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Kanarienvögel & Touris.....im Lions Den

  • Autorenbild: Alfie Mace
    Alfie Mace
  • 14. Jan. 2024
  • 9 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 27. Juli 2025

Millwall FC - Norwich City 1:0 (1:0)

The Den, Zuschauer: 17.715 Auswärtsfahrer: ca. 1.800 (29. Dez. 2023)



Nach dem Urlaub und den Weihnachtsfeiertagen war der Drang, wieder auf die Insel zu fliegen und Fußball zu schauen, sehr groß. Nach dem Sieg in Sheffield zeigte Millwall eine Serie von sieben sieglosen Spielen in Folge. Erst am Boxing Day konnte zu Hause gegen QPR wieder ein Dreier eingefahren werden. Ich war sehr gespannt, ob gegen den Premier League-Absteiger aus Norwich etwas zu holen sein wird.



Der letzte Urlaubstag des Jahres ging ganz gemächlich mit einem morgentlichen Besuch beim Barbier des Vertrauens los. Der "German Hair Cut" ist mittlerweile fast schon Pflicht bei Besuchen des Südlondoner Club des Herzens. Die Lads fordern das auch fast ein, denn vom Thema "Haare" hat man sich hier schon lange verabschiedet. Mit Glatze lebt es sich pflegeleichter. Nach dem die Seiten auf Null und der Scheitel mit dem Lineal gezogen wurde, ging es wieder nach Hause, um die Tasche zu holen. Da dieser Trip nur gut 20 Stunden dauern würde, war leichtes Marschgepäck angesagt. Mr. Belvedere teile mir kurzfristig mit, ich könne wie immer bei ihm nächtigen, allerdings würden seine Eltern ebenfalls bei ihm übernachten und er würde mir nur eine Matratze im Wohnzimmer anbieten können. Nö, aus dem Alter ist man ja nun mittlerweile raus und deshalb quartierte ich mich bei Mr. Elephant & Castle ein. Zu Coronazeiten verbrachte ich dort zwei Nächte und mir blieb es sehr bequem in Erinnerung. Am Flughafen angekommen war ich sehr erstaunt, dass hier so gut wie nichts los war. Keine Warteschlangen am Security-Check und sogar die elektronische Passkontrolle funktionierte. Ich lief Richtung Abflug-Gate und deckte mich am Getränkestand mit einem großen Hellen ein. Leider muss man im Abflugbereich A mittlerweile auf gezapftes Bier verzichten. Sei es drum! Ich suchte mir einen Stuhl und einen Tisch und betrachtete meine Mitflieger. Da waren auf jeden Fall einige Buben dabei, die entweder zum Fußball oder zum Darts wollten. Wer mag es ihnen verdenken?! Etwa 15 Minuten vor dem Bording sollten alle nochmal ihren Pass und den Bording Pass vorzeigen. Die zwei Experten, die dies durchführten, veranstalteten ein herrliches Chaos. Als dann irgendwann tatsächlich das Betreten des Fliegers anstand, war gar nicht mehr klar, welche Gruppe starten würde. Da fiel es gar nicht mehr ins Gewicht, dass die Reinigung der Maschine länger dauerte. Mit gut einer halben Stunde Verspätung ließ ich mich in meinen Mittelplatz fallen. Schnell noch die Habseligkeiten verstaut und die Augen zu. Jetzt wurde mir erst bewusst, jede Minute Verspätung kostet mich wertvolle Pubzeit vor dem Spiel. Mist! In London kamen wir mit gut 40 Minuten Verspätung an. Ich griff nach meinen Sachen in der Sitztasche vor mir. Da hat doch tatsächlich irgendein Trottel seinen Kaugummi dort reingesteckt und mir so den Bording Pass und den Reisepass versaut. Schön verklebt. Danke für nichts! Immerhin hat sich jetzt mal das Cover für den Pass gelohnt.



