Auf der Suche nach den Eulen von Sheffield...
- Alfie Mace

- 26. Nov. 2023
- 12 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Juli 2025
Sheffield Wednesday - Millwall FC 0:4 (0:2)
Hillsborough Stadium Sheffield, Zuschauer 25.678 Auswärtsfahrer: 1.564 (11. Nov. 2023)

Die Insel rief mal wieder und es wurde auch wirklich Zeit. Nach der erfolgreichen letzten Saison, in der fast die Play Offs-Qualifikation gelungen wäre, ist die aktuelle Spielzeit eher zäh. In der Tabelle rangiert der Club südlich der Thames im unteren Mittelfeld. Auch hier mahlen die Mühlen ähnlich wie bei anderen Clubs, der Trainer stand zur Disposition und wurde dann ersetzt. Ideale Voraussetzungen für ein Spiel im altehrwürdigen Stadion von Sheffield Wednesday, dem Hillsborough. Fußballromantiker kennen es aus diversen Europapokalspielen aber auch durch die Tragödie von Hillsborough aus dem Jahr 1989, als 96 Liverpool-Fans ihr Leben verloren. Vor gut 10 Jahren war ich schon mal da, jetzt sollte es wieder soweit sein.

Bevor es heute zum Flughafen ging, musste noch ein kompletter Arbeitstag hinter sich gebracht werden. Mit wenig Motivation erledigte ich meine Aufträge und stellte mal wieder fest, sich erfolgreich vor manchen Arbeiten zu drücken, klappt an diesen Tagen erstaunlich gut. Gegen 15:00 Uhr fuhr ich den Rechner runter und schmiss mich ins Freizeitoutfit. Tasche nehmen und ab zum Flughafen. Als ich diesen problemlos erreichte fiel mir ein, ich hätte mir besser unterwegs etwas zu Essen holen sollen. Das war jetzt ziemlich dämlich von mir, da ich den ganzen Tag noch nichts zu mir genommen hatte. Am Flughafen holte ich mir in der B-Ebene eine Cola light und eine bedeutungslose Wurstsemmel. Als ich die fälligen 9,40 € latzte, ärgerte ich mich richtig. Hier nimmt man es von den Lebendigen. Bei der Sicherheitskontrolle nervten wieder die Passagiere, die nicht so oft ein Flugzeug besteigen. Das mit den Flüssigkeiten und Plastikbeuteln mit Zipper scheint für manche Experten immer noch Raketentechnik zu sein. Ich schaute mir das Treiben an, konnte mir aber regelmäßiges Augenrollen nicht verkneifen. Schlimmer als die Warterei war aber der aufkommende Bierdurst. Glücklicherweise konnte ich den Security-Check zügig passieren und ich machte mich strammen Schrittes zu Gate B24. Glücklicherweise gab es hier einen Bierstand, der auch diverse Sandwiches und Co verkaufte. Leider war das Angebot an gezapftem Bier übersichtlich und so entschied ich mich für ein Allgäuer Büble aus der Flasche mit Bügelverschluss. Dazu ein Wasser, denn das soll bekanntlich nicht schaden. Als der Raubritter hinter der Kasse schlappe 10,- € für beides haben wollte, war ich echt bedient. Fast 20,- € für nichts ausgegeben. Am Gate wartete ich geduldig auf den pünktlichen Abflug. Beim Betreten der Maschine musste ich gähnen und der Ober-Steward fragte, ob ich einen Kaffee oder doch ein Bier gebrauchen könnte? Ich antwortete: " Ein Bier zu Platz 9B, bitte. Ich trinke aus der Flasche. Danke." Der Flug nach London war ereignislos und endlich mal pünktlich. Auf das Bier warte ich übrigens immer noch. Auf nix ist mehr Verlass!

