RIP Matija.....Come on Millwall
- Alfie Mace

- 28. Aug. 2024
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Juli 2025
Millwall FC - Watford FC 2:3 (0:1)
The Den, Zuschauer 16.456, Auswärtsfans: ca.1.450 (10. August 2024)

Die neue Saison geht endlich los. Statt zum ersten Auswärtsspiel, sollte es für mich zum ersten Heimspiel der Saison gehen. Ein Londoner Derby gleich zum Auftakt, könnte schlimmer kommen. Leider fand das Spiel unter sehr traurigen Vorzeichen statt. Millwalls Torhüter, Matija Sarkic, verstarb am 15. Juni 2024, nur wenige Tage nach dem Länderspiel gegen Belgien auf bislang ungeklärte Weise. Der Verlust reißt eine große Lücke in die Mannschaft, aber auch in den Club. Zum heutigen Heimspiel sollte die Verabschiedung stattfinden.

Da der Anstoß auf 12:30 Uhr terminiert wurde, ergaben sich völlig neue Möglichkeiten für die Anreise. Der Wecker klingelte diesmal um 4:55 Uhr am Samstagmorgen. Ich quälte mich aus dem Bett und machte mich im Bad zurecht. Diesmal würde ich das erste Mal in etwa 20 Jahren ins Shorts im The Den aufkreuzen. Frohen Mutes schlenderte ich zu Bahn. Zeitlich lag ich recht gut und die Vorfreude stieg langsam. Es klappte auch reibungslos, bis zum Hauptbahnhof. Nun kam die Durchsage, dass dieser Zug hier enden würde. Grund hierfür war, angeblich, ein Personalproblem im Stellwerk Rüsselsheim. Wir sollten auf die kommende S9 warten. Wunderbar, nur, wenn dieser Kackzug hier nicht wegfährt, dann kann auch keine andere Bahn hier einfahren. Schon hatte ich wieder ein zeitliches Problem. Es dauerte gut 15 Minuten bis tatsächlich eine neue S-Bahn einfuhr. Kaum zwängten sich die gestrandeten Passagiere in die jeweiligen Wagons, kam auch schon die nächste Durchsage. Wegen personellen Problemen fuhr die S-Bahn nur bis Raunheim. Immerhin! Junge, fahr los! Ich hab einen Termin. Nachdem wir dann noch an der unnützesten Station "Gateways Garden" 5 Minuten rumstanden, kippte die Stimmung in der Bahn. Das Gemaule wurde lauter, inklusive meines Gezeters. Am Flughafen angekommen bin ich direkt zur Sicherheitskontrolle. Nö, hier hatte man offensichtlich Langeweile und somit wurde meine kleine Tasche nochmal besonders gründlich gefilzt. Abgehetzt, müde und genervt kam ich dann am Gate an. Schnell ein Hanuta und ein Sprudelwasser, oder Fizzy Water wie Mr. Belvedere gerne sagt, einverleiben und ab in den Flieger. Dieser war überraschend ausgebucht. Erstaunlich wie viele Leute mit ihren Kindern heute nach London wollten. An ein Nickerchen war bei der Geräuschkulisse nicht zu denken. Pech gehabt.

In Heathrow angekommen machte ich mich auf direktem Weg zur U-Bahn. Auch hier war gut was los. In einer Stunde war ich mit Mr. Elephant & Castle im "The Rockingham Arms"-Pub verabredet. Als ich dort ankam, saß er schon auf dem Barhocker und gönnte sich ein Guinness. Dem wollte ich in nichts nachstehen und orderte mir ein Harvard APA. Posh German is back. Wir unterhielten uns eine Weile und neben uns flippte ein Kerl am Daddel-Automaten aus. Offensichtlich hatte er das Gefühl, er hätte gewinnen müssen, aber die Maschine entschied sich anders. Unter dem Absingen schmutzigster Lieder verließ er den Laden. In Wetherspoon-Pubs verkehrt ein eigenwilliges Publikum, das kann man nicht anders sagen. Nach dem Pint machten wir uns auf den Weg zum Stadion. Mit dem Bus fuhren wir nach South Bermondsey. Dort lag noch ein Fußmarsch von gut 15 Minuten vor uns. Wir passierten die Small Beer Brewery und gingen zum Stadion. Dort deckte ich mich mit dem Programm für das heutige Spiel sowie zwei neuen Pins ein. Ohne geht einfach nicht. Mr. Elephant & Castle holte sich noch die Karten für das kommende Auswärtsspiel, während ich schon mal Richtung Bierstand ging. Auf den Bierautomaten hatte ich allerdings wenig Lust, weder auf ein Guinness noch auf die Plörre aus der Schweiz. Zu meiner Überraschung gab es frisch gezapftes Spitfire von Shepherds Neame. Könnte echt schlimmer sein. Dann traf ich meinen Kumpel wieder. Er hatte sich natürlich ein Automaten-Guinness geholt. Wir hielten Ausschau nach den anderen, konnten sie aber nicht erspähen. Folglich gingen wir durch die Drehkreuze. Dort standen Mr. PK, Bald Head und Mr. Belvedere. Kurze Begrüßung und dann ging es auch schon auf die Traversen.