In London angekommen, machte ich mich direkt zur Elizabeth Line und ab in Richtung City. Mit Mr. Belevedere und Mr. Elephant & Castle war ich im Prince of Wales-Pub verabredet. Der Braumeister hätte seine wahre Freude daran gehabt. Als ich ankam, saßen die beiden mit Big John, den Eltern von Mr. Belevedere und, zu meiner Überraschung, Señor Zuckerhut beisammen und tranken Bier. Ich begrüßte alle und fragte, wieviel Zeit wir noch hätten. Gut 15 Minuten hätten wir noch, erwiderte Mr. Belvedere. Ich trottete zur Theke und inspizierte das Braugut. Gewinner wurde das Cruzcampo aus Sevilla. Ein neues Bier für mich, die Bier-App will schließlich gefüttert werden. Als ich zurück zum Tisch kam, entstand eine Aufbruchstimmung. Wir wollten nun los. Na prima, jetzt kann ich den eiskalten Schoppen auch noch auf Ex die Kehle hinunter stürzen. Genau mein Ding. Meine Tasche holte die Frau von Mr. Elephant & Castle ab und so war ich das Anhängsel los. Die Tasche, nicht die Frau. Wir liefen in Richtung Bushaltestelle und nahmen den erstbesten Bus zum Stadion. Gut 20 Minuten waren wir unterwegs. Zwischenzeitlich unterhielt ich mich lange mit Señor Zuckerhut. Ihn habe ich schon einige Jahre nicht mehr gesehen. Wir redeten über Palmeiras und wie Millwall sich so schlägt. Als wir ankamen, mussten wir noch einen kurzen Fußmarsch zum Ground machen. Ich persönlich liebe es durch diese schmuddelige Gegend zu einem Abendspiel zu laufen. Abgeranzt, hässlich, aber ehrlich. Der Club passt einfach nur hierher. Am Stadion angekommen, passierten wir schnell die Drehkreuze und hier trennten sich unsere Wege. Mr. Belvedere, Señor Zuckerhut und Mr. Belvederes Dad bevorzugten heute mal im Unterrang zu sitzen. Mr. Elephant & Castle und meiner einer gingen wie immer in unseren Stammblock im Oberrang. Es waren noch einige Minuten bis zum Anpfiff. Das Spiel war ausverkauft. Wir beobachteten die Zuschauerränge und uns fiel auf, es waren wieder Unmengen an Hoppern unterwegs. Touris aus Italien, Holland, Portugal und Deutschland waren sehr schnell zu entdecken. Da können sie noch so sehr im Casual Style oder mit Fanschal aufschlagen. Sie alle verraten sich mit einer einzigen Aktion. Die Touris schauen alle auf ihre Karten und setzen sich auf den Platz, den sie gebucht haben. Immer amüsant zu sehen, wenn dort aber schon Einheimische hocken. Dann steigt die Verwirrung und nicht selten setzt man sich dann doch widerwillig auf einen anderen Platz. Heute war die Musik vor dem Anstoß wieder mal wunderbar. Statt irgendeinen Chartsmist wurde hier Madness, The Clash, The Beatles, Blur und auch Style Council gespielt. Hier ticken die Uhren glücklicherweise noch anders. Die Protagonisten betraten den Rasen und London was Calling!