In London angekommen nahm ich direkt Kontakt mit Mr. Belvedere auf. Er war, wie immer, mit Arbeitskollegen noch im Pub verabredet. Die Adresse des Pubs schickte er mir und ich nahm die Elizabeth Line nach Farrington. Statt direkt ins Pub zu gehen, holte ich mir im Tesco noch fix ein abgepacktes Sandwich und einen Sportdrink gegen den Kater am Sonntag. Sicher ist sicher! Diese Delikatesse schob ich mir auf meinem zehnminütigen Fußmarsch zum Pub hinein. Hierbei bemerkte ich, wie kalt es doch war und die Befürchtung mal wieder zu dünn angezogen zu sein wurde größer. Ich betrat den Pub "The Duke of York". Hier hielt ich Ausschau nach meinem Gastgeber und fand ihn im ersten Stock im Kreise seiner Working Mates. Big John war ebenfalls anwesend. Hätte mich auch arg gewundert, wenn der sich auch nur ein Freitagspint entgehen lassen würde. Mr. Belvedere stellte mich vor und ich begrüßte jeden via Handschlag. Eine seiner Kolleginnen schaute mich an und meinte, ich würde aussehen und klingen wie ein Schotte. Wer kennt nicht den Moment, wenn man im Kopf den Satz "Halt doch einfach dein Maul!" hat und aus dem Mund aber nur "Nice to meet you." herauskommt? Furchtbar. Mr. Belvedere lachte und meinte nur, ich solle es nicht so ernst nehmen, sie sei ja Französin. So wie er es ausdrückte klang es wie eine Behinderung. In diesem Fall gab es keinen Grund ihm zu widersprechen. Ich holte mir ein Pale Ale und klinkte mich in die Gespräche mit ein. Nach einer Weile schlug ein weiterer Kollege auf und war, als er hörte ich sein Deutscher, sehr geschwätzig. Wie aus dem nichts fragte er mich, ob ich "Jens Söring" kennen würde, er wäre ja auch Deutscher. Ich fragte ihn, wer das sein solle und ob er aus meiner Gegend sei. Letztendlich stellte sich heraus, das der gute Mann offensichtlich die Eltern seiner Freundin in den USA ermordet haben soll. Nun, solche Leute kenne ich in der Tat nicht. Der Abend entwickelte sich feucht fröhlich und das Ale schmeckte gezapft einfach von Pint zu Pint besser. Kurz bevor wir den Pub verließen besorgte ich mir an der Theke noch ein Poppy. Morgen ist schließlich Remembrance Day und da wollte ich natürlich auch meinen Respekt zollen. An der frischen Luft bemerkte ich, dass es dann doch mehr Pints waren, als ich annahm und diese mich doch etwas angeschlagen hatten. Wir nahmen den nächstmöglichen Zug zu Mr. Belvedere nach Hause. Hier stand ich vor der Wahl, direkt ins Bett zu fallen oder zu duschen, um am kommenden Morgen etwas länger schlafen zu können. Ich nahm die Dusche und bemerkte, wie sich die ganze Bude von Minute zu Minute mehr drehte. Irgendwie schaffte ich es dann doch unfallfrei ins Heiabettchen zu kommen und schlief den Schlaf des Gerechten. Oder so ähnlich.

