiten Kick etwas zäh. Dann fiel die Entscheidung auf den Sonntag. Somit begann die Suche nach einem zweiten Spiel. Die erste Wahl war das lokale Duell Crewe Alexandria gegen Wrexham FC....ausverkauft! Die zweite Wahl fiel auf Stockport County gegen Accrington Stanley. Stockport konnte Meister werden und aufsteigen....ausverkauft! Letztendlich entschied ich mich für Altrincham FC gegen Oxford City FC. Ein Spiel der National League, der fünften Liga. Altincham spielte nie im professionellen Fußball und Oxford City ist der kleinere Club der Universitätsstadt und stand schon als abgeschlagener Tabellenletzter und Absteiger fest. Das ist doch mal ein feiner Kontrast zur geldverseuchten Premier League. Der besondere Reiz bestand für mich vor allem darin, dass Altincham einen Zuschauerschnitt von über 2.000 Fans pro Heimspiel hat. Bring it on!

Um 4:40 Uhr klingelte der Wecker. Genau meine Uhrzeit zum Aufstehen. Im Badezimmer konnte nur mit angezogener Handbremse agiert werden. Das hatte zur Folge, dass ich wieder schnellen Schrittes zur U-Bahn musste und nicht gemütlich gehen konnte. Um 6:00 Uhr hatte ich mich mit der Maschine am Flughafen verabredet. Kurz nach 6:00 Uhr kam er in die Abflughalle geschlendert und wir machten uns auf den Weg zur Sicherheitskontrolle. Auch diesmal kam das neue Durchleuchtungsgerät zum Einsatz. Flüssigkeiten müssen nicht mehr aus dem Handgepäck herausgeholt werden, aber schneller geht es bei diesen Schnarchnasen trotzdem nicht. Als die Durchsuchung beendet war, ging es direkt zum Kiosk um sich mit Flüssigkeiten einzudecken. Um das Wasser besser herunter zu bekommen, musste es ein Bier sein. Aus Mangel an guten Optionen fiel die Wahl auf Beck's aus der Dose. Das kann man morgens um 6:30 Uhr schon mal machen. Wir warteten auf das Boarding und betraten das Flugzeug. Der Flug ging nach Manchester, denn das Wochenende in Manchester zu verbringen erschien reizvoller, als dies in Liverpool zu tun. Der Flug blieb soweit unauffällig und so konnte ich die Äuglein schließen und etwas vor mich hindösen. In Manchester angekommen nahmen wir den Zug nach Manchester Piccadilly. Die Fahrkarten zogen wir am Automaten und kauften auch gleich das Returnticket. Dies war kostengünstiger und evtl. kommt es an diesem Wochenende auf jeden Penny an. In Manchester angekommen liefen wir zum Hotel in Mitten des Nothern Quarter. Da die Maschine noch nie in Manchester war, war die Idee, eine Unterkunft im Epizentrum des Nachtlebens zu nehmen. Wenn schon, dann richtig. Am Sachas Britannia Hotel angekommen, ereilte uns gleich die Realität. Die Glasdrehtür war außer Betrieb, denn eine Scheibe war zersplittert. Herzlich Willkommen in Madchester!

