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Fahr mal nach Münster....haben sie gesagt

  • Autorenbild: Alfie Mace
    Alfie Mace
  • 27. Aug. 2023
  • 9 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 27. Juli 2025

Preußen Münster - Kickers Offenbach 4:1 (2:0)

Preußenstadion, Zuschauer: ca. 1800, Auswärtsfahrer: ca. 50 (28.Juli 2023)

Für gewöhnlich besuche ich keine Vorbereitungsspiele, auch nicht vom Heimatclub. Aber diesmal trat man endlich wieder gegen einen attraktiven Gegner an. In den letzten Jahren ergaben sich einige gute Kontakte zu Preußen und so musste ich mich nicht lange überreden lassen dieses Spiel zu besuchen. Ich buchte mir eine entspannte Zugverbindung, damit auch genug Zeit bleiben würde, um mit den Jungs das ein oder andere Pinkus Bier zu trinken.

Das Spiel fand freitags um 18:30 Uhr statt. Somit war der Plan, ganz entspannt gegen Mittag mit dem ICE hier loszufahren um dann noch Zeit mit den Jungs in der Kneipe zu verbringen. Mit einem kleinen zeitlichen Puffer machte ich mich auf den Weg zum Hauptbahnhof. Getränke hatte ich im Vorfeld schon organisiert und Essen würde ich mir bei Bedarf unterwegs noch besorgen. Während meiner Fahrt mit den Öffis zum Bahnhof checkte ich nochmal mein Abfahrtsgleis. Mit Erschrecken stellte ich fest, dass ich nicht um 11:53 Uhr abfahren würde, sondern schon um 11:42 Uhr. Somit wurde aus dem Zeitpuffer genau das Gegenteil. Just in dem Moment bekam ich eine Mail von der Deutschen Bahn. Die Abfahrt würde sich um 5 Minuten nach hinten verschieben. Uiuiui...das wird mal wieder knapp. Am Zielpunkt angekommen ging ich zügigen Schrittes die Rolltreppen hoch und direkt zum Gleis. Um 11:55 Uhr erreichte ich dieses. Wie sie sehen, sehen sie nichts. Kein Zug da! Etwas panisch begab ich mich zum Info-Point und taktisch clever ergaunerte ich mir schnell einen Platz am Tresen und fragte, wo der Zug denn sei? Irritiert sah mich die Bahnmitarbeiterin an und sagte, mein Zug würde ja auch vom Südbahnhof abfahren und nicht von hier. Ich schaute nun kontrollierend auf mein Ticket. Fuck, sie hatte Recht. Das war es dann wohl, dachte ich. Sie schaute nochmal in ihrem Computersystem nach und sagte, ich hätte aber Glück, da der Zug außer planmäßig in etwa 10 Minuten hier auf Gleis 12 einfahren würde. Wow, Glück muss man haben. Jetzt noch schnell eine Wurschtsemmel kaufen und ab zum Gleis 12. Mit weiteren 7 Minuten Verspätung trudelte der eigentlich verpasste Zug endlich ein. Ich nahm in meinem Abteil Platz und war froh, es doch wieder geschafft zu haben. Jetzt kann es ja nur gut werden.

