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F#CKING BIBLICAL, MATE!

  • Autorenbild: Alfie Mace
    Alfie Mace
  • 10. Aug. 2025
  • 14 Min. Lesezeit

Oasis-Konzert in London

Wembley Stadium, Zuschauer: 90.000 (ausverkauft) (30.Juli 2025)



Jetzt war es endlich soweit, der letzte Lebenstraum sollte sich erfüllen. Noch einmal Oasis live auf der Bühne sehen! 16 Jahre nach dem die Band sich getrennt hatte, sollte die Reunion stattfinden. Und das in London, im legendären Wembley Stadium. Doch der Weg dorthin war gar nicht so einfach. Er war gepflastert mit Höhen, mit Tiefen und wieder neuen Höhen.



Als am 27.08.2024 der Trailer der Reunion durch die sozialen Medien schoss, saß ich mit Tränen in den Augen im Bett. Sie sind wieder da! Die Band, die mich musikalisch, modisch und persönlich maximal geprägt hat. Ab Samstag sollte es Tickets für die Reunion-Tour geben und wie das Schicksal so wollte, war ich an diesem Tag in Edinburgh. Am Tag der Veröffentlichung waren nicht nur das Tablet und das Handy bei Ticketmaster eingewählt, sondern auch die kleine, große Schwester begab sich auf die Jagd nach den begehrten Tickets. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ging es in der Warteschlage langsam, aber stetig voran. Als es recht gut aussah und ich auf Position 6.000 für Edinburgh war, sollte ein Gin-Tasting stattfinden. Ich sagte dem Tasting-Gastgeber, ich müsse das Handy laufen lassen, da ich Oasis-Karten ergattern möchte. Er lachte, denn seine Frau würde es zu Hause ebenfalls versuchen. Da das Tasting im Keller der Destillerie "South Loch" stattfand, gab er mir den WiFi-Code der Mitarbeiter. Was sollte jetzt noch schiefgehen? Ich wechselte...und in der Zeit des Wechsels flog ich aus der Warteschleife. Schnell wieder einwählen....und ich fand mich auf Position 296.450 wieder. Das Ding war gelaufen. Aus, vorbei! In mir zerbrach eine Welt. So nah und doch so weit weg. Wir versuchten es noch den ganzen Tag, aber es war aussichtslos, denn es war ausverkauft. Alle Konzerte waren restlos ausverkauft. Dann sollte es halt nicht sein.


Einige Wochen später wurde mir ein Ticket für London im Wembley Stadium angeboten. Die sozialen Netzwerke sind wohl doch zu etwas gut. Allerdings musste ich beim Preis erst mal schlucken. Der Preis war allerdings der Originalpreis. Schlappe £ 462,50 wollten die Halsabschneider von Ticketmaster haben. Der Betrag ergab sich aus dem Dynamic Pricing, den die Ganoven während der Verkaufsphase anwendeten. Zwei Nächte brauchte ich, um eine Entscheidung zu treffen. Wenn man sich etwas wünscht, dann sagt man gerne "koste es was es wolle". Bis zu dem Moment, an dem es wirklich etwas kostet. Ich sagte zu und somit bekam ich das Ticket vom Herrn Doktor, Oasis würde ich mit ihm sowie seiner Frau, der Advokatin und dem Hightower sehen. Persönlich kennenlernen würde ich sie dann am 30.07., am Konzerttag in London. Während meine Londoner Millwall-Lads alle komplett leer ausgingen, konnte sich der Saarbrigger eine Karte für Manchester besorgen. Die Kogge und der Rostocker hatten sogar das Glück beim ersten Konzert in Cardiff anwesend zu sein. Es war einfach zu groß, um es zu verpassen. Nun hieß es noch monatelang warten und die Vorfreude stieg von Woche zu Woche.