Vor dem Spiel startete die kleine Trauerfeier für Matija Sarkic. Seine Familie war vor Ort und hinter jedes Tor wurde ein Trauerkranz gelegt. Während der Schweigeminute wurde 60 Sekunden geklatscht. Das gefällt mir im Vereinigten Königreich immer besser, als eine Minute zu schweigen. Dann ging das Spiel los. Die Transfers der neuen Spieler konnten keinen wirklich vom Hocker hauen. Somit ist mal wieder der Klassenerhalt das Saisonziel. Im Prinzip spielte die gleiche Mannschaft wie vergangene Saison. Einzig der neue Torhüter spielte von Beginn. Das Spiel nahm nur langsam Fahrt auf. Millwall war semi-gefährlich, Watford agierte noch biederer. Das änderte sich Mitte der ersten Hälfte, als Kayembe eine Ecke direkt ins Tor schoss. Basler ließ grüßen. Immerhin wachte der Gastgeber nun auf und kam zu einigen Chancen. Kurz vor dem Halbzeitpfiff donnerte Millwall den Ball an den Pfosten und der Nachschuss wurde dann auf der Linie geklärt. Das Ding war noch heiß. In der Pause musste ich kurz austreten. In den Toiletten stolperte mir der Plumber vor die Füße. Mit ihm hatten der Brewer und ich einen legendären Abend im "Walkabout" in Bournemouth. Der Abend bzw. die Nacht endete für irgend jemanden im Café Viereck. Die Beteiligten wissen Bescheid. Zu Beginn der zweiten Hälfte nahm Millwall wieder das Heft in die Hand und drängte auf den Ausgleich. Der beste Versuch endete erneut am Pfosten. Shit! Kaum waren 10Minuten in Halbzeit zwei vorüber, knallte Watford einen direkten Freistoß in die Maschen. Das war ein Stimmungskiller bei einer ohnehin nicht tollen Atmosphäre. Millwall schüttelte sich und in Minute 75 konnte der Anschlusstreffer erzielt werden. Geht hier doch noch was? 13 Minuten später erzielte Watmore mit seiner zweiten Bude doch glatt den Ausgleich. Wahnsinn! Wie aus dem Nichts explodierte die Stimmung. Die Hausherren waren zurück. Keine zwei Minuten später viel auch das dritte Tor, allerdings für The Hornets. Keine Ahnung weshalb die sich "die Hornissen" nennen, obwohl in ihrem Wappen ein Elch zu finden ist. Jedenfalls stachen sie zu und führten wieder. Millwall warf noch mal alles nach vorne und traf. Allerdings nur die verdammte Latte. Abpfiff, Feierabend!