Am nächsten Morgen wir ich nur so semifit. Um kurz vor 8:00 Uhr verließen wir das Haus und machten uns auf zum Bahnhof St. Pancras. Hier sollten wir dann gegen 9:00 Uhr Mr. Elephant & Castle treffen. Frühstück würden wir im Zug nach Sheffield einnehmen. Die Frau von Mr. Elephant & Castle würde Sandwiches machen und ihm mitgeben. Somit wäre die Frühstückssituation auch final geklärt. Da wir sehr zeitig am Treffpunkt waren, liefen wir ein bisserl im Bahnhof herum. Hier war eine Menge los. Nicht nur, dass um diese Zeit schon einige Millwall-Supporter unterwegs waren, es kamen auch sehr viele Leute aus den Fußballszenen Englands nach London, um an dem Marsch zum Remembrance Day teilzunehmen. Hier wird den Gefallenen des 1. Weltkrieges gedacht, die in den Mohnfeldern Flanderns ihr Leben verloren. Einige kamen in Uniformen des WW1, andere mit ihren Abzeichen vom Militär. Für mich als Außenstehender eine beeindruckende Szenerie. Um auf der Fahrt nach Sheffield nicht auf dem Trockenen zu sitzen, suchten wir einen Supermarkt und holten uns Gerstensaft zur Hydration. Nur weil man zum Fußball fährt, muss man ja nicht ungesund leben. Wir gingen an einer Polizeiabsperrung vorbei und Mr. Belvedere meinte nur nebenher, dass hier wohl mal wieder jemand umgebracht worden sei. Wow! Zurück im Bahnhof warteten wir auf unseren Freund mit dem Proviant. Als er eintraf war es auch schon Zeit den Zug zu besteigen. Gut 150 Millwall-Lads machten sich mit uns in die ehemalige Stahl-Metropole Süd-Yorkshires. Die Fahrt war recht kurzweilig, da an unserem als auch am Nachbartisch ebenfalls Millwall-Fans waren. Wir kamen gut ins Gespräch. Wie aus dem Nichts dackelten zwei typisch englische Birds zu den Jungs und laberten diese voll. Angeblich arbeitet die eine Tante im Ticketing bei Millwall. Sie kenne ja die Spieler nur beim Vornamen und blah blah blah. 10 Minuten konnte man sich das Gegackere gefallen lassen, danach nervte es. Jetzt kam die Stunde des Typs, der mir gegenüber saß. Nun fragte er die beiden aus. Ihr Lieblingsspieler sei Zian Flemming. Das wiederum nutzte er, um ständig von Neil Flemming zu faseln. Er war so überzeugend, dass die Mädels irgendwann tatsächlich glaubten, er sei der Bruder und würde heute für Millwall auflaufen. Während er dieses Thema ausschmückte, nahm er eine Klebebandrolle, riss immer ein Stück ab und tupfte seine schwarze Jeans ab. Er wolle keine Fusseln auf der Hose haben. Irgendwann trank ich nur noch meine Bierdosen und hoffte, bald in Sheffield anzukommen. Das wurde mir hier zu irre. Mr. Belvedere hatte seinen Spaß. Mr. Elephant & Castle war alles scheißegal.

