Wien....nur du allein, oder doch nicht?!
- Alfie Mace

- 24. Nov. 2024
- 15 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Juli 2025
First Vienna FC - Austria Lustenau 3:0 (2:0)
Stadion Hohe Warte, Zuschauer: 1.804, Auswärtsfans: ca. 70 (08. November 2024)
SK Slovan Bratislava - MFK Skalica 3:1 (3:0)
Narodny Futbalovy Stadion, Zuschauer: 5.588, Gästefans: 0 (09. November 2024)
Oktagon 63
Tipos Arena, Zuschauer: ca. 8.000
SK Rapid Wien - Austria Klagenfurt 2:0 (2:0)
Allianz Stadion, Zuschauer: 15.700, Gästefans: ca. 60 (10. November 2024)

Das Fernweh meldete sich wieder und die Motivation war groß, diesmal eine andere Fahrt zu machen. Warum nicht mit dem Nachtzug im Schlafwagen fahren? Als Zielort bot sich Wien an. Vor Jahren war ich schon mal da und ich wollte der Stadt, bzw. dem Wiener an sich, nochmal eine Chance geben. Wenn man schon da ist, kann man auch noch rüber in die Slowakei fahren, um dort "Hallo!" zusagen. Wien bot Freitag und Sonntag zwei Spiele, Bratislava am Samstag einen Kick an. Was will man mehr? Vielleicht noch eine feine Veranstaltung am Samstagabend? Ja, dann gehe ich doch zum MMA, zu Oktagon 63.

Da der Nachtzug bekanntlich in der Nacht fährt, konnte ich am Abreisetag noch voll arbeiten, nach Hause, um zu duschen und dann gemütlich zum Bahnhof fahren. Dort wartete ich auf die Regionalbahn nach Würzburg. Von da würde der Nightjet ab 1:50 Uhr in die Alpenrepublik rollen. Problem an der Geschichte war nun leider, dass der ortsansässige Erstligist in der Europa-League herumdümpelt und just an diesem Tag ein Heimspiel hatte. Somit saß im Zug ein mir zu großer Teil seiner Gefolgschaft. Ich musste mir das Gelaber bis hinter Aschaffenburg geben. Offensichtlich hatte sie gewonnen. Shit! Etwa gegen 0:25Uhr erreichte ich dann Würzburg. Jetzt mussten nur noch 80 Minuten bis zur Weiterfahrt überbrückt werden. Da es etwas frisch war, steuerte ich Mc Donalds an. Der Laden war überraschend gut gefüllt. Ich orderte Pommes und ne Coke light, nahm meine Bestellung und pfiff mir die Kartoffelstangen hinein. Um 1:00 Uhr war Feierabend und eine übermotivierte Mitarbeiterhin setzte uns vor die Tür. Jetzt hieß es noch gut 50 Minuten warten, bis das fahrende Bett eintrudeln wird. Ich hatte die Wahl mich zu den Obdachlosen auf ne Bank zu pflanzen oder einfach weiter rumzustehen. Die Wahl fiel auf die zweite Option. Als es dann an der Zeit war, ging ich zum Gleis. Nun kam der Zug und das Abenteuer konnte beginnen. Ich stand in meinem Wagon und suchte meine Mini Cabin, die ich gebucht hatte. Dies stellte sich als kleine Schlafröhre heraus. Der Schaffner öffnete mir die Kabine, zeigte mir meine zwei Schließfächer und fragte, was er am morgen zum Frühstück zu trinken bringen solle. Ich bezog mein Bett, machte mich bettfertig, schloss die Kabine und legte mich ab. Gar nicht mal so schlecht und wirklich bequem. Weder wackelte der Zug, noch war es laut. Lediglich das Kopfkissen war etwas klein. Ich stellte den Wecker und schlief schnell ein. Gut ausgeruht holte mich der Alarmton aus meinen Träumen. Ich zog mich an und öffnete die Kabinentür. Fix wurde das Frühstück gebracht. Zwei Kaisersemmeln mit Marmelade und einen Tee gab es. Der Zug hatte gut eine Stunde Verspätung und ich war froh, denn nun musste ich eine Stunde weniger bis zum Check-In im Hotel hinter mich bringen. So entspannt bin ich selten gereist. Da bin ich mal auf die Rückreise im Vierer-Abteil gespannt.

