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Koffer Hoffer & die Jambos...

  • Autorenbild: Alfie Mace
    Alfie Mace
  • 15. Sept. 2024
  • 9 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 14. Dez. 2025

Hearts of Midlothian - Viktoria Pilsen 0:1 (0:0)

Tynecastle Stadium, Zuschauer: 16.456, Auswärtsfans: 74 (31. August 2024)


Ab....in den Urlaub! Diesmal stand ein Städtetrip in die Hauptstadt Schottlands an, nach Edinburgh. Wenn man schon mal vor Ort ist, kann man auch eine Runde Fußball schauen. Das Derby der Stadt hatte ich vor Corona schon gesehen und die Hearts haben mich damals schon deutlich mehr gereizt. Zum einen überzeugt ihr Vereinsname und auch die Clubfarben sind ansprechend. Wie der Zufall so wollte, hatten sie an diesem Wochenende ein Heimspiel gegen Dundee United. Glücklicherweise stand dann donnerstags noch das Europa-League Qualifikationsrückspiel gegen Pilsen statt. Das Hinspiel in Tschechien ging die Woche zuvor mit 0:1 in die Binsen. Der Siegtreffer fiel in der 90.+6 Minute. Das sind doch herrliche Voraussetzungen für ein ereignisreiches Rückspiel mit allen Möglichkeiten.

Der Abreisetag startete entspannt mit einem Frühstück im Café des Vertrauens. Da der Abflug für 15:00 Uhr terminiert war, konnte man ganz entspannt zum Flughafen. Die kleine große Schwester war diesmal wieder mit dabei. Als Sparfuchs, entschied ich mich auf dem Hinflug einen Zwischenstopp einzulegen. dieser sollte in Zürich erfolgen. Somit ging es erstmal in den Süden, um dann 45 Minuten später wieder Richtung Norden zu fliegen. Was Greta Thunberg über mein Reiseverhalten denkt, das ist mir immer noch scheißegal. Das Motto ist weiterhin "So lange man kann, so viel wie geht". An dieser Stelle gehen Grüße raus an die beiden Gentlemen. Da wir rechtzeitig am Flughafen waren, konnte der Vorteil des Flugs in die Schweiz genutzt werden. Im Abflugbereich A ist eine Niederlassung des Hamburger "Überquells". Gute Biere, die probiert werden wollten, verschönerten die Wartezeit. Dann machten wir uns auf den Weg zum Gate. Was sollte denn schief gehen, wenn man mit Schweizern und Deutschen reist? Im Abflugbereich ging es aber irgendwie nicht voran. Dann kam die Durchsage, dass der Flugapparat technische Probleme habe und man auf die Techniker warte, die seien aber nicht vor Ort. Der Abflug würde sich erstmal um etwa 30 Minuten verzögern. Das ist schlecht, wenn man nur gut 45 Minuten zum Umsteigen hat. Deshalb wurde schnell das Gespräch mit der Tante am Schalter gesucht. Auf die Frage, ob man eine Chance auf den Anschlussflug habe, sagte sie nur. "Vielleicht." Auch die Frage, ob es eine spätere Möglichkeit gäbe dann von Zürich aus nach Edinburgh zu fliegen, konnte sie nicht bejahen. Ihr Tipp war, erstmal nach Zürich zu fliegen und dann würde man ja sehen, welche Optionen es noch gäbe. Am Arsch die Räuber!? Ich fliege doch nicht von hier weg, um dann in der Schweiz mal zu schauen, was oder ob noch was gehen würde. Strammen Schrittes ging es zum Informationsschalter der Lufthansa. Hier kurz die Situation geschildert und dann telefonierte der Kollege etwas herum. Er bot uns an, gut eine Stunde später zu fliegen, dann allerdings direkt. Die Maschine hätte noch Platz. Gesagt, getan. Jetzt sitzen wir in dem Flieger, der deutlich teurer war und sind dann noch früher in Edinburgh. Glück muss man haben. Dann fragte ich noch, ob auch unser Koffer mitkommen würde. Er sehe da keine Probleme, war die Antwort. Wunderbar. Somit nahmen wir die Alternative und flogen entspannt zu den Rockträgern.