Da wir viel zu früh zum einchecken kamen, verstauten wir die Taschen im Gepäckraum und wir gingen in die City. Das erwachende Manchester um 9:30 Uhr ist alles andere als eine Schönheit, das steht mal fest. Wir liefen etwas herum und und steuerten das englische National Football Museum an. Wenn man schon mal hier ist, dann sollte man auch mal hineinschauen. Vor etlichen Jahren war ich hier schonmal mit dem Anwalt, dem Manager sowie dem Braumeister. Der Eintrittspreis hat sich in der Zwischenzeit allerdings verdoppelt. Jetzt muss man nur nicht denken, dass man auch mehr Inhalt bekommt. Auch hier muss man für jedes Extra, z.B. die Schussstärke messen, eine Extragebühr zahlen. Somit ließen wir uns nur von den durchaus interessanten Exponaten aus der Vergangenheit begeistern. Es waren zwei kurzweilige Stunden. Bevor wir das Museum verließen, machte ich noch ein Bild vom Meisterpokal der Premier League. Der eingeteilte Wächter dieses Pottes gesellte sich direkt zu uns und quatschte uns im breitesten schottischen Akzent voll. Es fiel mir schwer zu folgen, denn ich war einfach noch zu nüchtern. Er faselte von seinem Lieblingsclub Celtic und dass jeder Club am Ende des Tages auch seine Geschichte hat, egal welcher es sei. Dann fragte er uns, welcher unser Lieblingsclub wäre. Ich sagte ihm, "Millwall!". Prompt fing der Vogel an zu lachen. "Millwall...hahahaha.....Millwall." Mehr kam nicht mehr von ihm. Die Maschine sagte gar nichts mehr. Vielleicht auch besser, denn wenn er jetzt noch von seiner Ziege anfangen würde, nicht auszudenken. Ich dachte bei mir nur noch, "Bloody Jock!" und wir verließen die Kultureinrichtung. Aus purer Verzweiflung nehmen wir nun Kurs auf den "Old Wellington"-Pub. Was soll man auch sonst gegen 13:00 Uhr machen? Der Pub war gut gefüllt und das erste Pint war fix bestellt. Die Auswahl an Ales war gut und auch der stolze Preis schockte mich nicht mehr. Aus dem einen Pint wurde ein weiteres und möglicherweise noch ein weiteres. Wer wollte das denn zählen? Mitte des Nachmittags schlenderten wir zurück Richtung Hotel und deckten uns im Supermarkt noch mit Wasser und Chips ein. Als wir dann irgendwann im Hotel ankamen, legte ich mich kurz lang und etwas später machten wir uns fertig für den ersten Abend im Nothern Quarter.

Aufgehübscht schlenderten wir zwei Hobby-Ornithologen los um nach den Nothern Birds Ausschau zu halten. Darunter versteht man massiv aufgedonnerte englische Fräuleins mit knapper Garderobe. Hin und wieder wird ein Größe 44-Körper auch gerne in ein Größe 38-Kleid gezwängt. Völlig egal, Hauptsache es gefällt. Entlang der Oldham Street wollten wir den Abend verbringen und steuerten als erstes das "The Castle"-Hotel an. Sehr feiner Pub mit Jukebox. Diese wurde allerdings von einer jungen Dame bespielt, die augenscheinlich depressiv war. Sehr traurige Musik drängte sich in unsere Ohren. Offensichtlich hörte sie Joy Division und liest Nietzsche um sich aufzuheitern. Das war schon harter Tobak, Allerdings gab es hier einige Ales, die getestet werden wollten. Durch das Fenster beobachteten wir das Straßenpublikum und hin und wieder kam ein ulkiger Vogel vorbei geflattert. Als es dunkel wurde, suchten wir uns einen Laden, in dem man etwas Ordentliches essen konnte. Mein Steak-Ciabatta war eine Offenbarung und das Craftbeer im "Kong NQ" konnte sich ebenfalls sehen lassen. Weiter ging es dann im "Gullivers". Hier war gut was los, denn im ersten Stock fand ein Konzert statt. Ich bestellte mir ein Manchester Pale Ale und der Abend nahm seinen Lauf. Sehr schön waren die Gläser, die ergonomisch an die Trinkerhand angepasst waren. Allerdings zogen wir kurze Zeit später weiter. Wir hatten den Eindruck, hier auf der Hauptstraße würden wir nicht glücklich werden. Es zog uns in eine Seitenstraße und am Ende dieser entdeckte ich einen mit sehr vielen Englandfahnen geschmückten Pub namens "The Wheatsheaf". Die Maschine schaute durchs Fenster hinein und meinte nur, das sei doch jetzt nicht mein Ernst, da würden ja nur alte Leute drin sein. "Egal!" erwiderte ich und ging hinein. Was soll ich sagen? Wir gehörten tatsächlich zu den jüngsten und offensichtlich trieben sich hier die lokalen Trinker des Viertels herum. Der ganze Laden war mit Fahnen mit Georgs Kreuz geschmückt. Auch einige Plakate, die auf eine Parade zum St. George's Day hinwiesen, fielen uns ins Auge. Mich überzeugte diese Pinte sofort, denn der DJ schmetterte gute Hits der 80er aus den Boxen, schön laut. Dass er zeitgleich auch der fleißigste Tänzer auf der Tanzfläche war, machte das ganze noch kurzweiliger. Nach dem ein oder anderen Dark Ale ließ sich auch die Maschine überzeugen. Urplötzlich bebte der Boden und zwei Pommespanzer trampelten zur Eingangstür rein. Hier wurden jetzt alle Klischees erfüllt. Die beiden Mädels standen gut im Futter, drückten sich Richtung Tanzfläche und machten ihre eigene Party. Hier bekamen wir was für unser Ale geboten. Meine Hoffnung, dass die Maschine zum Tanz aufgefordert werden würde, erfüllt sich nicht. Selbst Schuld, wenn er immer so reserviert an der Theke rumlungert. Irgendwann bimmelte eine Glocke und kurze Zeit später war hier Schicht im Schacht. Feierabend....aber nicht für uns. Wir taumelten zurück in den Schmelztiegel des Nothern Quarters und fanden uns im "Corner Boy" wieder. Hier war oben ein Musikclub und unten fand eine Comedyveranstaltung statt. Die Musik war gut und wir hatten Spaß. Offensichtlich waren kürzlich Anhänger vom Rautenclub aus Hamburg vor Ort gewesen, denn hier waren fein Aufkleber platziert worden. Statt zurück ins Hotel zu gehen zogen wir noch in eine weitere Lokalität. Hier waren die letzten Nachtschwärmer, insbesondere Touris, unterwegs. Als ich von Toilette zurück kam, sah ich die Maschine mit irgend so einem Hanswurst intensiv an der Tanzfläche diskutieren. Na prima! Er kam zurück und erzählte, der Typ hätte irgend ein Problem, aber er habe ihn nicht wirklich verstanden. Ich betrachtete ihn mir und dachte, was geht es mich an? Als die Maschine austreten war, kam Mr. Wurst zu mir und fragte mich, weshalb ich so schauen würde. Du liebe Zeit, das fehlt mir jetzt auch noch. Ich war froh, dass mir die Schuhe passten und der textet mich jetzt voll. Ich machte ihm sehr schnell klar, dass ich nicht so nett wie mein Kumpel sei, er mich in Ruhe lassen und gehen soll. Glücklicherweise kam er meinem Wunsch nach. Bei mir war die Luft raus und wir gingen in Richtung Hotel. Aber statt sich ins Bett zu legen, dachte ich, es sei eine gute Idee jetzt noch ein Knoblauchbrot zu kaufen und zu essen. Dies aß ich im Hotelzimmer, schlüpfte ins Nachtgewand und machte mich bettfertig. Der Stecker war gezogen.....Gute Nacht!