Jetzt war es soweit. Heute Abend sollte der langerwartete Gig im Home of Football, dem Wembley Stadium, steigen. Die drei anderen waren hellauf begeistert von ihren Konzerten. Dies ließ mich auf den heutigen Abend hoffen. Gegen 8:30 Uhr klingelte der Wecker. Ich plante für heute eine Menge Zeit ein und so konnte ich noch mal die Snooze-Taste drücken. Im Bad machte ich mich zurecht. Das Outfit war kein Problem, denn dies stand schon seit Wochen fest und lag seit Tagen parat. Jetzt noch den Hut schnappen, die Powerbanks in die Hosentasche und los ging es. Der Plan war, zügig mit den Bahnen zum Flughafen zu kommen. Diesen Plan machte ich allerdings ohne den öffentlichen Nahverkehr. Statt mit normalen Tempo zu fahren, dachte sich der U-Bahnkutscher wohl, dass Schrittgeschwindigkeit auch schnell genug wäre. In der Innenstadt kam ich nur deutlich später an. Hier bemerkte ich, dass keine S-Bahnen zum Flughafen fahren würden. Somit musste ich an den Südbahnhof und von dort mit der Regionalbahn weiter fahren. Der ganze Unsinn dauerte gut eine Stunde. Das Zeitpolster war nun maximal aufgebraucht, zumal die Regionalbahn heute wohl auf Schleichspur unterwegs war. Gute eine Stunde später als erwartet erreichte ich den Flughafen. An der Sicherheitskontrolle war es wie immer, hier macht niemand einen Handschlag zu viel und vor allem hat man hier eine Menge Zeit. Als das Boarding in vollem Gange sein sollte, erreichte ich meinen Abflugsteig. Tja, hier standen die Leute planlos herum. Es gab wohl Verspätung. Somit hatte ich doch noch Zeit für ein Flughafen-Bier, ein großes. Als wir die Maschine betreten konnten, suchte ich mir meinen Mittelplatz und schloss die Augen. In 7 Stunden sollte die große Show beginnen. Bis London döste ich mit einem Grinsen vor mich hin. Dort angekommen scheiterte meine Einreise an doofen Passautomaten. Mehrmals versuchte ich den Pass zu scannen, aber immer wieder wurde "Seek Assistance" angezeigt. Der unterbezahlte Servicemitarbeiter meinte desinteressiert, ich solle halt eine andere Maschine benutzen oder zum Desk gehen. Danke für nichts! Am Schalter ging dann die wilde Fragerunde los. Ich versuchte, im Rahmen meiner Möglichkeiten, so freundlich wie möglich zu sein, denn ich wollte es mir mit meiner großen Schnauze jetzt nicht versauen. Von wo sei ich gekommen? - "Frankfurt." - Wo ich hin will? - "London." - Wann ich zurück liege? - "Morgen um 6:30 Uhr." - Was ich in London wolle? - "Oasis-Konzert." - Ob ich ein Ticket hätte? - "Ja." Ich durfte einreisen. Auf dem Weg zur Elizabeth Line nahm ich Kontakt mit dem Herrn Doktor auf. Wir verabredeten uns für 14:30 Uhr im "Shipwrights Arms" Pub an London Bridge. Die Gegend war den beiden gut bekannt, denn hier lebte er für zweieinhalb Jahre. Deshalb buchten er und seine Frau sich auch hier ihre Unterkunft. Ich nahm die Lizzy Line in Richtung City. Nur Gott allein weiß, weshalb ich an Paddington Station ausstieg. Hier wechselte ich in die U-Bahn und wollte zur Baker Street. Ja, denkste. Von Paddington Station musste ich erst eine Station weiter nach Edge Road und dort nochmals die Bahn wechseln zur Baker Street. Hier wiederum wechselte ich in die Jubilee Line nach Süden zu London Bridge. Nach Baker Street erreichte ich Bond Street. Wenn ich an Paddington Station nur eine Station mit der "Lizzy"-Line weiter gefahren wäre, zur Bond Street, hätte ich nur einmal umsteigen müssen. Manchmal ist man einfach nur von sich selbst genervt. Jetzt war es gerade wieder soweit.



