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Dem Widder an den Ohren gezogen....

  • Autorenbild: Alfie Mace
    Alfie Mace
  • 9. März 2025
  • 13 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 27. Juli 2025

Derby County - Millwall FC 0:1 (0:0)

Pride Park Stadium, Zuschauer: 28.321, Auswärtsfahrer: 1.725 (22. Feb. 2025)


Auch im neuen Jahr soll es wieder einige Male auf die Insel gehen. Den Auftakt machte ein Trip in die östlichen Midlands. In Derby war ich bislang noch nicht und somit war der Reiz gegeben. Mr. Belvedere war nicht begeistert, aber nachdem Mr. Elephant & Castle ebenfalls zusagte, buchte ich den Flug. Kurz bevor Mr. Belvedere das Zugticket kaufte, sagte Mr. Elephant & Castle wieder ab. Läuft ja wieder hervorragend. Naja, dann fahren wir halt zu zweit. Es wird schon gut werden, war meine Hoffnung. Diese Saison sah ich noch keinen Sieg der Südlondoner. Ein Spiel beim Drittletzten der Liga ließ eine böse Vorahnung aufsteigen.


Am Abreisetag musste erneut ein kompletter Arbeitstag absolviert werden. Die Motivation an diesen Tagen ist in der Regel meist suboptimal, aber irgendwie gaunert man sich auch durch diese Tage. Nach dem die Arbeitsklamotten gegen das typische Fussballoutfit getauscht wurden, steuerte ich den nächstgelegenen Bäcker an und holte mir eine Stulle. Da Verdi der Meinung war, man müsse erneut streiken, blieben U-Bahn- und Tramfahrer am heutigen Freitag der Arbeit fern. Da man dem restlichen ÖPNV hier nicht trauen kann, hoffte ich inständig, dass diesmal die Fahrt zum Flughafen reibungslos funktionieren würde. Als ich auf die richtige S-Bahn wartete, lief ein älterer Herr an mir vorbei. Bekleidet war er mit einem Anorak und beigen Wanderschuhen. Als Hose fungierte eine Nylonstrumpfhose und ein schwarzer String blitzte durch diese hindurch. Ich hatte nur eine Frage....Warum?? Das wird bestimmt ein Omen sein, dachte ich so bei mir. Nach einer Weile kam dann meine Bahn, und zu meiner Verwunderung, auch noch pünktlich. Der Sicherheitscheck dauerte wieder herrlich lange. Kein Wunder, wenn man wieder nur drei Kontrollstellen geöffnet hat. Zwei Security-Leute arbeiten, vier andere lungern nur herum. Man kennt es ja mittlerweile. Da ich rechtzeitig am Gate ankam, hatte ich Zeit, noch ein frisch gezapftes Helles zu bestellen. Ich bekam sogar ein Glas. Jetzt war ich baff. Die Wartezeit bis zum Boarding verging so etwas angenehmer. Das Betreten der Maschine fand nach Plan statt. Nachdem alle ihre Plätze gefunden und besetzt hatten, warteten wir auf den Abflug. Und warteten. Und warteten. Wir standen 30 Minuten auf dem Rollfeld, bis wir endlich die Starterlaubnis hatten. Einmal pünktlich ankommen, es wäre so schön. Während des Fluges machte ich eine Runde Augenpflege. In London angekommen schaute ich auf die Uhr und war überrascht. Wir waren fast pünktlich in Heathrow. Da hat der Kutscher der Lüfte aber ganz schön auf die Tube gedrückt. Die Freude über die pünktliche Landung konnte ich mir aber direkt sparen, denn jetzt lümmelten wir noch 20 Minuten auf dem Vorfeld herum. Wie gewonnen, so zerronnen.