Matchday! Als der Wecker klingelte, bereute ich den gestrigen Abend sofort. Ich war alles, nur nicht fit. Das Aufwachen und Fertigmachen im Bad dauerte so lange, dass das erhoffte Full English Breakfast ersatzlos gestrichen werden musste. Im Supermarkt holte mir etwas zu trinken und Obst und ab zum Zug. Von Manchester nach Altrincham dauerte es mit dem Zug etwa 30 Minuten. In der Bahn ging es mir trotz Flüssigkeitszufuhr nicht besser. Die Sonne knallte an meinen Fensterplatz und sorgte für Schweißausbrüche meinerseits. Irgendwann gab ich entnervt auf, stellte mich in die Mitte des Wagons und wartete bis wir endlich ankamen. Die Maschine war natürlich fit, wie immer. Zumindest wirkte er so. Am Zielort angekommen stiefelten wir direkt in den Pub des "Station Hotels". Die Maschine holte sich ein Pint und bei mir langte es nur zu einer Cola light. Wir waren etwas irritiert, aber hier war nicht all zu viel los. Nicht mal die lokalen Schnapsdrosseln gaben sich die Ehre. Während ich die Neuigkeiten der Welt am Handy checkte, fiel mir auf, in 15 Minuten wäre Anpfiff. Der Kick-Off war nicht um 13:15 Uhr sondern schon 1 Stunde früher. Da waren wir beide baff. Google Maps verriet uns, es bräuchte 15 Minuten, um zum Stadion zu kommen. Folglich sollten wir in 10 Minuten da sein. Die Gläser auf Ex geleert und ab durch die Mitte. Durch eine beschauliche Wohngegend marschierten wir zügig zum Stadion. Und tatsächlich erreichten wir pünktlich zu einer Trauerminute das Stadion.