An London Bridge angekommen überkamen mich sofort Heimatgefühle. Back home, dachte ich mir. Ich steuerte direkt den Pub an, denn ich hatte die Sorge, ich sei zu spät. Aber meine Verabredung war noch nicht vor Ort. Bevor ich nun auf dem Trockenen sitze, bestellte ich mir erstmal ein Doom Bar. Das ist eines meiner liebsten Ales. Kaum hatte ich das Pint auf dem Tisch abgestellt, erspähte ich durch das Pubfenster meine heutige Begleitung. Wunderbar. Wir machten uns fix miteinander bekannt. Die beiden leben in Bochum, die Advokatin ist VFL durch und durch, er kommt ursprünglich aus Rheinland-Pfalz und hält es mit den Bauern vom Betze. Fußballerisch war das heute eine wilde Kombination. Aber wir kamen gut ins Gespräch und urplötzlich waren je drei Pints getrunken. Für uns hieß es nun Aufbruch in Richtung "The Globe" Pub an der Baker Street. Super, also wieder zurück. Unterwegs sahen wir einige Leute, die mit Oasis-Shirts bekleidet waren. Der Hype war allgegenwärtig. Die Anspannung stieg. Am "The Globe" angekommen, war alles voll mit Oasis-Fans. Dieser Pub ist ein sehr beliebter Anlaufpunkt, wenn man zum Fußball nach Wembley möchte. Wir drängten uns in den Pub und deckten uns dort erstmal mit einem Pint ein. Da es hier nur Plastikbecher gab, zog es uns direkt wieder vor die Kneipe. Hier war nicht nur die Luft angenehmer, wir hatten es auch einfacher vom Hightower gesehen zu werden. Er sollte jede Minute zu uns stoßen. Frau und Kind gab er im Hotel ab und kam dann alleine zu uns. Auch er war ein Bochumer und wie es sich herausstellte, haben wir einige gemeinsame Bekanntschaften. Die Fußballwelt ist am Ende doch klein. Wir quatschten eine Weile und nahmen ein weiteres Pint zu uns. Als eine Aufbruchstimmung um uns herum einsetzte, machten wir uns auch auf den Weg nach Wembley. Hightower hatte die Idee, statt mit der Jubilee Line lieber die Metropolitain Line zu nehmen. Hier hätte man nur zwei Stationen bis Wembley Park. Gesagt, getan. Wir versuchten es mit weniger Stopps. Dadurch, dass die Bahn aber zwischenzeitlich ewig im Tunnel herum dümpelte war es zeitlich eher kein Gewinn gewesen. Aber auch das war heute nicht so wichtig. An der Wembley Park Station angekommen, gingen wir die Treppen des Bahnhofs hinunter. Im Hintergrund war schon der Bogen des Wembley Stadiums zu sehen. Jetzt ging es gut eine Meile direkt auf das Stadion zu. Das hat schon eine gewisse Wirkung. Mit Millwall war ich zweimal in Wembley zu Gast, zweimal haute man in den Sack. Diese Bilanz sollte heute verbessert werden. Ich genoss jeden Schritt zum Stadion. Die Atmosphäre und das Sozialkino drumherum sog ich förmlich auf. Hier hatte jeder Bock. Hier fieberte jeder einzelne seit 16 Jahren auf diesen Tag hin. Wir passieren den Boxpark und dort war wirklich Highlife angesagt. Die Party fetzte richtig. Uns zog es allerdings direkt zu unserem Eingang. Wenn wir schon so teure Tickets haben, dann geht es natürlich auch zum Haupteingang hinein. Standesgemäß, aber auch gleichzeitig ernüchternd. Das ist schon ein ganz feiner Protzbau und hat keinerlei Charme des alten Wembley Stadions behalten. Die Ticketkontrolle und der Metalldetektor konnten locker passiert werden. Jetzt ging es erstmal nach oben zu unseren Plätzen. In unserem Sektor des Mittelrangs hatten wir die Plätze in der letzten Reihe. Das war prima, denn so hatte man niemanden im Nacken stehen. Der ideale Zeitpunkt mal nach dem Bierstand und der Toilette Ausschau zu halten. Alles direkt ums Eck, besser hätten wir es nicht treffen können. Für ein Fußballspiel wären es perfekte Plätze mit super Sicht gewesen. Für das Konzert wirkte es erstmal sehr weit von der Bühne weg. Egal, wir wollten in erster Linie hören.