Der Zug tuckerte Richtung Flughafen, das kennt man ja. Hier stiegen etliche Leute ein, die ziemlich angefressen waren, da sie den Zug wechseln mussten und viel Zeit verloren hatten. Hier war Stimmung! Zu mir ins Abteil verirrte sich eine Frau, die, wie ich, nach Münster wollte. Bis Mainz kamen wir recht ordentlich durch. Ab Mainz wurde es dann zäh. Immer wieder hielt der Zug an und wir mussten warten. Am Anfang ist das ja noch ganz kurzweilig, da die Rheinstrecke durchaus sehenswert ist, aber wenn man eigentlich zum Bier trinken verabredet ist, fällt es doch schwerer sich auf die hübsche Gegend zu konzentrieren. Mittlerweile hatte der Zug über eine Stunde Verspätung. Via Email hielt mich die Deutsche Bahn informiert über den aktuellen Stand. Dann kam die Durchsage, im Stellwerk in Koblenz gäbe es technische Probleme. Na, super. Der Bruzzler aus Hiltrup meldete sich immer wieder, um zu erfahren, wann ich denn in Münster aufschlagen würde. Eine konkrete Antwort konnte ich ihm natürlich nicht geben. Irgendwann erreichten wir endlich Koblenz. Hier standen wir eine Weile herum. Dann ging es weiter, aber irgendwie mit angezogener Handbremse. Wenn ich nicht in einem ICE-Sitz gesessen hätte, es hätte auch ein Regional-Express sein können. Nun machte der Zugführer eine Durchsage und fragte, ob jemand das Personal des Bord-Bistros gesehen habe? Sie seien irgendwie "verloren" gegangen, ließ er uns wissen. Bei diesen Allround-Laien konnte man sich nur noch an den Kopf fassen. Bis Bonn zog sich die Fahrt wie Kaugummi. Nachdem wir die ehemalige Bundeshauptstadt passiert hatten, ging es etwas zügiger voran. Der Bruzzler fragte immer wieder, wann ich denn endlich ankommen würde, aber ich konnte ihm keine genaueren Angaben geben. Inzwischen bekam ich auch keine aktualisierten Mails der Bahn mehr. Das ist selten ein gutes Zeichen. Kurz bevor wir Köln-Deutz erreichten, hielt der Zug schon wieder an. Es gab eine Suizidankündigung und der Bahnverkehr sei nun erstmal eingestellt, gute 500m vor dem Bahnhof Deutz. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Eigentlich sollte ich nun in Münster sein. Genau jetzt! Ich genoss den Blick auf eine Polizeiwache und wartete bis wir endlich weiterfahren konnten. Mit den Kollegen aus Münster verabredete ich mich nun im Stadion am Bierstand. Alles andere machte keinen Sinn mehr. Meine Laune verschlechterte sich zusehends. Zumal ich nach dem Spiel ja mehr oder weniger direkt wieder los musste. Endlich konnten wir in Deutz einfahren. Als es wieder los ging, bekamen wir die Mitteilung, das Bistro hätte nun wieder geöffnet. Offensichtlich haben sie ihr Personal wieder gefunden. Herzlich Glückwunsch! Mir schwante für den heutigen Tag nichts gutes mehr, denn wir mussten noch durch den Ruhrpott, an einem Freitagnachmittag. Bis Düsseldorf ging es dann im normalen Tempo weiter. Kurz vor der Landeshauptstadt NRWs meldete sich der Zugführer erneut, in Düsseldorf würde der Zug eine 30minütige Standzeit haben. Grund für diese "arbeitsrechtlichen Bestimmungen" seien die Verspätung und die Suizidankündigung. Das ist doch jetzt nicht euer Ernst?? Jetzt macht der seine Pause, auf einem Nebengleis im Düsseldorfer Hauptbahnhof.

Nach genau 33 Minuten tuckerte der ICE wieder los. Allerdings nur bis Andermund. Hier hielt der Zug erneut. Hier hatten wir den Eindruck, der Kutscher habe sich verfahren, denn es wirkte wie ein S-Bahnhof. Mal wieder meldete sich der Lenker dieses offensichtlich verdammten Zuges. Angeblich wäre vor uns ein liegengebliebener Regionalzug. Wir könnten nun weder überholen noch zurückfahren und müssten warten, wie sich die Situation entwickele. Im Abteil hörten wir das Raunen aus dem restlichen Wagon. Die Leute waren wohl unzufrieden mit der heutigen Vorstellung der Deutschen Bahn. Ich unterhielt mich eine Weile mit meiner Mitfahrerin. Sie erzählte, sie sei seit 7:00 Uhr unterwegs und in Passau in den Zug gestiegen. Sie müsse nach Münster, dann umsteigen, um nach Osnabrück zu kommen und von da aus mit dem Bus weiter. Klingt am heutigen Tag alles andere als einladend. Ich ging zur Toilette und als ich zurückkam, rollte der Zug wieder an. Ich checkte im Internet, was tatsächlich los sei. Laut Internet hat unser Zug wohl eine Panne...in Duisburg. Oh ha, dabei sind wir noch gar nicht in Duisburg. Als jetzt der Schaffner noch durch den Zug lief und mit seiner Hand eine gewisse Abzählbewegung machte, schwante mir böses. Dann ging es weiter. In Duisburg angekommen passierte dann, überraschenderweise nichts mehr. Um 18:51 Uhr kam ich dann in Münster an. Mit einer Verspätung von 3h und Anpfiff war um 18:30 Uhr. Super!