In Wien angekommen holte ich mir ein 72 Stunden-Ticket für die Öffis und machte mich auf den Weg zum Hotel im 6. Bezirk. Zu meiner Überraschung war mein Zimmer um 11:30 Uhr schon bezugsfähig. Im Zimmer nahm ich erstmal eine Dusche und zog mir frische Klamotten an. Danach lief ich direkt zum nahegelegenen Naschmarkt. Hier wollte ich etwas stöbern und unter Umständen etwas essen. Ich ging an den Buden vorbei und es dauerte nur knapp 10 Minuten bis ich den ersten Kontakt mit einem Eingeborenen hatte. Mir wurden Oliven angeboten. Diese lehnte ich freundlich dankend ab. "Ahh...schau an....der feine Herr, mit den schönen Hoarn!" schmetterte er mir mit dem breitesten Wiener Schmäh hinterher. Sie können es nicht lassen. An einem netten Stand schnappte ich mir einen Barhocker und bestellte mir erstmal ein Bier. Das ist ja auch eine Art Naschwerk. Nach dem Bier hatte ich um 14:00 Uhr einen Termin zur Brauereibesichtigung bei Ottakringer. In der Vergangenheit hatte ich schon bei einigen Brauereien eine Besichtigung erlebt. Allerdings war es hier in Wien nicht ganz so spannend. Immerhin weiß ich nun, dass unser Guide Simon seit Montag sein Geschichtsstudium erfolgreich abgeschlossen hatte. Glückwunsch! Nach der Führung stand noch eine Verköstigung im Schankraum an. Hier hatte man die Möglichkeit in 30 Minuten sich durch das Angebot von Ottakringer zu trinken. Als ich bei meinem fünften 0,2l-Bier war, wurde ich angesprochen, dass ich wohl nicht so oft Ottakringer trinken würde. Er hat es auf den Punkt gebracht. Unter dem Strich waren echt ein paar gute Biere dabei. Danach fuhr ich mit der Tram zurück in meine Unterkunft. Um 17:15 Uhr war ich zum Abendessen mit Two Beers von Austria Wien verabredet. Im Hotel angekommen legte ich mich noch mal gut 20 Minuten ab.