Mit der Elizabeth Line fuhr ich zur Tottenham Court Road. Hier in der Nähe war ich mir Mr. Belvedere im "The Wheatsheaf" verabredet. Er verweilte dort mit einigen Arbeitskollegen und sie genossen ihre Feierabend Pints. Dieser Pub passte so gar nicht in die moderne Umgebung. Traditionell und ein herrlich altes Gebäude, fehlte eigentlich nur der Teppich. Gut, den gab es dann im Treppenhaus und auf dem Weg zu den Toiletten. Einer seiner Kollegen war mir noch bekannt vom Trip zum Spiel in Reading. Da wollte er mir noch erklären, wie man "Robin Koch" richtig aussprechen würde. Leeds-Supporter, was will man erwarten. Nach drei Pints hieß es für uns aber, wir müssen den geordneten Rückzug antreten. Da die englische FA offensichtlich der Meinung war, das Spiel Derby - Millwall könnte ein Straßenfeger in Südostasien sein, hatten sie den Anstoß auf 12:30 Uhr terminiert. Das bedeutete für uns, der Zug ab Euston Railway Station startet um 7:48 Uhr. Das wiederum bedeutete, wir müssen Mr. Belvederes Haus gegen 6:00 Uhr verlassen. Warum das an Awaydays immer problemlos machbar ist, im Gegensatz zum Aufstehen an Arbeitstagen, das würde ich gerne mal erklärt bekommen. Mit der Elizabeth Line fuhren wir zu Mr. Belvederes Domizil. Hier nahm ich eine Dusche und ab in die Falle, die Nacht wird kurz. Good night, fellas!


Motiviert, aber müde, kletterte ich aus dem Bett. Wir machten uns spieltagsfertig und verließen um kurz nach 6:00 Uhr das Haus. 10 Minuten zum Bahnhof laufen und dann noch 30 Minuten mit der Lizzy-Line in Richtung City. Kurz nach 7:00 Uhr kamen wir dann an Euston Railway Station an. Hier tummelte sich schon eine stattliche Anzahl an Lads mit Flatcap und teuren Jacken. Das ein oder andere bekannte Gesicht war dabei. Zuerst holte ich Bargeld und dann deckten wir uns mit Proviant für die Reise ein. Obst, ein Baguette Milano-Style sowie ein grüner Smoothie sollten mich heute Gesundheit heucheln lassen. Als Hopfenschorle hatte Mr. Belvedere für jeden zwei Budweiser dabei. Wir wollten den Tag ganz entspannt starten, zumal wir bei den letzten Auswärtsfahrten nur schwerfällig in Bierlaune kamen. In der Bahnhofshalle warteten wir gespannt auf die Anzeige des Abfahrtgleises. Wir wollten schnell in den Zug, da wir keine Reservierung hatten und der Zug voll werden würde. Zum einen war heute Flagday* und zum anderen würden viele dieses Auswärtsspiel mitnehmen, um Loyality-Points zu sammeln, und somit Tickets für das Pokalspiel gegen Palace zu bekommen. Das Gleis wurde angezeigt und aus allen Richtungen strömten Fußball-Typen zum Zug, nicht einer im Trikot. Hervorragend! Wir ergatterten in einem der vorderen Wagons zwei Sitzplätze. Das Frühstück war schnell verzehrt und folglich hatten wir Lust auf das Bier. Naja, Budweiser halt. Mehr gibt es nicht zu sagen. Blöderweise lief es heute extrem gut. Schnell war das Bud weg, aber noch viel Fahrt vor uns. Schöne Fehlplanung unsererseits. In Tamworth mussten wir dann umsteigen. Nach dem Gleiswechsel tummelten sich gut 150 Millwall-Jungs am Bahnsteig und warteten mit uns auf den Anschlusszug. Das wird heute ein guter Auswärtsausflug. Nach 20 Minuten kam dann der Bummelzug aus Birmingham und wir alle drängten uns in die Wagons. Da dieser ohnehin schon gut gefüllt war, wurde es muckelig eng. Da ich keine Lust hatte, wie in der Sardinenbüchse zu stehen, pflanzte ich meinen Arsch auf die Gepäckablage und fuhr so sitzend nach Derby weiter. "Lieber schlecht sitzen, als gut stehen" war das Motto.