Nachdem wir uns mit der Umgebung vertraut gemacht hatten, gab es für schlappe

£ 8,60 nun ein Ale für mich und den Herrn Doktor. Die anderen beiden Pott-Nasen blieben bei Pilsken von Budweiser für £ 8,20. Das sind hier Raubritter mit Flughafen-Vibes. Aber in unserer Glückseligkeit war es wirklich scheißegal. Wir schwätzten noch eine Weile und gingen dann zurück auf unsere Plätze und lauschten der ersten Vorgruppe Cast. Die waren in den 90er-Jahren nicht unerfolgreich und ganz nett anzuhören. Gut 40.000 Leute waren schon da. Das ist schon nicht übel. Wir vier verstanden uns ganz gut und irgendwie flossen dann doch mehr Hopfenkaltschalen als geplant. Das Stadion ließ ich auf mich wirken und mein Herz pochte immer mehr. Bald würde es los gehen. Ich sah mir auch das Publikum genau an. Sehr gut gekleidetes Publikum fand sich hier ein. Die Casual Fashion war hier extrem häufig vertreten. Stone Island, CP Company und vor allem Adidas waren allgegenwärtig. Alles ordentlich kombiniert mit Oasis-Shirts und jeder Menge Bucket Hats. Ein herrlicher Anblick. Meiner Schätzung nach hatten 90% der Besucher Adidas Schuhe an. Gazelle, Sambas oder Handball Spezial so weit das Auge reichte. Dann kam Richard Ashcroft auf die Bühne. Er spielte die größten Hits von The Verve. Gleich zu Beginn ging es mit "Sonnet" los. Der Fuchs weiß wie es geht, denn so hatte er das Publikum direkt eingefangen. Mittlerweile waren gut 75.000 Besucher im Innenraum bzw. auf den Stadionrängen. Es hätte auch ein The Verve-Konzert sein können. Es entwickelte sich eine unfassbare Atmosphäre und gefühlt jeder konnte mitsingen. Jetzt war es soweit....mein 90er-Jahre-Ich traf mich aus dem Nichts. Nie hatte ich so eine Emotion bei einem Konzert erlebt, aber mein Konzert ging ja noch gar nicht los. Gänsehaut und feuchte Augen waren nun Programm. Bei "Lucky Man" war ich endgültig gefühlsmäßig im Jahr 1997 gelandet. Unglaublich! Ich genoss die 40 Minuten Ashcroft von Anfang bis Ende. Als er sein Set mit "Bittersweet Symphony" beendete war die Hütte komplett voll. Unfassbar guter Sound, hohe Mitsingquote und eine emotionsgeladene Atmosphäre paarten sich zu einem nie dagewesen Gefühl an Freude. Einfach nur durchatmen.