Enttäuscht und ernüchternd verließen wir das Stadion. Der neue Keeper zeigte nicht eine Parade, hat sich aber drei Eier ins Nest legen lassen. Die neue Sturmhoffnung saß nur auf der Bank und zeigte nach der Einwechslung, dass da noch ganz schön viel Luft nach oben ist. Das wird eine zähe Saison, das war zumindest für mich klar. Da in London mal wieder nicht alle Bahnen fuhren, machten wir einen Spaziergang durch Bermondsey und steuerten den Pub "The Blue Anchor" an. Ein richtiger Millwall-Pub. Nur Heimfans vor Ort und man konnte Shirts der Fan-Szene erwerben. Die Musik von Blur, Madness, Oasis, Style Council und anderen machte mir viel Freude. Auch, dass der Teppich in diesem Laden gut zu meinem Hemd passte, erfreute mein Herz. Keine Ahnung weshalb wir hier nicht öfter hergingen? Aus der Bierlaune heraus, fasste ich den Entschluss, ich könnte mir doch ein Pub-Polohemd und ein T-Shirt kaufen. Leider machten meine Begleiter Mr. Belvedere, Mr. Elephant & Castle sowie Mr. PK so eine Hektik, dass ich unverrichteter Dinge mit ihnen den Pub verließ. Die Jungs wollten in die nächste Kaschemme. Somit war auch keine Zeit für mich, in den gegenüberliegenden Mod-Klamottenladen zu gehen. Nach gut 10 Minuten Fußmarsch erreichten wir den "The Queen Victoria"-Pub. Nette Schankstube mit einer fast mittig gelegenen Theke. An sämtlichen Tischen war an der Wand ein kleiner Fernseher zum Sport schauen. Auch hübsch gemacht. Mr. Belvedere berichtete von seinem Besuch beim Pferderennen in Ascot. Bier trinken und auf lahmende Pferde wetten, das bekomme ich auch noch hin, dachte ich so bei mir. Man erinnere sich an das Hunderennen in Dublin. Maximaler Misserfolg. Wir unterhielten uns eine Weile und planten die nächsten gemeinsamen Spielbesuche. Ich hatte da zwei Spiele im Blick. Zum einen Oxford United away und dann noch Coventry City away. Karten für Oxford zu bekommen könnte für mich schwierig werden, weil zu dem Spiel wohl "alle fahren wollen", wie es immer so schön heißt. Beide Fanlager haben ihre Geschichte aus der jüngeren Vergangenheit und das könne durchaus interessant werden. Die Bauweise des Stadions mit nur drei Tribünen steigert den Reiz natürlich zusätzlich. Mr. Elephant & Castle werde diesem Spiel nicht beiwohnen, denn da sei er auf dem Weihnachtsmarkt. Aus seinem ursprünglichen Deutschlandbesuch für die Christmas Markets wird dann doch nur York werden. Selbst Schuld! Wir tranken unser Pint, lunzten etwas auf die Fernseher und das dortige Gekicke und wollten dann die Lokalität wechseln. Mr. PK und Mr. Elephant & Castle hatten Hunger und wollten einen Pie & Mash-Laden aufsuchen. Ob ich nicht mitkommen wolle, immerhin hätte ich ja auch noch nichts gegessen?! Alternativ könnte ich auch mit Mr. Belvedere in Richtung London Bridge Station gehen um da noch einen Becher Bier zu trinken. Gut, bevor ich mich wieder vergiften lasse, ist dies Angebot deutlich attraktiver. Folglich landete ich mit Mr. Belvedere im "The Leather Exchange"-Pub. Dieser muss wohl einem Waliser gehören, denn die Kneipe war fast ausschließlich mit walisischen Fahnen geschmückt. Ich bestellte mir mein obligatorisches Ale und wir schauten noch etwas Premier League. Das Glas gefiel mir so gut, dass ich mich dafür entschied, der Wirt habe es mir geschenkt. So waren alle zufrieden und ich bin mir sehr sicher, er hätte es sowieso gemacht. Als ich mein Ale getrunken hatte, kamen die beiden Leckermäulchen wohl genährt zurück. Für mich war es nun höchste Eisenbahn zu gehen. Lieber wäre ich noch geblieben, aber der Flieger wollte gerne mit mir um 19:40 abheben. Ohh Mist, wir hatten schon 17:00 Uhr und ich war noch etwas von London Bridge Station entfernt. Jetzt aber flott zur Underground und ab nach Heathrow.

In Heathrow angekommen merkte ich meine Bierlaune ganz gut. Ich schob mich zielorientiert, geschickt an anderen Fluggästen vorbei zur Sicherheitskontrolle, denn schließlich war die Zeit nicht mehr auf meiner Seite. Wie immer hatte der Inselbewohner nichts auszusetzen und ich passierte den Check zügig. Mein Gate war schon ausgerufen und mich überkam der Appetit. Keine Gute Idee sich am Flughafen noch etwas zu Essen zu holen, wenn man einen kleben hat. Ich packte mir zu meinem Meal Deal noch Pasta und diverse Pepsi Mangos. Mit prall gefüllter Plastiktüte eierte ich zum Flieger. Der Plan war, während des Fluges zu essen. Im Flieger packte ich meine Tüte mit dem Proviant in die Gepäckablage, setzte mich hin und begann ein ausgeprägtes Nickerchen. Irgendwie war ich müde. Der Flug war für mich ruhig und ereignislos. Ob ich das alkoholbedingte Schnarchen vermeiden konnte, kann mit letzter Gewissheit nicht beantwortet werden, war mir aber unter dem Strich auch egal. In Good old Germany angekommen, machte ich mich schleunigst auf den Weg zur S-Bahn. Ich wollte nur noch nach Hause. Tja, was soll ich sagen? Die personellen Probleme hat der RMV mal den kompletten Samstag durchgezogen und nun hieß es wieder gut 20 Minuten warten. Glücklicherweise war ich nicht alleine am Gleis. Der Unmut meiner Mitfahrer hielt mich wach und etwas bei Laune. Mit gut 30 Minuten Verspätung kam ich dann zu Hause an. Gegessen hatte ich bis auf das Hanuta eigentlich nix. Aber statt etwas ordentliches zu essen, erwartete mich jetzt der Schrott aus der Plastiktüte. Abgepacktes BLT-Sandwich, Pasta und lauwarme Cola. Das hab ich ja mal wieder fein hinbekommen. Und statt dann direkt in die Koje zu hüpfen, bin ich auch noch auf der Couch eingepennt.

An einem Tag mal 1.400 Kilometer Flugstrecke hinter sich bringen, eine 2:3-Niederlage kassieren und sich dann noch mit Junk Food halb zu vergiften, dass muss man wollen. Aber jeder Auswärtsfahrer kennt das Prinzip, und ja, irgendwie hat es ja trotzdem Spaß gemacht. Die kommenden Trips werden anders laufen. Mal sehen was in der Europa League-Qualifikation so los sein wird. Und im November könnte an der Donau auch noch etwas passieren. Schauen wir mal! Zu Millwall geht es dann erst wieder im November und Dezember!
See you soon!
Keep it tidy, geezers - don't get nicked!
Alfie Mace



