In Derby angekommen erzählte Mr. Belvedere, dass gegenüber des Bahnhofs ein Pub sei. Von dort aus könnten wir innerhalb von 20 Minuten zum Ground laufen. Das klang doch vielversprechend. Allerdings hatte Mr. Belvedere die Rechnung ohne Old Bill gemacht. Via Polizeikette wurden wir zum gegenüberliegenden Ausgang genötigt. Schon flog der Plan auf, denn hier war kein Pub gegenüber des Bahnhofs. Da wir keine Ahnung hatten, in welche Richtung wir gehen sollten, folgten wir dem Mob. Dieser fand nach 7 Minuten Fußmarsch einen Pub names "Harvester Pride Park". Lustigerweise war dieser in Sichtweite des Stadions. Wir waren sichtlich überrascht. Als wir dort ankamen, sahen wir allerdings jede Menge Coppers vor der Kneipe. Das verhagelte uns die Laune und war erstmal keine Option. Ich schlug die Hotelbar eines B&B Hotels die Straße herunter vor. Darauf konnte sich Mr. Belvedere allerdings nicht einlassen. Somit blieb uns keine andere Möglichkeit als in "Nicco Restaurant und Bar" zu gehen. Hier tummelten sich einige gutbetuchte Einheimische, die hier einen vorgezogenen Lunch mit feinem Grillgut einnehmen wollten. Da fallen gut 50 Fußball-Assis aus Südlondon nur bedingt auf. Nachdem wir uns an der Bar mit Amstel-Pints eindeckten, setzten wir uns seitlich zur Bar und warteten auf Firestarter und dessen Bruder. Kurz vor dem zweiten Pint trudelten sie auch ein. Sie kamen mit dem Auto. Wir begrüßten uns und hielten ein angeregtes Schwätzchen. Die beiden wollten dann doch in den anderen Pub. Gesagt, getan. Wir gingen zurück zum Harvester. Hier waren nun etwa 300 Lions-Fans. Brechendvoll war der Laden und ein Durchkommen zur Theke schier unmöglich. Mr. Belvedere und ich nutzten die Gelegenheit, um noch mal schnell auszutreten. Schnell ist allerdings ein dehnbarer Begriff. Die Toiletten waren natürlich hochfrequentiert und somit entstand eine beachtliche Warteschlange. Wie beachtlich diese war, zeigte sich daran, dass sich nicht mal mehr die Mühe gemacht wurde, die Toilettenkabinen zu zweit aufzusuchen. Man kann sich auch direkt in der Schlange den Riechkolben kolumbianisch pudern. Wir merkten schnell, wir müssen hier wieder weg. Ohne Alternative schlappten wir zum Stadion. Dieses mussten wir dann zur Hälfte umrunden. Vor dem Gästebereich waren Erfrischungstrucks aufgestellt. Es wurde für mich Zeit ein Doom Bar zu trinken, die anderen drei frönten lieber dem Madri Lager. Wir beobachteten das Treiben am Gästeeingang. Hier setzte die Pozilei einen Drogenspürhund ein und wir schlossen interne Wetten ab, wer wohl vom Hund identifiziert werden würde. Ein herrliches Schauspiel. Die Fellnase schlug erstaunlich oft an, aber nach der Durchsuchung von den Zweibeinern in Uniform, konnten die Verdächtigen jedoch trotzdem das Stadion betreten. Für uns war es auch Zeit zu gehen. Natürlich passierten wir den Hund, ohne das er anschlug. Als wir die Drehkreuze hinter uns ließen, knallte uns ein heftiger Duft von billigem Ott entgegen. Wir vier mussten lachen. Dieser Köter hatte entweder in seinem Job völlig versagt, oder die Coppers waren einfach zu dämlich. Selbst Friedrich Merz hätte mehr Bubatz gefunden als diese Trottel. An den Aufgängen zu den Blöcken gab es dann schönes Palaver. Wollten die Stewards doch glatt einen Blockzwang durchsetzen?! Nach einigen Wortgefechten und Schubsereien war das Thema dann auch durch und die Bewegungsfreiheit für den Gästepöbel wieder hergestellt. Dann können wir ja nun Fußball schauen.