Das Stadion ist ein kleines, schnuckliges Schmuckstück mit drei Stehtribünen und einer Tribüne mit nur Sitzplätzen. Etwa 7.800 Zuschauer passen hinein. Mit über 3.300 war es gut gefüllt. Wir drehten eine Runde durch den Ground und stellten uns auf die unüberdachte Stehtribüne. Hier hatten wir alles im Blick. Auf dem Platz bot sich ein munteres Spielchen. Altrincham war in Halbzeit 1 spielbestimmend, verstolperte aber auch klarste Torchancen. Oxford versuchte dagegen zu halten. Erst ein Elfmeter sorgte für die Führung der Hausherren. Die Stimmung war überraschend gut. Immer wieder wurden Lieder angestimmt und zwischenzeitlich war es sogar laut. Abseits des großen Fußballs macht sowas wirklich Freude. In der Halbzeitpause strömte alles zu den beiden Versorgungsständen, um sich mit Fast Food und Softdrinks einzudecken. Herrlich chaotisch und gleichzeitig geordnet in der Schlange stehen. Das kann der Engländer! Leider gab es hier in der Non League ebenfalls kein Bier. In Halbzeit 2 entwickelte sich ein munteres Spielchen mit Torgelegenheiten auf beiden Seiten. Den Ball über die Linie drückte aber keiner mehr. Lustige und gechillte 90 Minuten puren Fußballs konnten wir genießen. Wir schauten uns noch eine Weile um und ich betrachte die wirklich hübschen Banner des Heimanhangs. Sehr schön. Das Heimteam wird dieses Jahr in den Play-offs um den Aufstieg zur League Two mitspielen. Gegner wird Bromley aus London sein. Für die Citizens aus Oxford geht es runter in die 6. Liga. Schade! Wir spazierten zurück Richtung Bahnhof um dann in die Innenstadt abzubiegen. Durch den früheren Anstoß hatten wir noch genug Zeit, um ein oder mehr Bierchen zu trinken. Nach gut 20 Minuten landeten wir im "Bricklayers Arm" Pub. Wir kamen genau pünktlich zum schottischen Pokalhalbfinale zwischen Celtic Glasgow und Aberdeen. Wir holten uns ein Ale und das Elfmeter konnte starten. Schnell war klar, die Sympathien lagen hier eindeutig nicht bei Celtic und schon gar nicht bei Torwächter Joe Hart. Nicht nur einmal wurde er als "Bastard" und "Prick" tituliert. Er verschoss dann seinen Elfer und dies wurde mit Beifall beklatscht. Letztendlich gewann dann doch Celtic und wir suchten einen neuen Pub auf. Wir gingen durch die Fußgängerzone und landeten im "Tavern of the Green". Hier war ebenfalls nicht viel los. Allerdings lief hier im TV Aussie Rules Football. Dem wohnten wir doch gerne bei. Es spielte Adelaide gegen andere. Keine Ahnung. Wir begriffen das Spiel gar nicht. Der Wirt kam dann kurz vorbei und wies uns höflich darauf hin, dass später aber Fußball gezeigt werden würde. Nette Leute hier in der Provinz. Wie aus dem Nichts kam eine Frau um die 70 zu uns an den Tisch und grüßte mich freundlich. Meine Reaktion entsprach wohl nicht ihren Erwartungen und sie fragte mich, ob ich sie nicht erkennen würde. Dies verneinte ich. Sie meinte aber, wir kennen uns von irgendeiner Veranstaltung. Sie sei sich ganz sicher. Ich erklärte, ich wäre noch nie hier gewesen. Aber auch das überzeugte sie nicht. Sie ging zur Toilette und als sie zurückkam, grinste sie mich erneut an und nickte mit dem Kopf. Jetzt glaubte mir nicht mal mehr die Maschine. Ich war wirklich noch nie hier und dieses Mütterchen sei mir völlig unbekannt. Es war Zeit zu gehen. Auf zurück nach Manchester.