Nachdem ich den Bahnhof am Zielort verlassen hatte, bestieg ich umgehend ein Taxi. Der anatolische Fahrer schaute mich an und sagte: "Hast du Bargeld?" "Was hab ich? Und warum?" antwortete ich perplex. "Ich mach das hier nicht, mit Karte und so!" erklärte er mir. Wir fuhren los. Vom Bruzzler bekam ich den Tipp, wo er mich rauslassen soll, damit ich nicht um das komplette Stadion latschen musste. Für das heutige Spiel war nur die Haupttribüne geöffnet. Am Stadion angekommen bog er Richtung Haupttribüne ab. Ich lunzte auf den Taxameter und er zeigte 8,50 Euro an. Ganze 400m weiter hielten wir an und der Preis war urplötzlich 13,50 Euro. So ein Raubritter! Das fehlte noch. Ich betrat das Stadion und stellte fest, der Gast lag 2:0 zurück. Schnell dem Allesfahrer Hallo gesagt und dann die Münsteraner Brut begrüßt. Der Bruzzler und Pro saßen auf ihren Plätzen und wenige Augenblicke später kam der Namensvetter und brachte Bier. Wir unterhielten uns über meine Anreise und die Aussichten der Preußen in der kommenden Runde in Liga 3. Leider war der Anwalt nicht zugegen. Der zog es vor, mit der Perle in den Urlaub zu fliegen. Es sei ihm gegönnt. In der Halbzeit verzogen wir uns an den Bierstand und gönnten uns ein...um Gottes Willen...ein Warsteiner. Niemand trinkt das gerne. Wirklich niemand. Zur zweiten Halbzeit verzogen wir uns wieder auf unsere Plätze. Das Spiel war, aus meiner Sicht, langweilig, da die eigene Stümpertruppe weit weg von ihrer Bestform agiert. Das Spiel wurde nebensächlich und wir quatschten über verschiedenste Dinge. War gut die Jungs mal wieder zu sehen. Das einzigst spannende war eine kurze Rudelbildung auf dem Platz. Ansonsten ging der Vorbereitungskick mit 1:4 in die Binsen. Passt zum heutigen Tag. Nach Abpfiff machten wir uns nochmal zum Bierstand. Ein Bier noch und dann muss ich ja schon wieder los. Pro und der Namesvetter verabschiedeten sich. Alle Achtung, das Overshirt vom Pro war schon ne Ansage. Very, very Fred Perry. Stark! Am Bierstand orderte ich zwei Bier für den Bruzzler und mich. Denkste, hier geht nix mehr. Die Servier-Tante sagte, sie könne keines mehr verkaufen, da das Fass schon abgeklemmt sein. Ich sagte ihr, dass dies nicht stimme, denn ich sehe ja, dass es noch an der Zapfanlage angeschlossen sei. Dann sagte sie, nach Abpfiff gäbe es keine Bier mehr. Fertig! Selbst der Mann aus Hiltrup war überrascht. Wir verabschiedeten uns und legten fest, dass ich zur Rückrunde wieder vorbei komme, dann aber länger. Sehr gerne, allerdings nur, wenn der Bruzzler dann auch den Grill anwirft.

Nun sammelte ich den Allesfahrer ein. Dieser zauberte aus dem nichts ein Bier hervor. Keine Ahnung wie er das gemacht hat. Wir schlenderten Richtung Bushaltestelle. Wir hatten nicht mehr viel Zeit, denn der Zug nach Hause fuhr ja bald los. Er würde bis Köln mitfahren und dann den Zug wechseln. Ich wählte die etwas teurere aber schneller Variante. Wir passierten die Tankstelle am Stadion und stellten uns an die Haltestelle. Während ich mit dem Handy checkte wann und welcher Bus uns zum Bahnhof bringen würde, nahm die Sache hier Fahrt auf. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie 2-3 Münsteraner Jungspunde an mir vorbei flitzten. In der Hand hielt einer einen Jutebeutel. Im Laufschritt versuchte der Allesfahrer ihnen zu folgen. Natürlich erfolglos, denn die Burschen waren fix und flink wie Wiesel. Da hat der sich doch glatt seinen Beutel ziehen lassen. Wer schon mal in Münster war, der weiß, deren Szenetreff am Stadion ist besagte Tankstelle. Der Allesfahrer wetzte zur Tankstelle und krakelte dort herum. In der Zwischenzeit kam einer der Eierdiebe zurück und gab mir das Handy und einen Hut vom Allesfahrer. Fair Play to Münster! Hätte er nicht machen müssen. Nach einer Weile kam er zurück und berichtete was im Beutel war. Seinen Schal und seine persönliche Fahne sowie Ladekabel waren weg. Gut, wenn man den Beutel auch einfach so abstellt, dann passiert das. Er war etwas überrascht, dass sein Handy wieder da war. Letztendlich haben die das gut ausgespäht und die Gunst der Stunde genutzt. Sie hätten uns auch wegschwaden können und niemand hätte Grund zum jammern gehabt. Wir bestiegen dann den kommenden Bus und eierten zum Bahnhof. Der Allesfahrer schlug vor, den Kiosk gegenüber des Bahnhofs anzusteuern, um dort Bier für die Rückfahrt zu holen. Gesagt, getan. Prima, der Kiosk hatte zu. Also zurück in den Bahnhof und in den 'Rewe to go'. Hier holten wir uns zwei lokale Biere, der fade Geschmack des Warsteiners musste ja abgetötet werden. Wir gingen hoch auf unser Abfahrtsgleis und schauten auf die Zuganzeige. Super, der Zug nach Hause hat 35 Minuten Verspätung. Irgendwann werde ich echt noch verrückt.