Wir nahmen unsere Plätze ein. Etwas überraschend gab es im Gästeblock in jeder Reihe Wellenbrecher. Auch hier bereitet man sich wohl auf das "Save Standing" vor. Die Britischen Inseln kommen wohl endlich zur Vernunft. Es wird auch Zeit. Das Stadion war ziemlich voll und die Gastgeber motiviert, denn für sie geht es gegen den Abstieg aus der Championship. Zwischen den Heimblöcken und dem Gästesektor war jeweils ein ordentlicher Puffer. Anpfiff und los ging es. Millwall agierte offensiv und setzte die Gastgeber immer wieder unter Druck. Torchancen sprangen dabei allerdings nicht wirklich heraus. Die Gastgeber hielten gut dagegen und suchten ihr Heil ebenfalls in offensiv Aktionen. Das war schon gut anzusehen, aber erhöhter Puls entstand noch nicht. Zwischen den Fangruppen wurde immer wieder fleißig gepöbelt und provoziert. Der Support vom Heimanhang war ehrlich gesagt ziemlich gut. Selten so eine gute Atmosphäre erlebt. Während das Spiel hin und her wogte, fragte mich Firestarter über die kommende Bundestagswahl aus. Er verfolge dies aufmerksam und sei überrascht, wie sich Deutschland in den letzten Jahren entwickelt habe. Für mich war es interessant zu erfahren, wie wir im Ausland wahrgenommen werden. Dann aber eine Wahlempfehlung eines Engländers zu bekommen, kam dann doch überraschend. Die ersten 45 Minuten waren vorbei und wir waren zufrieden mit dem Auftritt der Londoner. In Halbzeit zwei ging es munter weiter mit offensivem Fußball. Beide Seiten konnten immer wieder Torschüsse verbuchen, aber es blieb ausgeglichen. Millwall sang zwischendurch immer wieder "You're going down! You're going down!" oder "You'll run....and you know you will!" Dem entsprechend pöbelten die Gastgeber zurück. Die beiden Trommler von Derby gaben alles und immer wieder den Beat vor. Selbstverständlich wurden diese dann auch entsprechend von Millwall beschimpft. Zwischendurch bekam auch Crystal Palace sein Fett weg. Gegen die sollte es am kommenden Wochenende im FA Cup gehen. Als man sich schon mit einem 0:0 angefreundet hatte und zufrieden mit dem Auswärtspunkt war, wurde Josh Coburn in der 83. Minute im Strafraum rüde umgenietet. Elfmeter! Im Millwall-Block herrschte völlige Ekstase und unbändiger Jubel brach aus. Es fühlte sich wie der Sieg an. Ich beschwichtigte meine Kollegen und verwies darauf, dass der Ball noch nicht drin sei. Der Gefoulte selbst trat an und....verschoss natürlich! Du liebe Zeit, dachte ich bei mir. Wieder keinen Sieg. Diese Saison läuft es nicht für mich. Derby hatte nun einige Chancen und für mich war klar, das Ding geht in die Binsen. In der 95. Minute gelang Millwall ein Entlastungskonter über die linke Außenbahn. Scharfe Hereingabe des Balles und in der Mitte verpassten Freund und Feind. So musste Millwalls Mittelstürmer nur noch seinen Huf hinhalten und netzte ein. Unglaublich....der 22-jährige Josh Coburn erzielte doch noch sein Tor. Der Torjubel kannte keine Grenzen mehr. Leute flogen durch den Block und man lag sich mit Fremden im Arm und feierte die Führung. Jetzt mussten nur noch drei Minuten überstanden werden. Das gelang den Gästen auch und so wurde der Auswärtssieg eingetütet. Come on Millwall! Den Gastgebern wurde erneut mitgeteilt, das sie absteigen werden. Danach war Palace wieder dran. Denen wurde verbal schon mal angekündigt, dass es kommende Woche etwas vor den Koffer geben würde. Nach dem Abpfiff wurde noch kurz die Mannschaft gefeiert und verabschiedet. Wir klatschten uns ab und verließen euphorisch das Stadion.


Nach einem Marsch von rund 15 Minuten kamen wir am Bahnhof an. Hier fanden sich gut 200 Millwall-Lads ein. Mr. Belvedere und ich zwängten uns in einen kleinen Verkaufskiosk am Bahnsteig und deckten uns mit Lager-Bier von Madri ein. Diesmal achteten wir aber darauf, dass die Menge besser zur Wegstrecke passte. Wir fuhren wieder zurück nach Tamworth. Hier wechselten wir erneut den Zug. Nach einer Wartezeit von gut 25 Minuten konnten wir weiter nach London fahren. Glücklicherweise fanden wir Sitzplätze gegenüber der Toilette. Das hatte nicht nur den Vorteil bei Bedarf einen kurzen Weg zu haben, sondern auch eine gute Übersicht zu haben, wer alles im Zug ist. Bei uns im Wagon verweilte der Spanier. Er ist einer der führenden Köpfe im Anhang von Millwall. Auf dieser Heimfahrt war er offensichtlich in Plauderlaune und unterhielt den halben Zug. Da kamen schon witzige Dinger aus seinem Mund. Unbeteiligte Passagiere hatten wahrscheinlich eine nicht so kurzweilige Zugfahrt. Einem Kumpel des Spanier musste wohl etwas Falsches in die Nebenhöhlen gewandert sein. Er lederte wie aus dem Nichts gegen Katholiken und Nord-Iren los. Immer wieder wurde er von seinen Freunden darauf hingewiesen, er solle mal den Gang heraus nehmen. Tat er natürlich nicht. Wie sollte es anders sein? Irgendwann kamen dann die Uniformierten der British Transport Police und ermahnten ihn. Das war dem Kollegen aber völlig schnuppe. Das Geseier ging weiter und irgendwann gipfelte es dann in folgendem Satz: "Wenn meine Haut schwarz wäre, würdet ihr Bullen euch nicht dafür interessieren!" Das ließ Old Bill nun nicht auf sich sitzen und nahm ihn in Gewahrsam. Da jetzt die Wortgefechte zwischen den Ordnungshütern und Millwall-Fans intensiver wurden, zogen sie den Übeltäter in den nächsten Wagon. Aber da auch dort genug Millwall-Fans vertreten waren, ging das Gemaule nahtlos weiter. Das zog sich bis London hin. Als wir wieder in der Hauptstadt am Bahnhof Euston ankamen, wartete am Bahnsteig schon ein Schwung Cops. Wir stiegen aus und durch den Bahnhof donnerte sofort ein mächtiges "Miiiiiiilllllll!!!!" Der in Gewahrsam Genommene wurde nun eingekesselt und da er eher nicht so kooperativ agierte, wurde er etwas rustikaler mitgenommen. Wie sagt man im Englischen, "Play stupid games, win stupid prizes." Für uns war es nun Zeit endlich mal einen Pub aufzusuchen.