Nach der Augenpflege machte ich mich zu Fuß in den 7. Bezirk. Im 7Stern-Bräu wollte ich zu Abend essen. Hier war ich dann auch mit Two Beers verabredet. Er gehört zu den Violetten aus Österreichs Hauptstadt. Zum kurzweiligen Gespräch über Fußball & Klamotten gönnte ich mir ein ordentliches Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat. Wenn man schon Fußballtourist ist, dann muss man auch Tourisachen machen. Nach gut eineinhalb Stunden trennten sich unsere Wege wieder. Er fuhr nach Hause und ich wollte zur Vienna in den Stadtteil Döbling. Mit der Bahn U-Bahn fuhr ich zur Station Heiligenstadt. Ein schön gekachelter U-Bahnhof begrüßte mich. Stil hat der Wiener. Muss man schon anerkennen. Als ich aus der kleinen Bahnhofshalle trat, erspähte ich schon das Flutlicht. Da ging mir das Herz auf. Ich durchquerte die Karl-Marx-Höfe und nach gut 10 Minuten stand ich vor dem Stadion. Die Naturarena Hohe Warte. Nach dem ich den Sicherheitscheck passiert hatte, war ich das erste Mal überrascht. Wie viele Leute stehen denn hier am Eingang zum VIP-Zelt Schlange? Gefühlt die Hälfte aller Zuschauer. Ich steuerte zuerst meinen Sitzplatz auf der Haupttribüne an. Danach schaute ich mir die Malereien in den Katakomben dieser alten Tribüne an. Im Anschluss daran drehte ich eine Stadionrunde. Die naturbelassenen Tribünen mit den Stahlrohrelementen der Gegentribüne waren schon geil. Das hier Spieler wie Hans Krankl. Andi Herzog oder auch Mario Kempes gekickt haben, das ist schon ne Wucht. Zurück auf meinem Platz auf der Tribüne wollte ich das Stadionbier genießen. Du liebe Zeit. Ottakringer Lager...schmeckt wie eingeschlafene Füße. Das Spiel ging los. Die Vienna war das bessere Team und es entstand ein munterer Kick. Das war bei diesen kalten Temperaturen auch bitter notwendig. In der 6. und 24. Minute trafen die Blau-Gelben ins Tor. Als der Torschütze "Kevin Boateng" verkündet wurde, zuckte ich zusammen. Es stelle sich aber heraus, dass er "Kelvin Boateng" heißt und gar kein Prince ist. Die Kotze konnte wieder geschluckt werden. Die kleine Fanszene der Hausherren unterstütze ihr Team ordentlich. Das hat echt Laune gemacht. In der Halbzeit suchte ich den Fanshop auf. Hat alles irgendwie Charme hier. In der zweiten Halbzeit wurde Lustenau besser, aber konnte das Spiel nicht drehen. Deren Schlachtenbummler haben immer wieder versucht ihre Kicker anzufeuern. Nach dem 3:0 hatten sie aber die Schnauze voll und es war Ruhe im Auswärtssektor. Abpfiff, Feierabend! Weil mir so richtig kalt war, suchte ich fix den Weg zurück zum Bahnhof. Bei dem Wetter holst du dir nur einen Schnupfen. Kurz nach dem ich im Bahnhof zu den Gleisen ging, wurde ich von hinten angestupst. "Du bist doch der "Casual Dresser"!" Ich brauchte einen kurzen Moment, um die Situation zu checken. Knallt's gleich oder ist er mir wohl gesonnen? Aber es war doch nur der Vienna-Hawara. Wir folgen uns bei Instagram gegenseitig. So lernt man sich also persönlich kennen. Wir kamen direkt ins Gespräch und fuhren gemeinsam in Richtung City. Am Schwedenplatz verabschiedeten wir uns mit einem herzlichen "Servus". Für Sonntagmittag verabredeten wir uns zum Bier trinken. Wunderbar! Mich verschlug es zurück in den 7. Bezirk und ich ging in die Kneipe "Centimeter". Hier war schon der Kehraus eingeläutet. Das stört ja mich nicht und ich pflanzte mich erstmal an die Theke. Während die Belegschaft hinter der Theke und im Gastraum alles aufräumte, teste ich mich durch das Angebot der Zapfhähne. Von Traunsteiner Dunkel bis Murnauer Lager gab es da einiges. Als dann die Barhocker auf die Theke gestellt wurden, erklärte ich mich bereit zu zahlen und ging zurück ins Hotel. Tag 1 war geschafft, Gute Nacht!

Der Wecker klingelte am Samstagmorgen und es hieß aufstehen, um eine Hauptstadt weiter zu fahren. Ich hatte mir vor Wochen schon eine Zugfahrt nach Bratislava gebucht. Im Nachhinein würde ich den Hinweg nicht mehr mit der Bahn bestreiten, sondern mit dem Donaudampfer fahren. Der Weg zum Bahnhof, als auch die Zugfahrt nach Bratislava, waren ereignislos und der Weg war in gut einer Stunde bewältigt. In Preßburg, wie Bratislava eigentlich heißen sollte, angekommen, suchte ich erstmal eine Möglichkeit, um in die Innenstadt zukommen. Der Bus war das Mittel der Wahl. Problem hier war nun, welches Ticket muss ich am Automaten ziehen? Beschriftet war das Ding ausschließlich in slowakisch. Ich hätte ja fragen können, aber das verbot mir mein Stolz. Somit entschied ich mich für das "24h +100"-Ticket. Keine Ahnung ob das richtig war, aber mir standen 3 Fahrten bevor und für 4,20 € ist der Preis für mich in Ordnung gewesen. Nach 4 Stationen erreichte ich die Altstadt. Zuerst ging ich hoch zur Burg und anschließend bummelte ich durch die schöne Innenstadt der slowakischen Hauptstadt. Hier war gut was los. Viel Gastronomie und das zu fairen Preisen. Nachdem ich 2,5 Stunden durch die Gassen und einen Hallenflohmarkt getigert war, zog es mich in den Factory Pub. Hier aß ich zu Mittag und labte mich an slowakischem und tschechischem Bier. Sehr urig und es verkehrten hier viele Einheimische. Preislich hatte ich aber ins Klo gegriffen, denn die Gauner hatten stabile Preise. Naja, immerhin waren die beiden blonden Bedienungen patent und somit passte das unter dem Strich. Nun war es Zeit in Richtung Straßenbahn zu gehen und die Bahn zum Stadion zu nehmen. Gut 15 Minuten war ich unterwegs. Dann lagen noch 15 Minuten Gehweg vor mir. Hier war es schon nicht mehr so schön. Willkommen im Ostblock. Mietkasernen und Platte rundeten das Gesamtbild ab. Nicht Jedermanns Sache, aber einen gewissen Reiz vergangener Tage hatte es.