In Edinburgh angekommen, Fix beim Inselvolk durch die Passkontrolle und dann den Koffer schnappen. An diesem Provinzflughafen war natürlich alles eine Nummer kleiner. Dann sollte es ja zügig voran gehen. Immerhin hatte ich Sehnsucht nach schottischen Pubs. Das Gepäckband setzte sich in Bewegung und peu à peu bekam jeder seinen Koffer. Nur ich nicht! Haben die Trottel doch glatt meinen Koffer nicht mitgenommen. Somit stand ich bei gut 17° ohne Jacke herum. Prima. Mit gewaltiger Krawatte versuchte ich der Fluggesellschaft online den Verlust meines Gepäckstückes mitzuteilen. Glücklicherweise übernahm die kleine große Schwester das Management dieses Vorfalls, denn sonst hätte es Verletzte gegeben. Dann kamen wir auf die naive Idee, der Koffer komme bestimmt mit unserer regulären Maschine aus Zürich. Also warteten wir diese ab. Und siehe da....nix kam. Via Internet sahen wir, das unser regulärer Flug aus Frankfurt gut 60 Minuten später startete. Der Flug von Zürich nach Edinburgh starte ebenfalls später. Allerdings lagen nur 8 Minuten zwischen Landung der einen und Start der anderen Maschine. Der lahmarschige Schweizer bekommt das nicht hin, egal wie gut er organisiert ist. Das stand mal fest. Nun fiel mir ein, am Adressband des Koffers stand meine Heimatadresse und nicht die unserer schottischen Unterkunft. Herrlich. Den Koffer konnten wir gefühlt abschreiben. Im Info-Center machten wir auf dieses Problem aufmerksam und hinterließen die Adresse unseres Hotels. Völlig genervt trotteten wir Richtung Bus und fahren in die City. Für mich war klar, ich fahre wohl ohne Jacke in die Highlands. Glücklicherweise hielt der Doppeldeckerbus direkt vor dem Hotel. Einchecken und dann los um erstmal die nötigsten Utensilien wie Zahnbürste, Kamm und Kontaktlinsenflüssigkeit zu kaufen. Essenstechnisch gab es ein Meal Deal und ne Pepsi Maxx Mango. Hilft ja nichts, wir müssen ins Pub. Nach kurzem Fußmarsch kehrten wir in die "Roseburn Bar" ein. Hier gab es erstmal Bier und im TV Nottingham Forest gegen Newcastle United im Ligapokal mit Elfmeterschießen. Mein Gemüt beruhigte sich, denn via Mail wurde ich unterrichtet, dass der Koffer gegen 23.30 in Edinburgh eintreffen solle. Später, als wir in der "Murrayfield Bar" waren, ereilte mich die Nachricht, die Maschine habe Verspätung. Für mich war es nun zu viel und ich ging zurück ins Hotel, ins Bett. Good Night!

Meine Laune war am nächsten Morgen etwas besser, aber nicht gut. Um 12.30 sollte es in die Burg gehen. Die Frage war nun aber, machen wir es, oder lassen wir es sausen und kaufen uns paar Klamotten. Schlüppis und Socken wären ganz gut, dachte ich mir. Zum Glück hatte ich das Matchday Outfit im Handgepäck dabei. Immerhin! Dann kam eine Mail, der Koffer werde heute ausgeliefert. Juhu! Somit machten wir uns ab in die City und hoch zur Burg. Dort kamen wir zu früh an, deshalb gab es nur eine Möglichkeit dieses Missgeschick auszumerzen, wir müssen in den Pub. Gegen ein Frühstücks Ale ist ja nie etwas einzuwenden. Gesagt, getan. Danach stapften wir durch das Castle und ließen uns vom Audio-Guide voll labern. Alles so semi-interessant, zumal ich es ja eher mit den ruhmreichen Angelsachsen halte. Bei der Besichtigung des Gefängnisses huschte mir dann doch ein Lachen ins Gesicht. Der Audio-Guide erzählte, dass hier fast ausschließlich Holländer, Franzosen und Amerikaner inhaftiert wurden. "Jawoll, richtig so!" kam mir in den Sinn. Zumal diese im Knast arbeiten mussten, um dann mit dem Geld, das sie verdienten, ihr Essen und ihre Kleidung zu bezahlen. Hahaha. Mich erreichte die Nachricht, der Koffer solle irgendwann im Laufe des Tages zugestellt werden. Das entspannte mich komplett. Alle Aufregung war umsonst, wie so oft. Wir verließen das Edinburgh Castle und liefen über die Royal Mile zu meinem Lieblings-Pub, der "Tolbooth Tavern". Da der Weg dort hin arg weit war, machten wir kurz Rast im Pub "Jolly Judge". Ale trinken und weiter. Leider mutierte die "Tolbooth Tavern" zu einem Touristen Hot Spot. Aber da wir ja auch Touris waren, sind wir trotzdem rein. Der Laden war gerammelt voll, aber das Angebot, an der Theke zu sitzen und auch dort zu essen, war sehr reizvoll. Um mir dann selbst die Neckermannkrone aufzusetzen, bestellte ich natürlich Fish & Chips. Ungelogen, es waren die besten Fish & Chips die ich jemals auf der britischen Insel aß. Absoluter Banger! Dazu gab es ein Belhaven Best. Etwas wässrig, aber trotzdem gut. Es traf mal wieder eine Mail ein. Angeblich sei der Koffer im Hotel angekommen und nun bekam ich Lust auf Fußball!