"This is not a drill"....erschien auf den riesigen Videowänden. Dann kamen drei Regleranzeigen und das Schlagzeug erklang mit voller Wucht. "We put this festival on, you bastards"...wummerte es aus den Boxen. Es ging los! Die komplette Arena wurde zum Tollhaus. Bierbecher flogen und die Menge jubelte. Oasis betrat nach 16 Jahren wieder die Bühne. Der Traum wurde gerade wahr. Nach dem Intro ging es los mit "Hello" und es folgten "Acquiesce" und "Morning Glory". Der Sound haute mich um. Liam klang nie besser. Die Band hatte Bock und bei mir schossen immer wieder Tränen in die Augen. Es war nicht nur die Band an sich. Das war schon geil. Aber es war das Gesamtpaket. Diese Lautstärke beim Mitsingen jeder einzelnen Textzeile war schon immens. Dazu eine überragende Akustik und das Gefühl, das sich einstellte, war eine emotionale Lawine. Die Advokatin kündigte schon an, sie könne die ein oder andere Träne verdrücken. Allerdings toppte ich dies problemlos. Emotional fuhr ich Achterbahn. Singen, Ale trinken, springen. Alles passierte wie von selbst. Bei "Cigarettes & Alcohol" drehte sich das ganze Stadion um, hakte sich ein und machte den sog. "Poznan". 90.000 Menschen voller Ekstase drehten nun frei. Was hier los war?! Unbeschreibliche Szenen! Danach brauchte ich eine kurze Pause. Durchatmen, um bei "Supersonic" mit Tränen in den Augen alles aus der Lunge heraus zu singen. Mit diesem Lied begann alles, hier ging es wieder von vorne los. Zurück im Jahr 1994! "Talk tonight" ließ mich wieder runter kommen. An diesem Abend verliebte ich mich neu in "Half the world away". So ein toller Song. Beim Refrain von "Little by little" flog das Dach von Wembley weg. Wie hier alle mitgingen, so hatte ich es noch nie erlebt. Die Gänsehaut überzog mich wieder. Dieser Abend sollte nie enden. Das Konzert nahm seinen Lauf und ich war selten so froh im Leben wie in diesem Moment. Immer wieder schaute ich zu meinen Begleitern. Der Herr Doktor war emotional wohl am weitesten von der Liebe zu Oasis entfernt, aber an diesem Abend wurde er eingefangen. Das stand fest. Die Advokatin hatte heute ihr erstes Mal, ihr erstes Mal Oasis live. Und auch sie wurde so in den Bann gezogen, dass sie zukünftig alle an diesem Auftritt messen und vergleichen wird. Selbst der Hightower gab richtig Gas und hatte die Zeit seines Lebens. Und das hatte nichts damit zu tun, dass er aus dem Ruhrpott herausgelockt wurde. Klassiker nach Klassiker wurde gespielt. Und bei "Slide away" flossen schon wieder Tränen. Dieser Abend verlangte mir alles an positiven Emotionen ab. "Whatever", "Live forever" und "Rock'n' Roll Star" und fertig. "Tonight...I am a Rock 'n' Roll Star" konnten heute 90.000 Bekolppte von sich behaupten und der Größte stand mit Ten-C Skye-Anorak und Stone Island-Bucket Hat auf der Bühne und sang es voller Leidenschaft. Schluss und durchatmen bevor es die Zugabe gibt. Die Zugabe wurde melodisch und bestand aus den wahren Hymnen dieser Band. "The Masterpaln", "Don't look back in anger", "Wonderwall" und "Champagne Supernova" rundeten den Abend ab. Bei "Wonderwall" schickte ich einen Gruß an die Lange von 96. Sie weiß weshalb. Der Abend endete mit einem Feuerwerk auf dem Dach. Es war geschafft. Oasis meldeten sich zurück und das besser, intensiver und überzeugender denn je. Das war was allen hier gefehlt hat. Die Arroganz der Gosse zurück auf den Bühnen dieser Welt.