Am Stadion holte mich allerdings die Realität wieder ein. Das Nationalstadion der Slowakei, hier spielt Slovan, ist von außen ein modernes, steriles Stadion. Gegenüber sind moderne Hochhäuser gebaut. Sehr futuristisch, aber wenig attraktiv. Nachdem ich den Eingangsbereich hinter mich gebracht hatte, suchte ich meinen Platz. Ich hatte eine hervorragende Sicht in einem langweiligen, neumodischen Stadion. Reizvoll war aber der Stadion-DJ, der feinstes elektronisches Gewummer aus den Boxen haute. Statt Lust auf Fußball, bekam ich Lust auf einen Techno-Rave. Die Lichtorgel der Stadionbeleuchtung tat ihr übriges dazu. Heute spielte hier der Tabellenführer gegen den Tabellenletzten aus Skalica. Passend dazu war, dass nicht ein einziger Fan der Grün-Weißen mit hergefunden hatte. Das wird stimmungsmäßig wohl übersichtlich. In Halbzeit eins waren die Gastgeber die bessere Mannschaft und zeigten den Gästen wo es lang geht. Die Fantribüne der Gastgeber präsentierte einen kleinen Ultrablock in dem versucht wurde, diesem Betonklotz etwas Atmosphäre zu verleihen. Schalparaden, gute Gesänge und bis zu 5 Schwenkfahnen rundeten das Bild ab. Nichts was besonders wäre, aber besser als nichts. Das Capo-Podest war gar nicht erst besetzt und war wohl auch nicht notwendig. Mit 3:0 ging es in die Halbzeit. Das sah nach einer einfachen Geschichte aus. Insgesamt war nicht viel los. Das spiegelte sich auch an den Kiosken im Stadion wider. Die Wurst sah hier eigentlich gut aus, folglich holte ich mir eine riesige, rote Wurst mit Brot und Senf. Dazu gab es noch eine Pepsi Maxx sowie eine Tafel Schokowaffeln für insgesamt 6,80 €. Da kann man nichts sagen. Mit meinem Futter stellte ich mich an einen Stehtisch der von 3 Gordies in Beschlag genommen wurde. Keine Ahnung was die Newcastle-Affen hier machen, aber ich lauschte denen mal ein wenig. Eigentlich war klar weshalb die hier waren. Hoppen und Bier trinken. Voller Freude biss ich in meine Riesenwurst. Und was soll ich sagen?! Die Pelle war schön bissfest, im Gegensatz zum Innenleben dieses Dings. Schlotzig beschreibt es wohl am besten. Nach welchem Tier dieser Riemen schmecken sollte, erschloss sich mir nicht. Ich zwängte mir das Teil hinein. Die Pepsi half da ganz gut. Dann war es soweit, Schiedsrichter pfiff wieder an. In Halbzeit zwei drehte sich das Blatt. Nach dem Anschlusstreffer spielte das Kellerkind der Tabelle guten Fußball und war das bessere Team. Wenn das hier 4:4 ausgegangen wäre, hätte sich niemand beschweren können. Die Wurscht aus der Halbzeitpause meldete sich nun immer wieder. Ständig musste ich aufstoßen und dies war etwas semi-lecker. Zwischendurch musste auch der ein oder andere fliegen gelassen werden. Es half ja nichts, dieses Fleischpräparat setzte mir zu. Nach dem Abpfiff haute ich fix ab, denn hier war die Messe gelesen.