"Europapokal.....Europapokal.....Europapokal!"

Im Hotel angekommen schnell noch die Joppe genommen und ab zum Bus. Auf dieses Spiel freute ich mich, denn garantiert sind ein paar Tschechen rüber gekommen und belagern die Pubs. Das Hinspiel-Ergebnis befeuerte meine Vorfreude. Mit dem Bus gurkten wir durch den Feierabendverkehr Richtung Stadion. Dort angekommen, kam die erste Enttäuschung. Die Bude hier ist gar nicht so abgeranzt wie man es sich gewünscht hätte. Naja, der Moderne Fußball macht auch vor Schottland nicht halt. Im Ticket Office holte ich dann die gekauften Paper Tickets. Das zog sich etwas in die Länge, denn das Mädel fand meinen Umschlag mit den Karten nicht in ihrer Ablage. Irgendwann wurde sie dann doch fündig und der Spaß konnte beginnen. Im Fanshop holte ich mir erstmal eine weiße Teamshorts. Der Preis war ne Frechheit, aber immerhin haben nicht viele eine der Hearts in ihrem Besitz. Beim Bezahlen fragte mich der Opa hinter dem Tresen, ob ich sicher bin, dass ich eine Torwarthose will. Um mir nicht die Blöße zugeben, sagte ich "Ja, klar. Wollte schon immer eine.". Naja, zu Hause weiß das ja niemand, dachte ich mir. Draußen holte ich mir noch ein Programm und wollte in den nächsten Pub. Das "Tyncastle Arms" war brechend voll und somit ging die Suche weiter und endete in "Staffords Bar". Schön ungemütliche Bude, komischer Geruch und ebenfalls sehr gut gefüllt. Bei gefühlten 30° arbeitete ich mich zur Theke vor und holte Gerstensaft. Die hatten die Ruhe weg und ich Bierdurst. Eine etwas unglückliche Kombination. Während ich so wartete nahm eine Blondine hinter der Bar Blickkontakt auf, grinste mich an, zwinkerte mir zu und sagte, "I like your jumper!" Läuft hier für mich, zumindest bei 60-jährigen zwei Zentner-Schottinnen. Ich schnappte die Pints und verschwand. Dann war es Zeit zu gehen. Kurz vor Anpfiff erreichten wir das Stadion und nahmen unsere Plätze ein. Hier auf der Haupttribüne sitzt man ganz fein. Die Tickets kosteten auch nur 20,-£. Da kann man sich andernorts mal ein Beispiel nehmen. Die Bude war voll und dann ging es los. Die Hearts machten eine Art Choreo und sagen munter Liedchen. Dann war eine Schweigeminute für Sven-Göran Erikson. Anpfiff und los! Auf der Hintertortribüne der Gastgeber hatte direkt hinter dem Tor eine Ultra-Gruppierung namens Gordie-Ultras ihren Platz. Sie versuchten Stimmung zu machen und die Leute zum Singen zu animieren. Das wiederum juckte niemanden im Stadion, denn in der Regel sang diese Lieder keiner mit. Im Gästeblock war eher Totentanz angesagt. Der war leer, aber vielleicht kommen sie ja noch. Das Spiel plätscherte so vor sich hin und irgendwie entstand der Eindruck, die Hausherren wissen gar nicht, um was es hier so geht. Ein trostloses Gekicke langweilte die über 16.000 Zuschauer durch die erste Halbzeit. Somit blieb Zeit die Gäste zu zählen. Mehr als um die 70 wurden es aber nicht. Die Kernkompetenz dieser tapferen Herrschaften war Schweigen. Da kam kein Mucks aus dem Gästesektor. Die Jambos, so werden die Hearts auch genannt, versuchten immer wieder Atmosphäre in das Stadion zu bringen, vor allem wenn es zu Torraumszenen kam. Das kam halt fast nicht vor. Was ein müder Kick!? Kurz vor der Halbzeit ging ich dann austreten. Genau in diesem Moment gab es eine Doppelchance für die Gastgeber und der ganze Pöbel kam mal aus dem Quark. Geht doch! Ich verfolgte das Ganze vor einem Mega-Monitor in den Katakomben. Dann war Halbzeit. Dem Himmel sei Dank!