In Sheffield angekommen, machten wir uns direkt aus dem Bahnhof heraus und wollten schnell in den Pub. Allerdings wurden wir von einem ganzen Bataillon Coppers empfangen. Darauf hatten wir nun mal gar keine Lust. Wir weigerten uns in den ersten Pub am Bahnhof zu gehen und stiefelten direkt in den zweiten. Wir bestellten die erste Runde Gezapftes und durften aus Hardplastikbechern trinken. Nein, das kann man mit geübten Fußballtrinkern so nicht machen. Nach einem Pint verließen wir den Pub "The Globen" und machten uns auf den Weg gen City. Hier wartete in einem Pub schon die alte Garde um den Dubliner. Napoleon aus Strasbourg war ebenfalls dort, allerdings kletterte er schon um 7:00 Uhr in den Zug hier hoch. Wir schlichen uns durch die Polizeireihen und wurden natürlich angesprochen, ob wir zum Fußball wollen und ob wir Millwall-Leute seien. Ich versuchte zu antworten, aber Mr. Belvedere sagte nur, wir reden nicht mit denen und gehen einfach weiter. So geht es natürlich auch. Via Google Maps und einigem herumirren, fanden wir dann unsere Leute im "The Bankers Draft"-Pub. Ich freute mich auf einen kleinen, schnuckeligen Pub. Pustekuchen, es war ein Wetherspoons Pub mit dem Charme einer Bahnhofshalle. Immerhin lag hier Teppich und zum Glück kein Stroh. Der Saarbrigger hätte seine wahre Freude gehabt. Wir begrüßten Napoleon und den Rest und tranken erstmal ein Pint aus dem Glas. Herrlich, zumal die Pints um die 3,80 £ kosteten. Im TV sahen wir, das es in London rund um den Gedenkmarsch, ordentlich zu Sache ging. Die Pro-Palestine-Demo fand zeitgleich statt und das nahmen einige zum Anlass mal "Hallo!" zu sagen. Im Augenwinkel verfolgten wir das Treiben, waren aber interessierter an den Gesprächen untereinander. Napoleon erzählte, er sei schon seit Mitte der Woche in London und könne kein Lager mehr sehen. Es helfe nur noch Hochprozentiges. Es war ihm gegönnt. Gegen 14:00 Uhr machten wir uns auf den Weg zur Tram und fuhren zum Stadion. Mr. Belvedere wusste den Weg und führte uns geschickt dort hin. Mit gut 15 Millwall-Leuten liefen wir von der Haltestelle zur Gäste-Tribüne quer durch die Heimfans. Dort angekommen, passierten wir schnell die Drehkreuze und suchten die Toiletten auf. Es wurde höchste Zeit. Danach besorgte ich uns Bier. Uns fiel auf, dass Napoleon abhanden gekommen war. Ich verteilte die Bierflaschen und es dauerte einige Zeit bis der Franzmann wieder bei uns war. Er musste erstmal eine Pastete essen und ein Bier trinken. Natürlich! Jetzt bekam er gleich das nächste. Kurz vor Anpfiff enterten wir die Tribüne und nahmen unsere Plätze ein. Zu Ehren der Gefallenen marschierte eine beachtliche Gruppe von Militärangehörigen mit den Spielern auf den Platz und es wurde eine Gedenkminute abgehalten. Wie sollte es auch anders sein, auch hier musste ein Spaßvogel in die Stille hineinrufen. Sofort quittierte Millwall dies mit wilden Beschimpfungen. Herrlich!