An Manchester Piccadilly angekommen, machten wir uns auf den Weg zur "Piccadilly Tavern", einem typischen Pub mit Hallencharakter. Während des Fußmarsches aßen wir jeweils eine Pastete. Die Maschine erzählte begeistert von diesem Snack. Während es ihm schmeckte, verbrannte ich mir an der scheiß Füllung dreimal die Zunge! Außer heiß schmeckte ich da gar nichts. Schien direkt in der Hölle gebacken worden sein. In der Tavern zogen wir uns noch das englische FA-Cup Halbfinale zwischen Man City und Chelsea rein. City hatte hier einige Anhänger im Pub und dementsprechend wurde gejubelt und geflucht. Wir setzten uns an den Rand und schauten dem Treiben zu. Zwischendurch wurden wir immer wieder von den ortsansässigen Trunkenbolden angequatscht. Unter Alkoholeinfluss ist der Manc-Akzent eine Herausforderung. City gewann und wir verabschiedeten uns gen Hotel. Mir ging es besser und nach gut 40 Minuten mit Nickerchen und Dusche waren wir bereit für die zweite Nacht in Manchester. Die Maschine hatte sich über zu wenig Nothern Birds beschwert und deshalb sollte der zweite Abend in der Gegend der Printworks stattfinden. Wir durchliefen das Gebäude der Printworks und stellten fest, dass wir zu nüchtern und es zu früh für diese Art von Unterhaltung sei. Auf der Suche nach etwas Essbarem landeten wir aber im Pub "The Lower Turks Head". Hier entdeckten wir die beste Trinkertribüne, die wir je gesehen haben. Leider konnte das Bier nicht überzeugen und betrunkene, englische Tanten mit Cowboyhüten waren uns zu anstrengend. Wir zogen weiter ins "The Hare and Hound". An der Eingangstür entdeckten wir ein Hinweisschild, "Smart-Casual only". Ich sag mal so....hier bin ich! Wir betraten den Pub und gefühlt landeten wir im Jahre 1984. Sehr altbacken im Chic der 8oer. Genauso war auch das Publikum. Perfekt zum Trinken. Die Musik reichte von The Smiths über The Cure bis hin zu Oasis. Wir standen an der Theke und kamen auch fix mit dem Besitzer ins Gespräch. Je länger ich ihn betrachtete, desto deutlicher stellte sich eine Frage in meinem Kopf. Wann bekommt Noel Gallagher seine Frisur zurück? Irgendwann kam ein Typ mit zwei Birds hereingewackelt. Er dappte direkt in die Toilette und die zwei Mädels steuerten die Theke an. Die Dunkelhaarige hielt sich mit beiden Händen überkreuzt an der Theke fest. Dabei riss sie die Augen auf und grinste was das Gesicht hergab. Die Maschine sagte nur noch, dass "die Olle, wenn sie keine Ohren hätte, im Kreis grinsen könnte". Er hatte absolut Recht. So sieht man also aus, wenn man bumsvoll ist und mit aller Macht nüchtern wirken will. Werde ich mir in Zukunft wohl eher sparen. Die Blonde bestellte Wodka, aber der Wirt hatte kein Interesse ihnen auch nur irgendetwas zu geben. Eine Coke bot er ihnen an. Das wiederum führte nicht zur Zustimmung der Blondine. Es feine Diskussion entwickelte sich. Der Typ stand dann irgendwann hinter den Mädels, aber bis auf blöd aus der Wäsche glotzen trug er hier nichts bei. Die Grinsekatze zeigte nun schöne Rotationsbewegungen im Oberkörper. Glücklicherweise hielt sie sich gut fest. Jetzt zog der Barmann die Notbremse und beendete das Treiben und setzte das Trio vor die Tür. 3:0 für den Chef der Zapfhähne. Die Maschine und ich hatten unseren Spaß. Das bemerkte der Wirt und schenkte uns zwei Flaschen Holsten Pils. Juhu, da kam so richtig Freude auf. Das Etikett entsprach den Holsten Edel, machte die Situation aber nicht besser. Letztendlich steckten wir es verschlossen in die Jacken. Wir blieben fast bis zum Schluss und hatten einen guten Abend. Jetzt waren wir bereit für das Printwork. Wir gingen wieder zurück und kehrten kurz im "Nothern Monkey" ein. Aber hier konnten wir uns mit dem Getränkeangebot nicht anfreunden und nach wenigen Minuten waren wir wieder auf der Straße. Im Printwork überlegten wir kurz welches Etablissement es sein sollte. Wir entschieden uns letztendlich für das "Walkabout". Wenn schon assig, dann auch richtig. Hier flatterten genug von den besagten Vögelchen herum. Bei unfassbarer Lautstärke schauten wir dem englischen Partyvolk zu. Immer wieder kamen Kellnerinnen mit Tabletts mit Shots oder Jäger Bombs vorbei. Wir lehnten dankend ab. Zwischendurch wurden wir von einer gut 50 Jahre alten Ische beschimpft. Keine Ahnung was die eigentlich wollte, aber es war ihr wichtig es uns immer wieder zu sagen. Hier verloren alle die Würde. So einen Laden besuchte ich mal vor Jahren mit den Millwall Lads in Bournemouth. Das endete morgens um halb vier mit einer schönen Fetzerei auf der Tanzfläche sowie einer Verhaftung. Der Braumeister wird sich erinnern. Dann kam der Zeitpunkt die Segel zu streichen und zurück zum Hotel zu gehen. Hier würde es nur noch schäbiger werden und das Gewummer der Bässe war dann doch nicht das Richtige für diesen Abend. Auf dem Weg zu unserer Unterkunft bemerkten wir, dass wir das Abendessen vergessen hatten. Passiert halt manchmal. Die zweite Nacht hatten wir hinter uns gebracht.