Der nächste Programmpunkt stand nun an. Ich lief gut 500 Meter weiter zur Tipos Arena. Hier stieg ab 18:00 Uhr eine MMA-Veranstaltung von Oktagon mit einer deutlich besseren Stimmung als beim Gekick zuvor. Etliche slowakische und tschechische Kämpfer traten heute hier in den Ring. Zwei Deutsche Fighter waren ebenfalls dabei. Bevor es losging holte ich mir eine Cola und ein Bier. Ich musste den Geschmack der Wurst bekämpfen. Mit meinen Getränken wollte ich auf meinen Sitzplatz zurück. Denkste! Laut einem Türschild waren Essen & Trinken in der Sportstätte nicht gestattet. Ich stürzte die beiden Getränke ab. Jetzt meldete sich das Sodbrennen. Ich ging in die Halle. Jeder hatte hier sein Getränk und seinen Snack dabei. Juckte absolut niemanden. Die Kämpfe begannen und es war gut was los. Besonders die Lokalmatadore wurde lautstark unterstützt. Das machte richtig Freude. K.O.s und Blut gab es ordentlich zu sehen. Einzig und allein die Wurst meldete sich immer wieder. Selbst meinem Sitznachbarn wurde das langsam unangenehm. Vor den beiden letzten Kämpfen machte ich mich auf den Heimweg. Sonst würde ich den letzten Zug zurück nach Wien nicht mehr erreichen. Nachdem ich die Halle verlassen hatte, fuhr ich mit dem Bus zurück zum Bahnhof Bratislava-Petrzalka. Am Snack-Automaten wollte ich mir noch etwas zu trinken ziehen. Um abzuchecken wieviel der Saft kostete, gab ich die Nummer ein. Jackpot, das Getränk kam heraus. Dazu spuckte die Maschine noch 2,50 € aus. Diese wurden sofort in Schokoriegel reinvestiert. Einer davon landete direkt wieder im Mülleimer. Ich lasse mich doch nicht mit Marzipan vergiften. In Wien angekommen, machte ich mich direkt auf den Weg in Richtung Hotel. Auf dem Fußweg zur Unterkunft, kehrte ich aber noch mal im "Puff" ein. Ein Gin Tonic als Absacker kann ja nicht schaden. Cheers und Gute Nacht.

Wenn man am Sonntagmorgen durch den Wecker geweckt wird und einem direkt kalt ist, dann ist das schon mal kein gutes Zeichen. Genau so war es. Ich quälte mich aus dem Bett und machte mich im Bad salonfähig. Nachdem die Tasche gepackt war, gab ich sie an der Rezeption ab. Der Vienna-Hawara meldete sich leider krankheitsbedingt ab und somit wurde es nichts aus dem gemeinsamen Bier trinken. Ich lief in Richtung Stephansdom um ein wenig Sightseeing zu machen. Gott, heute war es echt kalt. Die üblichen Tourispots lief ich dann auch noch ab. Karlskirche, Hofburg, Stephansdom, Heldendenkmal der Roten Armee oder Albertina, alles angesehen. Aber eigentlich war ich auf der Suche nach einer ordentlichen Bosna. Ich stapfte durch die Fußgängerzone und fand dann mein Mittagessen am Wurststand "Wiener Würstl". Die Bosna war echt lecker. Als ich genüsslich in den heißen Wurstriemen biss, kam ein altes Mütterchen auf mich zu. Ob ich mal 2 Euro für sie hätte? Die Wiener, herrlich. Hier kennt man kein Understatement, hier wird geklotzt, nicht gekleckert. Ich gab ihr 2,50 Euro. So sind sie, die Deitschn! Da mir nun echt kalt war, suchte ich mir eine Gaststätte, um mich aufzuwärmen. Dass es die "1516 Brewing Company" war, war bestimmt reiner Zufall. An der Theke ergatterte ich ein feines Plätzchen. Das selbstgebraute Bier, in diesem Fall Lager und ein IPA, machten dann doch Freude. Nun bemerkte ich, dass mein Ticket für Rapid nicht am Mann war. Na prima! Statt dann direkt zum Stadion zu eiern, musste ich nochmal zum Hotel. In einer Bierlaune in der Kneipe kam ich auf die Idee, ich könne ja, bevor ich das Ticket im Hotel hole, noch fix in ein Kaffeehaus. Ich steuerte das Kaffeehaus Sluka an, setzte mich an einen Dreiertisch und gab meine Bestellung auf, Apfelstrudel und dazu Rum mit Heißer Schokolade. Kurz darauf kam eine Mutter mit zwei Plagen und zwängte sich an einen Zweiertisch. Freundlich wie ich bin, bot ich ihr an die Plätze zu tauschen. Gesagt, getan. Dies blieb von dem, für meinen Tisch zuständigen, Ober nicht unbemerkt. Er ging an mir vorbei, blieb stehen, drehte sich zu mir und raunzte mich im breitesten wienerisch an: "Na, da haben sie sich jetzt umgesetzt? Ja, wun-der-bar!" Dabei verdrehte er obligatorisch die Augen. Sie sind einfach wie sie sind, diese Wiener. Nach dem ich gezahlt hatte, fuhr ich zurück ins Hotel und musste mir dort ein neues Ticket ausdrucken lassen. Das andere war weg. Bei der Suchaktion in sämtlichen Taschen agierte ich aber wenig souverän und hoffte, alles wieder gut verstaut zu haben.