Das Spiel startete und die ersten 25 Minuten waren, sagen wir, entsprechend der Tabellensituation, mau. Millwall als 18. spielte beim Tabellenletzten. The Lions hatten einen neuen Manager an der Seitenlinie und bei Wednesday war der Trainerwechsel nicht lange her. Es sind so Spiele, in denen man meist den kürzeren zieht. Napoleon und ich waren uns einig, das war mal wieder ein Grottenkick aller erster Güte. Wie aus dem Nichts erzielte Millwall das 0:1. Von nun an hatten die Londoner das Spiel im Griff und spielten ihren Stiefel herunter. Kurz vor dem Halbzeitpfiff wurde auf 0:2 erhöht. In der Halbzeit schaute ich mir das Stadion etwas genauer an. Ein schönes, altes Stadion mit einer Menge Aura. Leider kam von der Heimseite keinerlei Stimmung auf. Weder wurde gesungen noch wurde die eigene Rumpeltruppe beschimpft. Das enttäuschte mich ein wenig, denn das letzte Mal ging hier ordentlich die Post ab. Wirklich sehr Schade. Mr. Belvedere erzählte, die Fans der Owls sind unzufrieden mit dem Clubbesitzer und seiner Führung. Umgekehrt ist wohl der Owner genervt vom Anhang. Mr. Chansiri ist der Meinung, wenn die Fans etwas wollen, dann sollen sie Geld dafür sammeln. "Wenn 20.000 Fans 100,- £ geben würden, dann wären schon 2 Millionen da. Es ist ja immerhin ihr Club!" Damit kann sich kein Fan zufrieden geben und folglich unterstützen sie nicht mehr verbal. Die zweite Halbzeit begann und Millwall zauberte weiter. Im Auswärtsblock wurde weiterhin gut Stimmung gemacht und immer wieder die Nationalhymne gesungen. Das hatte ich so bislang nur bei Spielen in Wales erlebt. Wurde mal nicht gesungen, so wurde das Heimpublikum beschimpft und ausgelacht. Die, wiederum, verließen schon vorzeitig das Stadion. Von diesem Tabellenletzten war auch kein Aufbäumen mehr zu erwarten. Zwischenzeitlich netzte Millwall auch noch zwei weitere Male ein. Einen lockeren 0:4-Triumph in der Ferne hatte ich bislang noch nie erlebt. Nach dem Schlusspfiff machten wir uns fix auf den Weg in Richtung Tram. Die Frage, die sich uns nun stellte war, fahren wir mit dem gesamten Mob und einem früheren Zug zurück nach London oder gehen wir hier in den Pub und fahren mit dem von uns gebuchten? Die Londoner wollten zügig nach Hause um gegebenenfalls noch ein bisserl Action mit Teilnehmern der "Pro-Palestine"-Demo zu bekommen. An der Haltestelle der Tram sammelte sich eine Unmenge an Stadionbesuchern. Es dauerte eine Weile bis endlich ein Zug kam. Nun hieß es, Ellbogen raus und reinquetschen. Wir waren drin, aber zum Teil getrennt. Picke packe voll ging die wilde Fahrt zum Bahnhof los....in Schrittgeschwindigkeit. Ich dachte, ich dreh durch. Wir hätte locker nebenher laufen können. Auf der anderen Seite bot dies natürlich die Möglichkeit für den Heimpöbel sich mal zu zeigen. Immerhin fuhren wir quer durch die Stadt und Gelegenheiten gab es doch einige. Die Blades vom Rivalen United versuchten es zumindest vor einigen Jahren, als wir nach dem Spiel ebenfalls zum Bahnhof liefen. Nach gut 25 Minuten kamen wir genervt am Bahnhof an. Wir konnten endlich diese Enge verlassen. Der Millwall-Haufen steuerte direkt sein Abfahrtsgleis an und wir drei entschieden uns, nochmal in den Pub zu gehen. Aufwärmen und Bier trinken klang für uns sinnvoller, als um die Bahnhöfe St. Pancras und Kings Cross zu tigern und irgendwelche Pallys zu ärgern. Napoleon hatten wir unterwegs verloren. Er meldete sich nochmal und sagte, er fahre irgendwann später nach London.

Im "The Howard" suchten wir uns einen Stehtisch und Mr. Belvedere holte die Pints. Als er zurückkam erzählte er, er habe gerade zwei deutsche Hopper an der Bar getroffen. Sie waren auch beim Spiel, seien aber ursprünglich aus Bremen. Ich hoffte inständig, dass er nicht auf die Idee käme, die beiden Fischköppe zu uns zu holen. Ich blieb verschont. Danke dafür! Nach einem weiteren Pint machten wir uns auf den Weg zum Zug. Schnell noch Proviant geholt und dann standen wir am Gleis. Hier wartete noch ein Zug. Die Zugbegleiterin fragte uns wo wir hin wollen. Mr. Belvedere erläuterte unseren Reiseweg und sie bot uns an, wir könnten bei ihr in der 1. Klasse bis Doncaster mitfahren. Hier mussten wir eh umsteigen. Wir folgten ihr und setzten uns an einen Tisch und labten uns an den gekauften Sandwiches und Chips. Dazu gab es belgisches Billigbier. In Doncaster angekommen verließen wir den Zug. Leider hatten wir vergessen unseren Müll mitzunehmen. Kann ja mal passieren. Wir warteten nun auf den Anschlusszug. Eine Gruppe betrat nun ebenfalls den Bahnsteig. Man beäugte sich intensiv und für beide Seiten war klar, das sind Leute die zum Fußball gehen. Aber, was soll ich sagen, es stellte sich heraus, dass die Kerle ebenfalls Millwall waren. Diese Situation hatten wir in ähnlicher Form schon mal in Leicester. Der Manager und der Braumeister werden sich erinnern. Als der Zug endlich kam, stiegen wir ein und platzierten unsere müden Körper in die Sitze. Immer wieder trampelten Leute mit Leeds United-Trikots vorbei. Dass diese mitunter beschimpft wurden, sollte niemanden wundern. Schräg hinter uns fing ein junges Pärchen an Spaß zu haben. Es dauerte nicht lange und die beiden stülpten eine Decke über sich. Diese ließen sie gut 15 Minuten über sich. Was da nun genau passierte entzieht sich glücklicherweise meiner Kenntnis.