Am nächsten Morgen klingelte mein Wecker etwas früher, denn für mich stand nun eine Fahrt nach Liverpool auf dem Plan. Die Maschine konnte aus verschiedenen Gründen nicht daran teilnehmen. Ich verabschiedete mich von ihm und erinnerte ihn daran, zur Parade des St. George's Day zu gehen. Ich holte mir eine Kleinigkeit zu essen und stand dann am Gleis und wartete auf den Zug. Prima, es gab eine Verspätung von gut 30 Minuten. Am Bahnsteig lungerten auch eine Handvoll Aachener herum. Einer von ihnen trug ein "Karlsbande"-Hoodie. Puuh, das muss man auch wollen. Die Zugfahrt war unspektakulär. Dadurch, dass die Anreise länger dauerte, hatte ich keine Zeit mehr in Richtung des Flusses Mersey zu gehen, um die Liverbirds zu fotografieren. Dann muss ich das wohl nach dem Spiel noch fix erledigen. Mit dem regulären Bus fuhr ich zeitnah zum Goodison Park. Dieser liegt herrlich eigebettet in einem Wohngebiet. Die Zeit scheint hier still zu stehen. Zweimal ging ich um das Stadion, holte mir ein Programm und freute mich auf das Abstiegsspiel gegen Nottingham. Die Anhängerschaft der Toffees hegt eine enorme Abneigung gegen ihren Verband, denn diese Saison wurden ihnen 10 Punkte abgezogen, da der Club angeblich gegen die Profitablitäts- und Nachhaltigkeitsregeln verstoßen haben soll. Ein Irrsinn zu Zeiten von Glazers, arabischen Investorengruppen oder Ähnlichem. Nach einem Einspruch wurde die Strafe auf 6 Punkte reduziert. Dennoch ist das Tischtuch hier zerschnitten. Rechtzeitig ging ich durch das enge Drehkreuz auf die Tribüne der Gegengerade. Hier ist alles schön eng, rustikal und auch irgendwie schmuddelig. Einfach wunderbar. Die Atmosphäre war schon prickelnd. Vor dem Spiel gab es eine Choreo mit Papptafeln und es wurden Protestbanner gehisst. Weshalb? Everton FC wird bald dieses schöne Schmuckstück verlassen und in eine sterile neue Arena im Hafen umziehen. Offensichtlich haben die Fans keinen Bock darauf und protestieren gegen ihre Clubführung. In Deutschland werden Proteste mit einer viel größeren Wucht vorgetragen, aber es ist trotzdem gut, wenn es auch hier in dieser Zasterliga noch Fankultur gibt. Zum Einlauf gab es eine schöne Vereinshymne zu hören und das Publikum machte sofort gut Alarm. Ich saß etwa auf Höhe der Mittelline in Reihe 11. Gute Sicht in Mitten von alteingesessenen Everton-Fans. Es fühlte sich nicht richtig an hier zu sitzen, aber ich war jetzt nun mal da. Es entwickelte sich ein dynamisches Spiel mit Chancen auf beiden Seiten. Lieder und Anfeuerungsrufe von beiden Fanlagern durchdrangen das Stadion. Der Torjubel zum 1:0 war sehr brachial. Meine Herren, hier war echt was los. Mit knapper Führung ging es zum Pausentee. Im zweiten Durchgang wurde es noch intensiver. Knackige Zweikämpfe und das 2:0 gab es zu sehen. Forest haute alles hinein, um hier nicht als Verlierer vom Platz zu gehen. Aus ihrer Sicht hätten sie 2-3 Elfmeter bekommen müssen. Kann man sehen wie man will. So ging es den Fans auch und es entstanden um den Gästeblock herum immer wieder heftige Pöbelleien. Das machte so richtig Spaß! Wegen einer Verletzungsunterbrechung in der Nachspielzeit verlängerte sich diese auf gut 16 Minuten. Nach dem Schlusspfiff schaute ich mich noch ein wenig um und mir fielen viele alte Holzsitze ins Augen. So ein herrlicher Ort. Leider will man diesen im modernen Fußball nicht mehr. Ich machte mich auf den Weg zum Bus. den angestrebten hatte ich wegen der Verletzungspause verpasst. Für die nächste Busverbindung mussten weitere 15 Minuten Wartezeit eingeplant werden. Als dieser dann eintraf, nahm ich Platz und wir tuckerten in Richtung Bahnhof. Der Trottelbusfahrer fand doch glatt jede rote Ampel und jeden Stau. Auf dem Hinweg dauerte die Fahrt 18 Minuten. Auf dem Rückweg waren wir knapp 50 Minuten unterwegs. Ich kam gerade noch rechtzeitig um ein "Meal Deal" am Bahnhof zu holen. Die Liverbirds konnte ich vergessen. Dann halt nicht.