Mr. Belvedere und ich steuerten nun den Pub "The Mables Tavern" an. Hier sicherten wir uns einen Platz an der Bar und ich hatte einen hervorragenden Blick auf die Leinwand. Hier zeigten sie das Rugby-Spiel England - Schottland aus dem Six Nations-Turnier. Mich interessierte von je her dieser Sport und so schaute ich mir die zweite Halbzeit an und stellte mir dabei das ein oder andere Ale rein. Mit der letzten Aktion, einem Straftritt, konnte Schottland das Spiel in Twickenham gewinnen. Der schottische Kicker war aber der Meinung, er müsse das Ei knapp neben das Gestänge hauen. Die Konsequenz war nun, nicht Schottland gewann mit einem Punkt Unterschied, sondern der Sieg blieb in England. Wunderbar! Nach Abpfiff bat ich den Barkeeper wieder auf Fußball zu schalten. Aston Villa spielte zu Hause gegen Chelsea. Bei einem weiteren Ale schauten wir die letzten Minuten und was soll ich sagen, Villa erzielte quasi mit dem Abpfiff den 2:1-Siegtreffer. Heute war offensichtlich ein ganz besonderer Sporttag. Nun wurde vorgeschlagen den Pub zu wechseln. Gesagt, getan. Wir liefen nun zum "The Dolphin". Das war wohl ein bei den Jungs sehr beliebter Pub, wenn man für Auswärtsspiele den Bahnhof Euston nutzte. Ich wand ein, dass diese Kaschemme doch viel näher am Bahnhof St. Pancras wäre. Nö, wenn sie den nutzen würden, dann gingen sie nicht in "The Dolphin". Das soll mal einer verstehen!? Hier gönnte ich mir "Alpaca Lypse Ale". Gut, schmeckte jetzt nicht, aber das Glas war eine Offenbarung. Der Abend nahm seinen Lauf und ich merkte, dass bei mir bald Schicht im Schacht sein würde. Mr. Belvedere fragte, ob wir hier noch ein Pint nehmen sollten und dann nach Hause gehen oder den Pub noch mal wechseln sollten. Ich war für bleiben. Somit holte ich uns noch einen Scheidebecher und beendete innerlich den Tag. Nachdem wir ausgetrunken hatten, machten wir uns auf den Weg zur Bahn. Da fiel meinem Begleiter ein, man könne aber auch nochmal ins "The Skinner's Arms" gehen. Hier sei Mr. Elephant & Castle gerne zu gegen. Gut, dann noch mal da hin. Hier zwängte ich mir noch ein Lager hinein. Leider schmeckte es ziemlich vielversprechend. Aber bevor es komplett aus dem Ruder lief, traten wir den Heimweg an und fuhren mit dem Zug nach Hause. Kurz vor Mr. Belvederes Haus befindet sich ein großer, öffentlicher Parkplatz. Hier war so ein Spacken der Meinung, er müsse die ganze Nachbarschaft musikalisch mit seiner Automusikanlage wach halten. Dies missfiel meinem Gastgeber dermaßen, dass er unflätig rüber zu dem Störenfried krakelte. Tja, was hatte dies zu Folge? Richtig, Fahrer- und Beifahrertür öffneten sich und zwei Männer stiegen aus. Der Fahrer war ein aufgepumpter Bodybuildervogel und der Beifahrer wohl sein Schoßhündchen. Das Aussteigen fasste mein Mate wiederum als Einladung auf und er ging zu ihnen und es entstand ein hitziges Wortgefecht. Der eine plärrte immer wieder, die Musik solle leiser gemacht werden, der Themsen-Arnold bestand darauf, dass wir uns verpissen sollen. Ich wieder rum warf immer wieder ein, das die beiden doch ihr Maul halten sollen. Und der Vierte fragte immer wieder, was ich denn überhaupt wolle? Vor lauter Gekeife verpassten wir alle wohl den Moment die Diskussion mit handfesten Argumenten weiterzuführen. So löste sich die Szenerie nach einigen Minuten wieder auf. Wir schwankten nach Hause und die beiden Trottel verzogen sich wieder in ihren scheiss Nissan. Als wir im Wohnzimmer von Mr. Belvedere ankamen, verriet er, er habe aus dem Zug zwei Pizzen bestellt. Stimmt, das Essen kam diesmal wieder etwas kurz. Während ich mich bettfertig machte, kam tatsächlich die Bestellung. Eine Pizza mit Salami und eine mit spicy Peperonis. Was soll ich sagen, die Pizza war, wie man sich eine Pizza in England vorstellt, die von einem Inder gebacken wird. Ich nahm zwei Stück mit Salami und, warum auch immer, zwei spicy Stückchen. Mit Schärfe hab ich es beim Essen nicht so. Ja, beim Genuss der scharfen Variante fiel es mir dann auch wieder ein. Um es essen zu können, tunkte ich die Pizzastücke mit Peperonis immer wieder in die mitgelieferte Sour Cream. Das brachte überraschenderweise gar nichts. Irgendwann gab ich es auf und verkrümelte mich ins Bett. Gut's Nächtle!