Der Weg zum Stadion von Rapid war völlig unspektakulär. In Hütteldorf angekommen lief ich einfach der Masse hinterher. In der Regel ist das eine gute Entscheidung, so auch heute. Das Weststadion, heute auch Allianz Stadion genannt, ist ein ähnlicher Neubau wie in Bratislava. Optisch schon mal kein Leckerbissen. Aber, da die Anhängerschaft doch eher als rustikal zu bezeichnen ist, könnte das hier doch etwas Potential haben. Gegenüber der Heimtribüne ist ein Sportspub, Das hat schon mal gepunktet. Um auf die Haupttribüne zu gelangen, musste ich um die ganze Schüssel herum latschen. Die Bereiche unter der Tribüne wirkten ziemlich steril und langweilig. Könnte man mehr draus machen. Immerhin kann Rapid mit dem Stadionbier von Gösser punkten. Zum Intro gab es eine ordentliche Choreo der Gruppe "SAF 2012" mit einem mir unverständlichen Spruchband. "Der Bus war unser Wegbereiter, als Strizzis machen wir jetzt weiter". Was auch immer das bedeuten mag, sie werden schon Recht haben, dachte ich so bei mir. Klagenfurt hatte etwa 60 Hansel aus Kärnten herangebracht, aber die hörte und sah man nicht wirklich. Die Rapid-Kurve war 90 Minuten präsent, optisch und akustisch. Zwischendurch wurden noch Bengalos gezündet. Später noch einem verstorbenen Nürnberger Ultra gedacht. Das war alles in allem ganz gut. Die Mannschaft bestimmte das Spiel von vorne bis hinten. Die beiden schnellen Tore halfen dabei natürlich. Erstaunlich war, dass ausschließlich die Hintertortribüne das Team supportete. Die anderen drei Stadionteile hielten schön die Klappe. Denen war wohl, genau wie mir, viel zu kalt. Vielleicht ist es auswärts mit Rapid geiler, oder es muss der Lokalrivale Austria kommen. Nach Abpfiff machte ich mich schnell weg, denn ich wollte zurück zum Hotel und dann noch was essen. Bis zum Nachtzug um 22:10 Ihr war aber noch genug Zeit.