Auf in Halbzeit Zwei. Jetzt mussten die Hausherren ja Gas geben, wenn sie das Ding noch drehen wollten. Wie sie sehen, sehen sie nichts. Die 22 Stümper auf dem Platz stolperten weiterhin über das Geläuf und brachten einfach nichts zu Stande. Im Sinne von gar nichts. Das fiel auch dem Publikum auf und es wurde geflucht, geschimpft und gepöbelt. Etwa in der 65. Minute gab es Jubel und Applaus. Der Trainer der Hausherren schickte 3 Ersatzspieler zum Warmlaufen. Jetzt kann vielleicht der Sieg eingewechselt werden. Wir brauchen hier nur eine Kiste und schon stehen wir vor der Verlängerung. Den Spielern war dies wohl nicht bekannt oder nicht bewusst. Ein Fehlpass jagte den nächsten. Ich schaute rüber zu den Gordie-Ultras. Aber die hielten mittlerweile komplett die Schnauze. Da war bei einer Folge "Gordie-Shore" deutlich mehr Action zu sehen. Ständig schlugen die Gastgeber hohe Flanken auf ihren 1,75m-Stürmer. Das fand der Ösi-Keeper der Tschechen lustig, denn der pflückte die mit seinen 1,94m alle locker runter. Konnte man sich nur an den Kopf fassen. In der 76. Minute brachten die Tschechen sich mal gut in Position. Schuss! Tor! Stecker gezogen! Im Viktoria-Block entbrach Jubel. So laut, wie halt 74 Leute jubeln können. Der Anhang der Hausherren pöbelte nun los und beschimpfte die eigenen Dilettanten wild. Endlich war hier was los. Jetzt entstand hier eine Aufbruchsstimmung. Allerdings nur auf den Tribünen. Gut 1/3 der Zuschauer machte sich auf den Weg nach Hause. Die hatte jede Hoffnung aufgegeben. Ich konnte sie verstehen. Auch die Einwechselspieler der Hearts entpuppten sich als berechtigte Bankhocker. Die letzte Viertelstunde wurde auch nicht mehr besser. Zwar waren die Herzen aus Midlothian bemüht, aber mehr auch nicht. Irgendwann erlöste uns Verbliebenen der Schiedsrichter. Selten so eine trostlose Veranstaltung erlebt. Ich schaute mich noch eine Weile im Stadion um und trottete enttäuscht hinaus. Nach einer Weile blöd rumstehen an der Bushaltestelle liefen wir zum nächstgelegenen Tesco Express. Morgen geht es in die Highlands und da wurde Proviant gebraucht. Unterwegs erspähte ich noch zwei feine Graffitis der Union Bears aus Glasgow, Schottlands No1. Das war heute mein drittes Spiel in Schottland, das dritte Mal, dass der Gastgeber in den Sack gehauen hat, das dritte Mal, dass der Gastgeber kein Tor geschossen hat. Halt, die Hibs hatten damals noch das 1:3 erzielt. Ich hatte dann kurzzeitig noch die Idee, sonntags zu Hearts gegen Dundee zu gehen. Dies verwarf ich aber. Wie ging das Spiel wohl aus? 0:1 gewann Dundee. Kann man sich echt nicht ausdenken. Viktoria Pilsen wird nun Europa League spielen und die Hearts sich in der Conference League ihre Ohrfeigen abholen.

Für mich stand jetzt Urlaub an. Der war dann gefüllt mit einem Trip in die Highlands, einem hochemotionalen Kampf um Oasis Tickets, 20 neuen Bieren für die Bier-App, einem Gin & Käse-Tasting, einem Besuch im "It started up north"-Shop, Strandbesuch, Pub-Hopping und dem Old Firm zum Sunday Roast. Mehr war dann aber nicht wirklich los.

Für den Rest des Jahres stehen noch einmal Liga 2, ein Besuch in der ehemaligen. K.u.K.-Monarchie, als auch zweimal Millwall away an.

Stay tuned, fellas!


Keep it tidy, geezers - don't get nicked!


Alfie Mace




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