Wir ließen die vergangenen Stunden auf uns wirken und konnten nicht direkt unsere Plätze verlassen. Wir blieben noch ein Weilchen zurück und beobachteten die Aufräumarbeiten im Innenraum. Dann machten wir uns zurück in Richtung Wembley Park Station. Mit der Masse schoben wir uns langsam Richtung Underground. Wir schauten ausschließlich in glückliche und zufriedene Gesichter. Das war unser Abend und er hätte nicht besser sein können. Aufgrund der guten Organisation der Stewards kamen wir gut und relativ zügig an der Station an. Irgendwann zwängten wir uns in eine einfahrende U-Bahn und wollten wieder zum "The Globe"-Pub zurück. An der Baker Street angekommen, stiegen allerdings nur Hightower und ich aus. Die Advokatin und der Herr Doktor blieben in der Bahn. Warum kann ich gar nicht mehr sagen. Mit Hightower tauschte ich mich noch kurz aus und dann gingen wir unserer Wege. Er fragte mich, ob ich wisse, wie ich zum Flughafen käme. Ich sagte ihm, das wäre kein Problem, denn ich sei schon öfter mit der U-Bahn raus nach Heathrow gefahren. Gut, man hätte sich im Vorfeld mal schlau machen können, denn unter der Woche fährt die Bahn dann doch anders als samstagnachts. Das ist natürlich jetzt doof, dachte ich so bei mir. Ich checkte mehrmals im Internet meinen Rückweg. Mit der U-Bahn begann nun meine Odyssee. Egal welchen Weg ich nahm, es kam nicht zu dem gewünschten Ergebnis. Irgendwann gab ich dann auf, denn auch zu Fuß durch die City von London brachte keinen Erfolg. Somit ging ich zurück zur Underground. Am Gleis an der Marble Arch wurde es dann noch turbulent. Wie aus dem Nichts tauchte ein junger Typ auf und rannte das Bahngleis an mir vorbei. Ihm folgten Im Vollsprint ein Security-Heini und zwei Coppers! Der Flüchtige verpasste allerdings die letzte Abzweigung und endete am Bahnsteigende in der Sackgasse. Für die Uniformierten war es somit ein leichtes den Spitzbuben festzunehmen. Es gab ein Wortgefecht und dann eine schöne Schubserei. Offensichtlich war man sich nicht direkt einig, ob Handschellen angelegt werden, oder eben nicht. Sagen wir so, der Delinquent hatte weniger starke Argumente und entschied sich dann doch für die Armbänder aus Metall. Diese True Crime-Einlage war kurzweilig, aber änderte nichts an meinem Problem des Heimwegs. Letztendlich fuhr ich mit der Underground, allerdings nur bis Ealing Broadway. Hier endete für diesen Abend bzw. Nacht erstmal alles. Ja, wunderbar! Fünf Stationen vor Heathrow Terminal 2. Und jetzt? Jetzt machte ich mich auf den Weg zum Busbahnhof. Irgendwie knallten nun die Ales voll rein und ich war hundemüde. Nicht die beste Voraussetzung, um kluge Entscheidungen zu treffen. Ich versuchte nun den Bus zum Flughafen zu nehmen. Aber der kam einfach nicht. Keine Ahnung wie es dann dazu kam, dass ich einen Bus des National Express ansteuerte. Ich fragte den Busfahrer, ob er raus nach Heathrow fahren würde. In 10 Minuten würde er los fahren, antwortete er mir. Ich erklärte ihm meine vermeintliche "Notlage", dass ich kaum noch Geld hätte und meine Bankkarten nicht funktionieren würden. Auf meine Frage, wieviel die Fahrt kosten würde, sagte er, "Ein Pfund,". Ich gab ihm eine 1 £-Münze. Diese wanderte direkt in seine Hemdtasche. Wir waren uns wohl einig und hatten einen Deal. Ich setzte mich schräg neben ihn und schlummerte ein. Gute eine halbe Stunde später weckte er mich, ich war an Heathrow. Schnell bedanken und dann ab in die Abflughalle von Terminal 2.