Im Hotel angekommen schnappte ich mir meine Tasche und lief zum "Café Museum". Die hatten bis 21:00 Uhr geöffnet. Zum krönenden Abschluss gönnte ich mir noch einen leckeren Kaiserschmarrn und eine weitere Heiße Schokolade. Ob das eine so gute Idee war, dass sollte sich noch erweisen, denn auf meine Laktoseintoleranz ist meist Verlass. Zweimal Milchgetränke war schon gewagt. Nach meinem Nachtmahl fuhr ich zum Hauptbahnhof und wartete auf den Nachtzug. Die Hinfahrt war ja überraschenderweise sehr entspannt. Diesmal hatte ich ein Vier-Abteil gebucht. Als der Zug einrollte, ereilte mich die Ernüchterung. Die Wagons waren die Topmodelle der frühren 70er Jahre. Hier musste man die Türen noch mit einer roten Kurbel öffnen. Die älteren werden sich erinnern. Ich betrat meinen Wagon und mein Abteil ließ sich nicht öffnen. Viele andere ebenfalls nicht. Das sorgte für Stau und das Gemaule auf dem Gang nahm stetig zu. Ob die Tür nicht aufginge? Ob das mein Abteil wäre? All dieser Blödsinn wurde gefragt. "Nee, ich steh zum Spaß hier rum." Irgendwann tauchte der Schaffner auf. Er hatte vergessen die Abteile zu öffnen. Prima! Die Fahrkarten wurden kontrolliert und wir wurden gefragt, was wir zum Frühstück trinken wollten. Kaffee oder Tee? Nachdem wir wählten, fiel dem Zugbegleiter ein, dass er zu unserer Frühstückszeit Ruhezeit habe. Deshalb sei es möglich, dass es kein Frühstück geben könnte. Mit mir im Abteil fuhr ein Wiener, der in Halberstadt arbeitete. Außerdem waren noch zwei russische Musiker dabei. Der Wiener und ich fuhren bis Dresden, die anderen beiden bis Berlin. Deshalb entschieden wir, dass die beiden oben schliefen und wir anderen unten. Der Akku meines Handys neigte sich dem Ende. Ich wollte es laden, aber die Steckdosen in unserem Abteil funktionierten nicht. Auf dem Gang gab es auch eine Steckdose, aber diese funktionierte ebenfalls nicht. Wir machten uns bettfertig und legten uns ab. Der Wiener fuhr diese Strecke jede Woche und erzählte, dass man kurz vor der Ankunft in Dresden geweckt werden würde. Sein Wort in Gottes Ohr. Wir machten das Licht aus, Der Zug ratterte über die Schienen und alles wackelte und vibrierte. Da das Fenster nicht richtig schloss, zog es wie Hechtsuppe. Deshalb drehte ich mich nach einer Weile um und legte meinen Kopf zum Fußende. Hier leuchtete mir die Gangbeleuchtung in die Visage. Also...wieder drehen. Mir wurde kalt, somit zog ich mir Hose und Pullover wieder an. Jetzt rächte sich mein Milchkonsum des Tages. Ich verzog mich zur Toilette. Hervorragend, kein Toilettenpapier. Obwohl es untersagt war, die Papierhandtücher mussten herhalten. Zurück im Abteil, legte ich mich erneut ab und schlief irgendwann ein. Bis dahin konnte ich die Winde gut einhalten. Was während des Schlafes passierte, das können nur die Mitfahrer berichten. Urplötzlich wurde an mir gerüttelt. "Wir sind gleich da!" Ich schnellte nach oben. Der Wiener hatte mich geweckt. Schlaftrunken zog ich meine Schuhe und die Jacke an, schnappte meine Tasche und raus aus dem Zug. Auf dem Bahngleis kam ich erst zu mir. Wir waren am Hauptbahnhof in Dresden. Mir fiel alles aus dem Gesicht, denn ich hätte in Dresden-Neustadt umsteigen sollen. Der Wiener sagte, es sei besser hier umzusteigen, denn der von mir gebuchte ICE fahre über dieses Gleis, in Neustadt müsste ich das Gleis wechseln. Solche Informationen sind Gold wert. Als der ICE kam, suchte ich meinen Platz und ließ mich nieder. Nun bemerkte ich, dass meine Kreditkarte, meine Bahncard und die Krankenkassenkarte nicht mehr bei mir waren. Das fehlte mir jetzt gerade noch. Entweder habe ich meine Brieftasche bei der Umräumaktion im Hotel oder im Schlafwagen verloren. Das ganze Wochenende wurde ich nicht einmal kontrolliert, aber bei der Rückfahrt musste es ja passieren. "Ich würde dann gerne noch ihre Bahncard sehen" sagte die Zugbegleiterin. "Die würde ich auch gerne sehen, aber die fährt eventuell nun alleine nach Berlin." antwortete ich etwas schnippisch und hob die Papiertüte mit meinem Frühstück aus dem Nachtzug ihr entgegen. "Das ist jetzt aber blöd für sie." erwiderte sie und zog von dannen. Erledigt und müde fuhr der Zug nun über Leipzig, Erfurt und Würzburg nach Hause und mit gut 50 Minuten Verspätung erreichte ich den Zielbahnhof.

Ein ereignisreiches Wochenende ging zu Ende. Die Erfahrung mit dem Nachtzug war es wert, aber eine regelmäßige Reisegelegenheit wird es nicht. Etwa 120,- Euro war der Zug teurer als der Flieger. Wien wird mich sicher wiedersehen, das Derby Austria - Rapid wäre noch reizvoll. Und die Vienna in den Sommermonaten wäre auch ein Besuch wert.
"Wien, nur Wien du kennst mich up, kennst mich down. Du kennst mich. Nur Wien, nur Wien du nur allein, wohin sind denn deine Frauen?" ("Vienna calling", Falco)

Der nächste Trip geht wieder auf die Insel....auswärts zu den elitären Studenten.
Casual as usual!
Keep it tidy, geezers - don't get nicked!
Alfie Mace



























