Als wir in London ankamen machten wir uns erneut auf den Weg nach Farrington. Hier wollten wir noch das ein oder andere Glas auf den Sieg leeren. Erster Anlaufpunkt war "The Castle". Ein, meiner Meinung nach, steriler Hipster-Pub. Deshalb verließen wir diesen relativ zügig. Mr. Belvedere schlug einen Wetherspoons Pub die Straße hoch vor. Hier könnte einiges los sein, denn dort starten manche Leute ihre Clubabende. Wir betraten den Pub und es war taghell und voll. Wetherspoons kann halt nur Wetherspoons. Jedenfalls war hier gut was los. Knappe Röcke und Besoffskis gepaart mit Touris. So kennt man das. Ein Highlight war ein junger Mann, der von zwei Begleitern Richtung Ausgang geschleppt wurde. Urplötzlich fiel er wie eine Bahnschranke zur Seite um. Sie hoben ihn auf und gingen weiter und nun fiel er kerzengerade nach vorne um. Voll auf die Zwölf! Sie drehten ihn auf den Rücken und riefen nach einer Ambulanz. Uns war klar, dem Kollegen wurde der Stecker gezogen. Denkste! Innerhalb weniger Sekunden rappelte er sich, wie damals Tyson Fury gegen Wilder, wieder hoch und marschierte auf dem direkten Weg durch den Ausgang hinaus. Comeback des Tages! Hier erlebst du was, auf jeden Fall! Sozialkino auf eigenem Level. Nun stänkerte Mr. Elephant & Castle gegen meinen Pullover. Seit Stunden lief er unter dem Radar und nun sowas. Er wurde darüber aufgeklärt, dass der Pullover aus der Liam Gallagher-Kollektion sei. Nett gemeint, von Mr. Belvedere, aber das hat wohl für ihn gar keine Bedeutung. So ehrlich muss man sein. Danach wurde sich über den asiatischen Türsteher lustig gemacht. Dieser Westentaschen-Bruce Lee war keine 1,70m groß und hatte maximal 55kg. Möglichweise hat er wohl die geeigneten Skills für diesen Job. Wie dem auch sei. Irgendwann hatten wir wirklich genug und machten uns auf den Heimweg und ab ins Bett.

Der nächste Morgen starte ähnlich langsam wie der Vortag. Fit ist was anderes. Auch der Sportdrink entpuppte sich als Mogelpackung. Mr. Belvedere und ich nahmen gemeinsam den Zug. Er wollte zu den Feierlichkeiten zum Remembrance Day und ich an den Flughafen. Dort stand um 11:00 Uhr für zwei Minuten alles still. Eingeleitet wurde dies von einem Trompetensolo. Zeitgleich lief auf sämtlichen Monitoren die Kranzniederlegung des Königs von England am Cenotaph. Das muss man den Briten lassen, Stil und Stolz haben sie. Ich sagte Goodbye London, wir sehen uns im Dezember wieder. Der Rückflug verlief problemlos und am frühen Nachmittag machte ich es mir auf dem Sofa gemütlich und schaute etwas Sport. Ein erfolgreiches Wochenende lag hinter mir und die Vorfreude auf das Heimspiel gegen Norwich City war schon zu spüren. See you there!

Lest we forget!
Keep it tidy, geezers - don't get nicked!
Alfie Mace



