Um 5:00 Uhr war die Nacht wieder vorbei, etwa zwei Stunden bevor der Wecker klingelte. Keine Ahnung weshalb, ich war einfach wach. Aufstehen war allerdings keine Option. Als es dann Zeit war, machte ich mich im Badezimmer salonfähig und packte meine Tasche. Mit der Elizabeth Line ging es wieder zurück nach Heathrow. Im Zug war überraschenderweise ganz schön was los. Die Fahrt zum Flughafen blieb ereignislos. Nachdem ich den Check-In erledigt hatte, musste ich ähnlich lange wie am Fraport warten. Offensichtlich flogen heute wieder die Amateure. Das zieht sich dann am Sicherheitscheck unnötig in die Länge. Als all das erledigt war, holte ich mir mein obligatorisches Meal Deal. Ohne will ich das Land hier nicht verlassen. Die Lufthansa überraschte mich dann tatsächlich, denn der Flug fand pünktlich und ohne Komplikationen statt. Das schaffen sie in der Regel nicht so häufig. In FFM ging ich zügigen Schrittes Richtung Passkontrolle. Da fiel mir ein, ich hatte meinen Reisepass im Flieger liegen gelassen. Somit musste ich wieder zurückgehen. Ich nahm den gleichen Weg und hatte kein Problem das Gate zu passieren und die Gangway hinunter zu laufen. Erst am Flieger wurde ich von einem Steward gefragt, wie ich denn hier her komme und was ich wolle. Ich schilderte die Situation und gab meine Sitzplatznummer an. Da ich den Flieger nicht betreten sollte, lief eine Flugbegleiterin zu meinem Platz und holte ihn. Glücklicherweise war er noch da. Mit Pass reiste ich dann ein. Willkommen zurück in Good Old Germany. Vom Flughafen ging es dann direkt ins Wahlbüro, um die Stimme für die Bundestagswahl abzugeben. Ob die Stimmempfehlung von Firestarter Anklang fand, das wird nicht verraten, aber die Chancen waren nicht sehr groß.


Zu Hause ging ich die Spielpaarungen für das Frühjahr durch. Ein Spiel soll es diese Saison noch werden. Doch welches es wird, steht final noch nicht fest. Auf jeden Fall hat dieser Trip Lust auf weitere Spiele gemacht.


See you there!


"Palace, Palace.....who the f#ck is Palace!"

*Flagday:


Ein Auswärtsspiel pro Saison ist der sogenannte "Flagday". Hier werden von den alten Supportern (Bushwhackers & F-Troop) Fahnen mit den Namen von verstorbenen Fans gezeigt.


Keep it tidy, geezer - don't get nicked!


Alfie Mace



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