Mit 35 Minuten Verspätung betraten wir dann den Zug und setzten uns an einen Vierer-Tisch. Kurz nach Abfahrt kam die Durchsage, dass Zugfahrende nach Frankfurt den Zug nicht wechseln sollten, sondern sitzen bleiben könnten, da der Anschlusszug auf Grund der Verspätung nicht warten könne. Alles andere hätte mich auch gewundert. Als Gesprächspartner fiel der Allesfahrer aus, denn der pennte überwiegend. In Köln kamen wir dann mit gut 50 Minuten Verspätung an. Hier stiegen gut 15 Bergsteiger ein. In voller Montur. Kletterschuhe, Kletterhosen, Rucksäcke, Seile und Helme, alles dabei. Im ersten Moment dachte ich, es sein eine wilde Karnevalstruppe, aber nein, die meinten das ernst. Weil die Truppe gerade hier ihre Reservierungen hatte, mussten wir die Plätze tauschen. Wir verzogen uns in einen anderen Wagon. Die Gefahr, das die anfangen zu jodeln, war einfach zu groß. Im nächsten Wagon belagerten wir umgehend den nächsten Vierer-Tisch. Während der gesamten Restfahrt döste das gesamte Großraumabteil vor sich hin. Außer einem Inder, der mir schräg gegenüber saß. Wir hielten einige Male Blickkontakt und dann.....dann fing der an immer wieder zu furzen. Zum Teil richtig rausgedrückt hat er die. Ich glaub ich sitze im falschen Zug. Irgendwann konnte ich mit dem Kopf nur noch gegen die Tischplatte hauen. Wann bin ich endlich zu Hause??? In der Bankenmetropole angekommen hatten wir gut 1 Stunde Verspätung. Hier trennten sich meine und die Wege des Allesfahrers. Er versuchte noch mich zu überzeugen mit in eine Kneipe zu kommen, aber bei mir war die Luft raus. In 19 Minuten würde die nächstmögliche S-Bahn fahren. Nach 3 Stationen müsste ich zur U-Bahn wechseln. Dafür hätte ich ganze vier Minuten Zeit. Was soll da um diese Zeit schief gehen? Die S-Bahn fuhr ein und mit Sage und schreibe 5 Minuten Verspätung erreichten wir meine Umstiegsstation. Ich sah noch die Rücklichter der abfahrenden U-Bahn. Ja, wunderbar! Die nächste fuhr wieder in 45 Minuten. Unter Absingen schmutzigster Lieder latschte ich zum nächstgelegenen Imbiss. Erstaunlicherweise hatte ich mal wieder das Essen vergessen. Ich holte mir Fritten mit Knoblauch-Soße und stapfte wieder zurück zum Abfahrtsbahnsteig. Erneut schaute ich auf die leuchtende Anzeige. In 59 Minuten fährt die Nächste? Fällt schon wieder eine Bahn aus? Ich dreh heute noch durch! Eine Nachtschwärmerin fragte mich, ob nicht eine früher fahren würde? Ich konnte ihr die Frage nicht beantworten. Zu meiner Überraschung trudelte dann doch, fast pünktlich, eine U-Bahn ein. Diese hatte aber aus "betriebsbedingten Gründen" einen Aufenthalt von 5 Minuten. Ja klar, was auch sonst. Ich machte ein kleines Nickerchen und stieg an der Endhaltestelle aus. Müde und maximal genervt ging ich nach Hause. Die Schnauze hatte ich nun endgültig voll.

Fazit des Tages: Ein 16 Stunden-Trip ging zu Ende. War es das wert? Nein! Würde ich es nochmal machen? Auf jeden Fall!! Deutsche Bahn....ihr könnt mich mal.

Keep it tidy, geezers - don't get nicked!


Alfie Mace





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