Nach der ersten Chance für die Hausherren nahmen die Gäste das Heft in die Hand und diktierten das Spiel. In der 16. Minute führte Millwall dann einen blitzsauberen Konter aus und führte danach mit 1:0. So wird das gemacht! Mit der Führung im Rücken konnte ich meine Blicke wieder über die Tribünen kreisen lassen. Auf der Cold Blow Lane fielen die Touris wieder auf, in dem sie ihre Plätze suchten. Ich fragte Mr. Elephant & Castle, ob das zu dieser Jahreszeit nicht nervig mit den vielen Touris sei? Nein, antwortete er, denn unsere Leute seien ja sowieso da und die Touris machen zumindest das Stadion voll. Dazu kaufen sie noch Merchandise. Das bringe ja Geld. So kann man es auch sehen. Ich blickte zur Gästetribüne. Diese war für einen Freitagabend recht ordentlich gefüllt. Die Hälfte des Unterrangs und zwei Blöcke im Oberrang waren voll. Stimmungstechnisch war es aber Magerkost was die kleinen Vögelchen aus Norwich zwitscherten. Millwall glänzte wieder mit dem üblichen Support. Die Atmosphäre wurde mit zunehmender Spielzeit immer vergifteter, denn die Spieler langten auf dem Platz gut zu. Hier spielten auch überwiegend Schotten, Waliser und Engländer gegeneinander und keine Brasilianer. Grätschen, Fuß drauf halten sowie Kick & Rush. Bis zur Halbzeit ging es hin und her, aber der Spielstand änderte sich nicht. In der Pause schlugen wir uns zu den Toiletten durch. Hier zeigte sich wieder das übliche Bild. Lange Schlangen vor den Pissbecken und mehrere Herren, die in den Toilettenboxen wohl ihren lästigen Schnupfen mit südamerikanischen Hausmittelchen bekämpften. Gute Besserung, Fellas! Mit dem Pfiff zur zweiten Halbzeit boten sich auf dem Rasen das selbe Bild. Verstolperte Torchancen und knackige Zweikämpfe. Das ganze schaukelte sich bis zur 61. Minute hoch. Hier hatte Citys Ashley Barnes seinen großen Auftritt. Mit Jake Cooper hatte er ein intensives Wortgefecht. Cooper hatte wohl ein freches Mundwerk und Barnes wechselte kurz die Sportart und zack hatten wir Freistil Ringen und Cooper landete mit einem gezielten Wurf auf dem Boden der Tatsachen. Das wiederum veranlasste die anderen Spieler sich im Rudel zusammen zu finden. Hier hatte man sich einiges zu sagen und wilde Schubsereien starteten. Darauf nahmen nun Block 28 auf der einen und Block 19 auf der anderen Seite, verbalen Kontakt zur Gästetribüne aufzunehmen. Die Gäste wurden von rechts von den alten Hauern und von links von den Youngstern beschimpft. Herrlich was hier los war. Jetzt brannte die Luft! Es gab eine gelbe Karte für Barnes und weiter ging es. Für knapp 30 Sekunden. Direkt nach dem Freistoß für Millwall schepperte es im Mittelkreis. Der Kanarienvogel Barnes wieder mittendrin. Er schlug zwei Millwallspielern (Saville und Honeyman) zeitgleich gegen die Brust. Das wiederum missfiel Cooper und schon hatten sie sich wieder am Wickel. Weiter ging es. Das Stadion johlte und die Gemüter erhitzten sich zunehmend. Jeder Gästespieler bekam nun sein phonetisches Fett weg. Der Norwich-Coach wechselte seine Krawallschachtel mit der Nummer 10 auch prompt aus. Begleitet von Pfiffen und Beschimpfungen verlies er den grünen Rasen und landete direkt in Wortgefechten mit der Haupttribüne. Ein Schwung Portugiesen vor uns hatte seine helle Freude daran und fragten direkt, wer denn der Fünfer von Millwall sei? Die letzten 30 Minuten waren geprägt von Pöbeleien, intensiven Zweikämpfen und "Hoch und Weit nach vorne"-Fußball. Kein Leckerbissen für Fußballästheten, aber ein amüsantes Spiel für Freunde ehrlicher Antipathien. Irgendwann hatte der Schiri aber die Schnauze voll und pfiff ab. 1:0 gewonnen! Aus den Boxen dröhnte "Rocking all over the world" und 3 Tribünen sangen mit und tanzen.