Auf der Fahrt zurück nach Manchester checkte ich die Fußball-App und bemerkte, das das zweite Halbfinale im FA Cup bereits im vollen Gange war. Hier spielte Man United gegen den Zweitligisten Coventry City. United führte komfortabel mit 3:0, aber der Underdog schlug zurück. In der 75. Minute erreichte ich erneut die "Piccadilly Tavern". Heute waren United-Fans anwesend. Kaum angekommen erzielte Coventry den Anschlusstreffer. Hier war plötzlich gut Pfeffer in der Bude. Einige Sheffield United-Fans waren anwesend und provozierten die Einheimischen. Es wurde wild gestikuliert und geschimpft. In der 5. Minute der Nachspielzeit fiel der Ausgleich für die Skyblue. Da es direkt Elfmeterschießen gab, stieg die Spannung. Am Ende setzte sich der Favorit durch und die Emotionen hier im Pub beruhigten sich. Jetzt hatte ich genug vom Fußball und schlenderte noch etwas durch die City von Manchester. Wer deutsche Innenstädte öde findet, der war noch nie hier. Keinen Deut besser ist es in Großbritannien. Wobei Manchester etwas mehr Charme hat als das Nest Altrincham. Dann hatte ich die Nase voll, holte mir Pasta und Chips und verzog mich zurück ins Hotel. Im TV lief Papillon mit Steve Mac Queen und Dustin Hoffman. Die Maschine meldete sich nochmal und erzählte mir, er habe das falsche Returnticket gekauft und sei vom Schaffner erwischt worden. Aber durch seine Kulanz musste er nur den Ticketpreis nachbezahlen. Statt zu lachen checkte ich erstmal mein Ticket. Mist...meines war auch auf den Ankunftstag terminiert. Danke für den Tipp! Jetzt stand nur noch packen und schlafen an.

Am nächsten Morgen holte ich mir ein neues Zugticket und fuhr zum Flughafen. Erst dort bemerkte ich, dass ich meinen Adapter für die Steckdose und einen Stecker im Hotel vergessen hatte. Leider geht es nicht ohne Schwund. Am Abfluggate fielen mir wieder die Aachener ins Auge. Das war auch nicht all zu schwer, denn der Kunde trug erneut seinen Hoodie. Der Rückflug war soweit ereignislos. Nervig war nur, dass das Ankunftsgate diesmal Z58 war. Viel weiter weg konnte man die Maschine wirklich nicht parken. Hier kommt man echt jedes Mal woanders an. Furchtbar! Vom Flughafen konnte ich glücklicherweise fix nach Hause, geschwind duschen und dann ab an die Arbeit. Von nichts kommt nun mal nichts. Wer jetzt meint, es reicht erstmal wieder mit dem Vereinigten Königreich, der irrt. In 4 Tagen geht es nach London. Das letzte Heimspiel von Millwall wartet.


See you there!

"Ich hab mal geschaut.....ich glaub, wir hatten gestern über 18 Ales!"

Mit diesem Satz sorgte die Maschine am Samstagmorgen für eine gewissen Stille. Ich hoffte inständig, dass er nachts nochmal ohne mich unterwegs war.


Keep it tidy, geezers - don't get nicked!


Alfie Mace







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