Mittlerweile hatten wir schon 2:00 Uhr. In der Abflughalle holte ich mir im Café Nero eine Pepsi, Chipse, ein Sandwich und noch eine heiße Käse-Schinken-Schnitte. An dem Drecksding verbrannte ich mir erstmal die Zunge. Ich ließ diese Stulle abkühlen und zwängte mir das Festmahl hinein, denn ich hatte echt Knast. Essen kam heute mal wieder zu kurz. Da alle Stühle besetzt waren, saß ich auf dem Boden. Mittlerweile war mir alles egal und so legte ich mich auf den Boden an die Wand, Kopf auf den Fischerhut und schlummerte erstmal gut 90 Minuten, wie der letzte Penner. Jetzt musste ich warten bis um 4:45 Uhr die Sicherheitskontrolle öffnete. Die Zeit wollte nicht vergehen. Als es dann soweit war, schlenderte ich schlaftrunken problemlos durch den Check. Ich war überrascht wieviel hier los war, um diese Uhrzeit. Offensichtlich gab es am vorherigen Nachmittag technische Probleme bei der Flugsicherung in London. Wahrscheinlich wurden viele Leute auf die Morgenflüge gebucht. Ich suchte mir einen Stuhl, setzte mich und wartete nun, bis ich mir noch ein Meal Deal holen konnte. Aber irgendwie wollte es mir nicht schmecken und so wanderte es in den Mülleimer. Jetzt wollte ich nur noch nach Hause. Gegen 6:10 Uhr konnte endlich das Boarding beginnen. Ich pflanzte mich an meinen Fensterplatz in Reihe 5, direkt hinter dem Vorhang zur Business-Class. Den ganzen Rückflug blieb ich wach, denn zu viele Gedanken wanderten durch meinen Kopf. Dieser vergangene Abend erfüllt mich mit so viel Freude und Zufriedenheit. Ich konnte nicht schlafen. Dann halt nicht. Am Fraport mussten wir mit dem Bus am Rollfeld abgeholt werden. Das hasse ich so richtig. Mit dem Bus eierten wir gut eine Viertelstunde zum Hauptgebäude. Nachdem ich die Passkontrolle passiert hatte, bemerkte ich, dass mein Bucket Hat weg war. Jetzt wurde ich stutzig, denn ich war mir sicher, im Bus hatte ich ihn noch. Und eine leere Pepsi-Flasche hatte ich. Diese wollte ich vor der Einreise wegwerfen. Jetzt stand ich da.....ohne Hut, aber mit Pepsi-Flasche. Meine Fresse?! Ich fragte den nächsten Bundes-Cop, ob ich nochmal zurück könne, ich hätte etwas verloren. Er öffnete mir das Tor und ich ging strammen Schrittes zum Mülleimer. Nein, hier war der Hut nicht. Ich gab auf, und ging zurück zur automatischen Einreisemaschine. Ha, hier lag der doofe Fischerhut auf einem Pfosten. Glück muss man haben. Jetzt ab nach Hause, ich war völlig durch. Zu Hause angekommen nahm ich eine Dusche und legte mich ins Bett. Ich hatte nun gut 2 Stunden bis ich wieder los musste, denn es wartete ein Banktermin auf mich.



Abschießend bleibt eines zu sagen: Es war der beste Abend meines Lebens. Oasis war biblisch, die Atmosphäre unglaublich und die Leute lebten diesen Traum. Jeder Penny hatte sich gelohnt. Es ist nicht zu beschreiben, aber dieser Abend hat etwas mit mir gemacht. Er gab mir etwas, das mir verlorenen gegangen ist. Ich kann nicht sagen was, aber es ist wieder da. Oasis ist wieder da. Und das ist auch gut so.



Jetzt heißt es wieder in den Alltag kommen und sich dieses Wohlgefühl so lange es geht aufzuheben. Das nächste Highlight wartet dann im September, Millwall schlägt bei den Trainspottern auf. Die werden uns eh nie schlagen. Wir sehen uns dort!


Keep it tidy, geezers....don't get nicked!


Alfie Mace





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