Wir verließen kurze Zeit später die Tribüne und Mr. Elephant & Castle fragte, ob ich Lust hätte auf Pub und Bier. Angeblich gibt es keine dummen Fragen, aber in diesem Fall waren wir sehr dicht dran. Natürlich will ich Publife haben! Wir liefen etwa 15 Minuten die Ilderton Road entlang zum Pub "The Windsor". Ein Millwall-Pub, der sehr an den abgeranzten Pub in Woolrich im letzten Jahr erinnerte. Hier war es zwar taghell, aber schön assi. Ich holte mir eine Doom Bar, Mr. Elephant & Castle bekam sein geliebtes Guinness. Schade, dass wir hier nicht öfter hergingen. Meine Begleitung fragte mich, ob ich Lust auf eine Pizza hätte. Ich verneinte, denn ich hatte keine Lust jetzt noch eine Pizzeria aufzusuchen, Nein, nein...man könne hier auch eine Essen. Pizza und Pint für 10 Quid. Bei aller Liebe, aber ich möchte hier bitte keine essen. Wir unterhielten uns während wir unser Bier tranken und wie aus dem nichts, fragte er mich, ob ich es hier schön fände oder lieber wo anders hin möchte. Aus meiner Sicht war es hier durchaus fein. Als er ein drittes Mal fragte, war mir klar, Mr. Elephant & Castle wollte einen Ortswechsel. Nachdem das Pint geleert war, liefen wir zur nächsten Bushaltestelle. Unterwegs kreuzten zwei Füchse unseren Weg. Die beiden Fellträger liefen in aller Seelenruhe über die Straße in einen angrenzenden Park, mitten in der Stadt. Als sie von meinem englischen Freund als unnütz wie Ratten bezeichnet wurden, hatte ich kurz den Eindruck, er könnte eine Flinte hervorzaubern und die beiden erlegen. Nach einer kurzen Busfahrt erreichten wir Elephant & Castle. Hier führte er mich in den Pub "Castle". Dieser schummrige dunkle Laden stellte sich als Musikclub heraus. Die Musik war sehr laut und viele junge Leute verkehrten hier. Ich bin mir nicht mal sicher, ob Mr. Elephant & Castle weiß, wie laut der Schuppen ist, denn er hört ja nichts. Nach zwei Pints standen wir vor der Wahl entweder nach Hause zu gehen oder nochmal in einen Wetherspoons Pub namens "The Rockingham Arms" aufzuschlagen. Hier war wieder gut was los, alle Sozialschichten waren vertreten. Die Bierpreise waren für Londoner Verhältnisse human und der Pub brillierte mir drei verschiedenen Bodenbelägen. Teppich, Fliesen und Parkett rundeten das Gesamtbild ab. Eigentlich wollten wir nur ein letztes Pint trinken. Allerdings fand eine ältere Frau unsere Aufmerksamkeit. Diese saß auf einem Barhocker und bediente fleißig den Daddelautomaten. Während sie diverse Tasten drückte, pfiff sie sich irgend einen klaren Shot rein. Jedes Mal, wenn sie etwas gewann, kletterte sie von ihrem Hochsitz runter und holte sich einen neuen Drink. Erstaunlich wie oft Mutti hier gewann. Nach einer Weile hatte das Thekenpersonal es aber satt und teilte der Dame mit, sie bekäme keinen Alkohol mehr. Uns brach es fast das Herz. Die Oma giftete herum, musste sich aber dennoch mit einer Coke zufrieden geben. Die Siegesserie hielt an, aber das Glück auf den nächsten Shot blieb ihr verwehrt. Voll fies! Nach zwei Pints, also in etwa und grob geschätzt, wollten wir dann den Abend beenden. Ich ging rasch noch mal austreten. Wie immer, in den Wetherspoon Pubs, ähnelt der Weg zum Stillen Örtchen einem ordentlichen Marsch. Treppe hoch oder runter, durch verschiedene Türen hindurch und dann hinein in einen Toilettenraum, der mit Wasser und Co. besudeltem Fußboden glänzte. Keine Ahnung, was die hier immer veranstalten. Und ehrlich gesagt hoffe ich immer, es ist nur Wasser. Lieber nicht darüber nachdenken. So, pieseln und dann ab nach Hause ins Bettchen.



Die Nacht war kurz und so verließ ich schon gegen 8:45 Uhr das Haus und und lief zur Tube. Mit der U-Bahn machte ich mich auf den langen Weg nach Heathrow. Nach gut einer Stunde kam ich auch endlich dort an. Statt mit dem Aufzug nach oben zur Abflughalle zu fahren, nahm ich die Rolltreppe. Diese endete allerdings in der Zwischenebene. Die Rolltreppe nach oben war gesperrt. Na prima. Eine weitere Rolltreppe gibt es hier nicht. Die Alternative wäre der Aufzug. Dort spielten sich aber tumultartige Szenen ab. Hier versuchte man sich in die vollen Kabinen der Aufzüge aus dem Untergeschoss zu zwängen. Kein leichtes Unterfangen, wenn man noch Koffer im Schlepptau hat. Folglich machte ich mich auf den Weg zurück ins Untergeschoss und versuchte dort mein Glück. Zu meiner Überraschung ging es problemlos. Bei so einem Chaos am Queens Terminal wäre Lizzy aber not amused. Die Sicherheitskontrolle konnte ich erneut fix passieren. Da ich viel Kleingeld in der Hosentasche hatte, musste es statt eines Full English Breakfasts ein Meal Deal sein. Sandwich, Crisps und eine Pepsi Max Mango. Gesünder geht es kaum. Das warten auf den Flieger gestaltete sich länger als gedacht. Wieder war die Maschine nicht fertig und letztendlich kam ich gut eine Stunde später als erhofft zu Hause an. Egal, denn es war noch genug Zeit, um für Silvester einzukaufen.



Fazit des 22h-Trips.....Rocking all over the world! COYL!

2023 konnte ich fünf Spiele der Londoner verfolgen. Die Bilanz mit vier Siegen und einer Niederlage ist deutlich besser, als zu erwarten war. Für 2024 stehen gerade in der ersten Jahreshälfte ein paar interessante Ausflüge an. Es bleibt spannend!


Keep it tidy, geezers - don't get nicked!


Alfie Mace



See you at Southampton!





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